Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1878)
- Date
- 1878-06-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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630 teil Conversation verstanden, aber jedenfalls hat er in einer Weife mit Dir gesprochen, die sich für ihn und für Dich nicht schickt; — er hat laut, drohend gesprochen, hat mehrmals die Worte wiederholt: „Sie müssen thun, was ich verlange!" — so daß ich förmlich erschrak; das hat meinem Stolz auf meinen klugen, angesehenen Gatten, den ersten Kaufmann des Landes, einen der geachtetsten Männer der Gemeinde, sehr wehe gethan. Lieber Mann! wenn ich Dir werth bin, thue mir die eine Liebe . . . . kündige diesem Oppert! — Was liegt Dir denn so viel an ihm? Was könnte Dir der rachsüchtige Mensch auch Böses zufügen? Du hast ja mit der Steuerdirection einen Pauschalvertrag auf mehrere Jahre abgeschlossen, Du bist ja vollkommen gedecktI — Und wenn er als Buchhalter in ein Concurrenzgefchäft einträte, — was läge Dir daran? Du bist ein königlicher Kaufmann, wer wäre im Stande, der uralten Firma Abraham Tarnower, einer Firma, die schon unter Deinem Großvater diesen Namen trug und schon lange vor dem Gerusch") bestand, einen wesentlichen Schaden zuzufügen? — Und wenn Dir dieser Oppert auch einige Kunden ablockt, einige Deiner Geschäftsquellen verrathen würde, ein kleiner Verlust könnte Dich nicht schädigen, Du würdest doch noch immer der reichste Mann in Prag bleiben — und mich würdest Du zu großer Dankbarkeit verpflichten." Tarnower schritt mehrmals auf und ab, er schien iu großer Aufregung. Fanni Hanau sah, daß ihrem Bruder die Heftigkeit, mit der seine Frau ihre Bitte vortrug, unangenehm war und in ihrer wohlwollenden, milden Weise sagte sie: „Ich kann mir das sehr gut vorstellen, daß es meinem Bruder nicht leicht fällt, sich dazu zu entschließen, sich von einem langjährigen Mitarbeiter in seinem Geschäfte zu trennen .... auch ist ja heute Jomtow, liebe Schwägerin, da sollte eigentlich von nichts Geschäftlichem gesprochen werden . . . übrigens, liebe Veronika, lasse meinem Bruder Zeit, Deinen Wunsch zu bedenken, ich bin überzeugt, wenn er erfüllbar ist, so wird er Dir ihn gewähren .... wollen wir für heute am herrlichen SchowuoSfeste alle aufregenden, freudeerstickenden Gespräche vermeiden. Ja, lieber Bruder, Du wolltest ja von der Unterredung sprechen, die sich Oppert für heute von Dir erbeten; aber," Fanni hielt wieder schüchtern inne, „wenn, wie Veronika vermuthet, in dieser unangenehme Aus- 41) Vertreibung der Juden unter Maria Theresia 1745. eiuandersetzungen vorkamen, deren Wiedergabe Dich aufregen könnte, so würden wir darauf verzichten.. „Ich muß Dich bitten, liebe Fanni!" sprach Veronika gereizt, „nur in Deinem, nicht in meinem Namen zu sprechen, — wenn eS nicht ein Geheimniß ist," — ein spitzes, ironisches Lächeln begleitete diese Worte, — „das Deine Frau Nichtwissen darf, würde ich Dich dringend bitten, mir den Inhalt deS jedenfalls interessanten, wenn vielleicht auch nicht angenehmen Zwiegespräches mitzutheilen." Tarnower überlegte eine kleine Weile, dann setzte er sich nieder und sagte mit einem gereizten Lächeln: „Ich war ja ohnehin im Begriffe, Euch mitzutheilen, um waS es sich handelt; aber nachdem ich heute von Neuem Eure Ansichten über Oppert gehört habe, glaube ich nicht, daß Ihr sehr befriedigt fein werdet; aber, liebe Veronika, wenigstens wirst Du es begreiflich finden, daß ein junger Mann, das heißt eigentlich ein jüngerer Mann, sich bei einer solchen Veranlassung etwas lebhafter geberdet als es der Wohlanstand und die gute Sitte gestatten." Tarnower machte eine Pause, dann begann er wieder: „Oppert hat mir eröffnet, daß er sich, da er schon nicht mehr in der ersten Blüthe der Jugend stehe und sich nach einem ruhigen Familienleben sehne, entschlossen habe, in den Stand der Ehe zu treten . . . ." „Was kümmert das Dich?" unterbrach ihn Veronika, „er hat ja ein auskömmliches Gehalt, auch Vermögen, daraufhin kann er ruhig heirathen; da er eine Familien-Nummer hat, wird er auch in seinen Kreisen, wo man möglicherweise auch seine Niederträchtigkeit weniger kennt, eine begehrte und gesuchte Partie sein; — wird wohl sogar ein Mädchen mit ein paar tausend Gulden Mitgift erhalten, — da könnte er, was mir am liebsten wäre, aus Deinen Diensten treten und sich ein eigenes Geschäft gründen. Was wollte er von Dir? Rath, Empfehlung, Verwendung? — aha! jetzt fällt mir's ein, das wird es gewesen sein, er wird es vorziehen, lieber noch länger bei Dir den einträglichen , ruhigen Posten Hu behalten und wird es versucht haben, eine Gehaltserhöhung zu erpressen; — wenn Du Dich, wie ich hoffe, noch nicht entschieden hast, benütze diesen Vorwand, um Dich von ihm los zu machen . . . (Fortsetzung folgt.) Hierzn drei Beilagen. Verantwortliche Redaetion: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottsleben'S Buchdruckerei in Mainz (Mainzer Anzeiger).