Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1878)
- Date
- 1878-06-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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633 errettet uns aus ihrer Hand", und zwar sagen wir das mit vollem Rechte in gehobener und besonders feierlicher Stimmung; denn noch immer gibt es, trotz der vielfach gepriesenen Intelligenz, Humanität, Liberalität und Toleranz der Judenfeinde so viele; fast täglich tauchen neue Judenfresser auf und suchen ihren Haß und ihre Verbissenheit gegen Juden und Judenthum sowohl durch die öffentliche Presse, als durch Reden zum Ausdruck zu bringen und die unwissende Menge gegen uns aufzubringen. Daß es auch Geistliche unter diesen s. g. Judenfressern gibt, die ihre Kenntnisse über Juden und Judenthum nur aus der allertrübsten Quelle, aus Eisenmengers: Entrücktes Judenthum und ähnlichen Machwerken geschöpft, davon haben wir in hies. Gegend kürzlich einen Beweis gehabt, indem ein gewisser Pastor Thümmel, irren wir nicht, aus Elberfeld, sich als solcher charakterisirte und zwar in Altena a. d. Lenne. Der in Iserlohn erscheinende „Anzeiger für die Kreise Iserlohn und Altena" enthält über den in Rede stehenden Vorgang nachstehendes: N. Schmtzler und M. Stern, Lehrer, unterschriebenes Inserat: „Unterzeichnete ersuchen den Herrn Pastor Thümmel an dieser Stelle seine in seinem Vortrage aufgestellte Behauptung , daß die Juden jeden Andersgläubigen für unrein hielten, aus dem alten Testament oder dessen Erklärungsfchriften zu beweisen." — Um Aufnahme vorstehender ruhig und besonnen gehaltener Erklärung wurde auch die Redaction des Altenaer Kreisblattes angegangen, von dieser aber — verweigert. — Es ließ sich voraussehen, daß Herr Pastor Thümmel auf obige an ihn gerichtete Aufforderung nicht antworten und den Beweis für seine gehässigen Auslassungen schuldig bleiben werde. Der in Iserlohn erscheinende Kreisanzeiger enthält über den in Rede stehenden Vorgang nachstehende mit: M. Stern, Namens vieler Anderer Unterzeichnete Erklärung: „Da Herr Pastor Thümmel sich nicht gemüffigt gesehen hat, auf die in der vorigen Nummer gestellte Anfrage zu antworten , so können wir nicht umhin, anzunehmen, -aß derselbe den erbotenen Beweis beizubringeu nicht in der Lage ist, weshalb wir denselben dem genannten Herrn hiermit erlassen. Dem Directorium der Volksbibliothek, das sich in eine Polemik zu Gunsten des Herrn Pastor Thümmel, — wir hoffen ohne Erlaubniß desselben — ergangen hat, erwiedern wir, daß jeder Unbefangene in unserer Aufforderung weder eine Rüge noch eine Kritik, sondern nur den Wunsch ausgedrückt gefunden haben wird, das öffentlich bewiesen zu sehen, was öffentlich behauptet worden ist. — Wenn der Herr Pastor auch die Güte hatte, einen Vortrag zu halten, so gibt diese Güte demselben noch nicht das Recht, ein Princip aufzustellen, das sich in einer für uns giltigen Weise nicht rechtfertigen läßt. — Wir merken uns, daß das Directorium der Volksbibliothek weitere Inserate unberückstcht läßt, hoffen aber, daß jeder Tolerante sich in dieser Angelegenheit das richtige Urtheil bilden wird. Wie wir nachträglich erfahren, hat Herr Pastor Thümmel in einem an die Herren Schnitzler und Stern gerichteten ellenlangen Schreiben sich damit entschuldigt, daß er allerdings nicht im Stande sei, die erbetene Beweisführung für seine ausgestellte Behauptung aus dem alten Testamente und dessen Erklärungsschriften herzuleiten; er könne nur Eisenmenger als Gewährsmann anführen und wenn dieser Unrecht habe, sei er gern bereit, seine aufgestellte Behauptung zurückzunehmen! Da sieht man aus welchen Quellen diese Leute ihre Kenntnisse über jüdische Angelegenheiten schöpfen! M. Rosenwald, Lehrer. Rumänien. Bukarest 6. Juni. Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Cogolnitscheanu, wird nun doch Bratianu nach Berlin begleiten. und wahrscheinlich dürften die beiden Minister morgen schon dalin abreisen. Gestern Abends hat eine geheime Versammlung von Deputaten und Senatoren stattgefunden, in der diese Angelegenheit zu heftigen Debatten Anlaß gab, endlich aber in dem obigen Sinne entschieden wurde. Cogolnitscheanu nahm jedoch das Wort und gab der Versammlung einen kurzen Bericht über die Situation des Landes. Er sagte, daß Rumänien mehr Gutes von einem Kriege zu erwarten gehabt hätte, als vom Frieden. Rußland bestehe dringender denn je auf der Rückgabe Bessarabiens, und von keiner der Mächte sei ein sicheres Versprechen gemacht worden , Rußland daran zu verhindern, es mit Gewalt zu nehmen, falls Rumänien Widerstand leisten werde. Aus gut unterrichteter Quelle könne er übrigens versichern, daß bereits in Reichstädt Oesterreich - Ungarn sowohl als Deutschland die Absichten Rußlands, Bessarabien betreffend, gekannt und nichts dagegen eingewendet hätten. Auf die Anfrage des Deputaten Waffescu, ob sich der Congreß nicht auch mit anderen Rumänien betreffenden Fragen beschäftigen werde, antwortete Cogolnitscheanu, daß wahrscheinlich auch die Judenfrage zur Sprache kommen dürfte, und zwar werde diese Frage von Rußland aufgeworfen werden, um Rumänien eine unangenehme Situation zu bereiten. Es sei ihm von russischer Seite die vertrauliche Zusicherung gemacht worden, daß falls Rumänien