Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1878)
- Date
- 1878-06-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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des Staatslebens aufstellt, wonach jeden Einzelnen das Pflichtgefühl leiten muß, zur Erhaltung des Ganzen feine Kräfte einzusetzen. Da thut es vor Allem Noth, die gefährlichsten Feinde des Gedeihens, die Täuschung und die Selbstsucht, den Neid und die Gehässigkeit zu unterdrücken. Alle Argumente, die Sie gegen mich in's Feld führen, sind nicht dazu ausgerüstet, die Fassung des von mir gerügten Paragraphen zurechtfertigen, wohl aber bietet Ihnen unsere Streitfrage Gelegenheit, Verhältnisse zu kennzeichnen, auf die Sie gerne die Mißstände, welche bei Ihnen herrschen, zurückführen möchten. Da ich aber keine Veranlassung habe, auf Geschäftsverhälnisse einzugehen, die mit der Tendenz meines Artikels Nichts gemein haben, so überlasse ich es Denjenigen, die sich von Ihrer Anklage betroffen fühlen, sich selbst zu vertheidigen oder dieselbe als berechtigt hinzunehmen, und wenn sie den Erfolg hat,'manchen Händler auf solidere Bahnen zu lenken, dann will ich es nicht beklagen, Ihre Kritik provocirt zu haben. Die Frage aber, geehrte Herren, bleibt mir und jedem logisch Denkenden übrig: Wie konnte die überwiegende Anzahl jüdischer Händler in Ihrer Gegend reüssiren, wenn Sie für ihren Schund bei den Herren Uhrmachern keinen willigen Absatz gefunden hätten? Zum Schluffe zugebend, daß dort die traurige Convenienz besteht, sich so auszudrücken, als ob Schund- oder Juden-Waaren gleichbedeutend seien, erkenne ich die Rücksichtlosigkeit und Beschimpfung nur in dem Umstande, daß diese gehässig lautende, jeder ehrlich collegialen Bestrebung widersprechende und darum den ersten Zweck Ihrer Vereinsbildung verneinende Ausdrucksweise — und darin stimmt mit mir jeder wohlgesinnte christliche College überein — nicht in das Statut eines Verbandes weitverzweigter Vereine, gegründet im Jahre 1878, respective im 19. Jahrhundert, hinein paßt. Achtungsvoll B. Stern, Uhren-Handlung en gros. Frankfurt a. M., Mai 1878. A Vom Rhein. Wenn man nach Beweisen für die Elasticität verlegen zu sein brauchte, womit das Breslauer Rabbinerseminar die Gewissen seiner Jünger auszustatten versteht, so könnte man auf die Wahl des Herrn Dr. Lewin zum Rabbiner von Coblenz verweisen. Derselbe amtirte bis jetzt in Koschmin, einem Stäbchen in der Provinz Posen. Wir kennen die religiöse Gesinnung der betreffenden Gemeinde nicht, sie wird diejenige der meisten Gemeinden der Provinz Posen sein; also im Großen und Ganzen die des conservativen Judenthums. — Herr l)r. Lewin hat dort 6 Jahre gutgethan. Die Cobtenzer Gemeinde ist nun eine derjenigen Gemeinden, die der radicalsten Reform huldigt. Orgel-Gottesdienst, ungetrennte Sitzplätze für Männer und Frauen, dreijähriger Cyclus beim Vorlesen der Thora rc., das Alles ficht einen wackeren Breslauer nicht an, denn er darf der Dehnbarkeit seines Gewissens noch mehr als das zumuthen. Gewöhnlichen Sterblichen aber darf man es nicht übel nehmen, wenn sie sich den „Koschminer Maggid" nicht gut mit einer Orgelsynagoge zusammenreimen können. Aus Bonn, woselbst die Breslauer zur Zeit schaarenweise Probepredigen, muß ich Ihnen ein kleines Curiofum berichten, welches verdient öffentlich bekannt zu werden. — Dort wird soeben eine neue Reformsynagoge gebaut, die ihrer Vollendung entgegen geht. Der Bau ist sehr kostspielig, und den Bonnern wird so ihr Judenthum wenigstens theuer sein und für ihre Kinder und Kindeskinder bleiben. Das ist jedoch nichts Außergewöhnliches; das Curiosum besteht darin, daß sich bei einer Jnspicirung des Neubaues herausgestellt hat, man habe ein Bischen vergessen den p« Knipn anzubringen; so daß noch eine bedeutende Umgestaltung vorgenowmen werden mußte, um den Fehler wieder gut zu machen! Wie ist es möglich, wird der gesch. Leser fragen, daß man bei einer Synagoge das erste, die heilige Lade vergißt? — Herr Ex-Rabbiner Philippson wirkte dort lange Jahre als Mitglied des Gemeindevorstandes. Aus Weftphalen Wie vor einigen Jahren in Menden, Ahlen, Lippstadt und anderen westphälischen Städten sind kürzlich auch auf dem jüdischen Friedhofe zu Lengerich verschiedene Grabsteine umgeworfen oder zerstört worden. Einige derselben hat man dadurch, daß man sie mitten durchgeschlagen, ganz unbrauchbar gemacht, andere die man nicht umgeworfen oder zerschlagen, hat man durch das Ausschlagen einzelner Buchstaben der Aufschrift beschädigt. Auf einen Stein hat einer der Verruchten einen Namen geschrieben. Die arge Zerstörung scheint mit Hilfe einer Spitzhacke ausgeführt worden zu sein. Der Fall ist der Polizeibehörde zur Anzeige gebracht worden und steht zu hoffen, daß die Thäter entdeckt und mit der Strenge des Gesetzes bestraft werden. Am Peßach- Feste, das wir alljährlich zur Erinnerung der Erlösung unserer Vorfahren aus Egyptischer Sklaverei feiern, sagen wir unter Anderm an den beiden Seder-Abeyden Folgendes: □to n"3"p"m unfo? wvp dhdj; tt m „In jedem Zeitalter stehen Feinde gegen uns auf, uns zu vertilgen; aber der Heilige gelobt er sei.