Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1878)
- Date
- 1878-06-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447747-2447773--15067-2471001- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
'v :-'. - -‘^J- -::,l: 'WE' W-WM XIX. Jahrgang. Erste Leilage zu Nr. 26 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M. (Erwiderung an den Vorstand des ostschweizerischen Uhrmacher-Verbandes auf den in Nr. 16 des Leipziger Uhrmacher- Journals an mein? Adresse gerichteten offenen Brief.) Im Monate Februar dieses Jahres erschien in oben genanntem Blatte Ihr Geschäfts Reglement, dessen § 2 wie folgt lautet: „Sogenannte Schund- oder Juden- „Maare ist unter allen Umständen aus- „zuschließen." Die taktlose Fassung dieses Paragraphen entrüstete mich dermaßen, daß ich nicht umhin konnte, derselben in einem Artikel entgegenzutreten, welchen ich dem betreffenden Blatte zur gest. Aufnahme einsandte. Dieser Artikel erschien jedoch nur bruchstückweise, indem die geehrte Redaction Theile desselben in unvermittelter Weise unter einigen selbstständigen Abänderungen zusammenfügte, so daß für den Leser die Frage übrig bleiben mußte: Wie paßt hier der rein objectiv gehaltene Anfang zu dem pathetischen Schluffe? Ich will die redaetionellen Bedenken, welche hier obwalteten, nicht untersuchen, sogar die wohlwollendste Absicht der geehrten Redaction voraussetzen; aber das Bedauern muß ich zum Ausdruck bringen, daß durch die veränderte Fassung meines Artikels ein vollständiges Mißverständnis meiner Absicht Platz greifen mußte. Diese Absicht bestand lediglich darin , der taktlosen Fassung Ihres Paragraphen, nicht aber verwerflichen Thatsachen, welche Sie zur Beschönigung Ihres gegen den Zeitgeist der Toleranz verübten Unrechts in's Feld führen, entgegenzutreten. und das habe ich in folgender ungedruckter Stelle meines Artikels klar ausgesprochen : „Zieht Eure Waffen gegen die Pfuscher, „gegen die Schleuderer, gegen alle jene Individuen, welche Handel und Gewerbe aus gemeiner „Selbstsucht schädigen, ob Christ. Jude oder „Türke, und ich unterstütze gerne Euren Kampf „gegen solche Individuen, und wenn es gegen „meine Glaubensgenossen gälte." Aber auch thatsächlich bekunde ich diese Gesinnung in dem anerkannten Charakter meines eigenen Geschäftsbetriebs und war einer der ersten deutschen Grossisten, welcher bei Entstehung der Uhrmachervereine bereitwilligst entgegenkam, ihre guten Bestrebungen zu unterstützen. Und gerade von dem Standpunkte dieser Bestrebungen, die zunächst auf collegiale Verbindung gerichtet sein sollen, frage ich Sie: Steht die gehässige AuSdruckSweise des betreffenden Paragraphen, die Sie mit all* Ihren Argumenten nicht rechtfertigen konnten, nicht geradezu im schroffsten Widerspruch zu dem eigentlichen Zweck Ihres Verbandes? Es war für den Verfasser jenes famosen Paragraphen wohl keine große Schwierigkeit, aber auch keine geringe Vermessenheit, mir vorzuwerfen, daß ich die Religion herangezogen, während dieser Vorwurf auf Sie zurückfällt, und darum konnte ich Ihnen in dem ungedruckten Theile meines Artikels mit Recht sagen: Welchen Antheil hat die Religion überhaupt an der Qualität der Waare? Der Schund ist nicht das Product der Juden, sondern der Arbeit und ihrer Bezahlung, und an seiner Herstellung haben wohl alle Confessionen Antheil. Darum nehme ich die Herren Fabrikanten und Arbeiter, gleichviel welcher Confession, in Schutz, welche für den Preis, wofür ihre Waare von den meisten Uhrmachern verlangt wurde, gezwungen waren, um Absatz dafür zu finden, um ihre Existenz zu erhalten, in der Herstellung ihrer Fabrikate llach allen Seiten zu sparen, und in dieser systematisch, oft bis zur unglaublichsten Lei.- stung entwickelten Sparsamkeit mußte naturgemäß der Schund gedeihen, den Christ wie Jude, dem Verlangen des Tages entsprechend, dem Markte überlieferten. Zu bedauern ist es noch jetzt, daß die Concurrenz der Uhrmacher den Absatz geringer Fabrikate zum Nachtheile wahrhaft gediegener Waare fördert. Ich wünsche daher mit' Ihnen, daß eS den Bestrebungen der Uhrmachervereine gelingen möge, dem gediegenen Fabrikate allgemeinen Absatz zu verschaffen. Die vielen vortrefflichen Fabrikanten und Arbeiter sind mobil und warten nur auf Ordres. Der vermittelnde Kaufmann wird rasch dem fortschreitenden Verlangen nach gediegener Waare entsprechen, und wenn diese ersehnte Besserung eingetreten, und Sie mir beweisen, daß nur noch der Jude sich mit dem Schund beschäftigt, dann erst wird man anerkennen, daß Ihre Sprachweise gerechtfertigt war. Dieses Ziel aber, meine Herren, wird nicht erreicht mit Worten und Reglements, sondern nur durch die zur Praxis gewordene Theorie, welche Lasker für die Entwicklung