Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1878)
- Date
- 1878-06-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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625 Wenn man sich vergegenwärtigt, welchen Eindruck die erste LectLre eines Kindes für das ganze Leben hinterläßt, wenn man erwägt, wie sich besonders auf dem Lande dieser Eindruck noch steigert, weil dort durchschnittlich weniger Gelegenheit zur anderweitigen Lectüre sich bietet als in der Stadt, welchen Begriff muß dann das Kind über seinen Beruf als Israelit sich aus einem Lesebuch herauslesen , das sich zwar auf dem Titelblatt als für israelitische Schuten bearbeitet empfiehlt, das aber für alles speeifisch Israelitische auch nicht ein Sterbenswörtchen übrig hat. Es braucht andererseits nicht hervorgehoben zu werden, welcher Segen ein für israelitische Schulen mit Verständniß ausgearbeitetes Lesebuch für unsere Jugend wäre, da es vielleicht kaum ein Mittel gibt, Liebe und Anhänglichkeit für das Judenthum in den jungen Herzen zu erwecken und dauernd zu erhallen, wie eben eine solche Lectüre. * ES ist kaum abzusehen, was wohl die Motive des Bearbeiters gewesen sein mögen, alles eigentlich Jüdische aus diesem israelitischen Lesebuche fern zu halten. — Wir glauben nicht einmal, daß das pecuniäre buchhändlerische Interesse seine Rechnung dabei findet, indem man bei der heutigen Zerklüftung in der Judenheit etwa einen geringeren Absatz fürchtet, wenn ein Buch durch gebührende Berücksichtigung des jüdischen Moments vielleicht nur von bestimmten Kreisen sympathisch begrüßt würde. Denn abgesehen davon, daß derartige Berechnungen wenig dem idealen Standpunkte entsprechen, welchen man bei dem Bearbeiter eines derartigen Buches voraussetzen muß, so ist auch das jüdische Schriftthum so reich an geeignetem Stoff, der über allen Parteiungen erhaben ist, daß man nach dieser Seite hin nichts zu riskrren gehabt hätte. Wie man uns mittheilt, soll auf der am 1. Juli stattfindenden Hessischen Lehrerversammlung daS vorliegende Buch Gegenstand eines Referats sein, welches Herr Dr. Stein selbst erstattet. Leider stammt ein großer Theil der hierbei betheiligten Lehrer aus dem Casseler Seminar, an dessen Spitze Herr vr. Stein steht, weßhalb eine entschiedene Bloslegung der Mängel dieses Buches bei dieser Gelegenheit nicht zu erwarten steht. — Es sollte uns lieb sein, wenn wir uns hierin täuschten. Auch der Preis des BucdeS steht nicht im Verhältniß zu seinem Umfang, er wird vielleicht der einzige Punkt sein, der auf der Lehrerversammlung eine entschiedene Bemängelung erfahren wird. — Wenn man dagegen bedenkt, daß wir Juden bekanntlich alles Jüdische sehr theuer bezahlen müssen, so wird man gerade in dem hohen Preise des Buches das einzige Kriterium für das „Israelitische" desselben finden. G. Die Natur des Geistes «ach der mosaischen Lehre von H. Kleimenhagen. ReligionSlehrer. Leipzig. Baumgärtner'sche Buchhandlung. 1878. DaS verminderte Interesse, welchefpeciell unsere Zeit den philosophischen Disciplinen im Allgemeinen entgegenbringt, mag wohl die Ursache sein, daß bei aller Aufmerksamkeit, welche man dem jüdischen Schriftthum seit den jüngsten Decenmen von allen Seiten bezeigt, das psychologische Moment ziemlich leer ausgegangen ist, im Vergleich zu den Bereicherungen, welche die historischen und philologischen Seiten unserer heiligen Urkunden erfahren haben Die Freunde einer psychologischen Dibelerklärung werden daher mit Befriedigung von einer Schrift Notiz nehmen, die in sehr anziehender Form und Sprache mit Zugrundelegung des reichen vorliegenden alten Materials einen neuen einschlägigen Versuch macht. Von jüdischen Autoren hat der Vers, besonders pwa nnj/D o"3D-i und fjQ-) benützt, wahrend die reiche Ausbeute, welche die Schriften des Aben Esra bieten, nicht berücksichtigt zu sein scheint. Christ!. Autoren wie Herder, CaruS und in neuester Zeit Delitzsch, welche dem Gegenstand der vorliegenden Schrift näher getreten sind, haben denselben theils nur nach einer einzigen bestimmten Seite hin beleuchtet, theils ihn durch die christliche Brille betrachtet, wodurch es den Untersuchungen an der nöthigen Objektivität gebricht. Wenn wir sagen, daß die vorliegende fleißige Arbeit dem Kenner wenig Neues bietet, so enthält dieses Urtheil nicht nur keinen Tadel, sondern das beste Lob, welches man ihr ausstellen kann. Daß sie die von ihr besprochenen Themata, „des Menschen hervorragende Stellung, das Gute und das Böse, die sinnlichen Begierden als Antrieb zur Sünde" rc rc. treu nach dem einfachen grammatikalischen Wortsinne der Thora wiederyibt, ist eben ein Vorzug, den man bei den leitenden Gesichtspunkten der heutigen Bidelexegefe nicht genug anerkennen kann. Die kunstvolle Behandlung, welche aus bloßen dem Thorawort abgewonnenen Abstractionen ein formvollendetes psychologisches Ganze macht, die einzelnen Gedanken mit den Aussprüchen der hervorragendsten Denker aller Zeiten prüfend vergleicht, und aus dieser Vergleichung Schlüffe und Folgerungen zieht, bleibt nichtsdestoweniger eine höchst schätzenSwerthe Originalarbeit. Daß in den Details hie und da ein Versehen mit unterläuft, beeinträchtigt den Werth der Arbeit nur in sehr untergeordneter Weise; wenn wir einiges Hierhergehörige hier folgen lassen, so möge eS nur