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Der Israelit · 1878-06-19 · Heft 25 (19.6.1878) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 25 (19.6.1878)
Date
1878-06-19
Page
– (sequence 18)
Language
German
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616 Frankreich. Paris. Monatsbericht (Mai) der All. Jsr. Universelle: Das C.-Comit« hat an die Familie des sel. Sir Francis Goldsmid und an den Präsidenten der Anglo-Jewish-Association zu London das folgende Schreiben gerichtet: Das C.-Comite hat mit schmerzlicher Rührung den Tod von Sir Francis Golsmid erfahren. Die All. Jsr. Univ. verliert in ihm einen seiner her» vorragendsten und treuesten Mitarbeiter. Eine tiefe Liebe zur Menschheit, ein beharrlicher Eifer zur Verteidigung der Freiheit, die Hingebung für seine Religion und seine Glaubensgenossen machten ihn zum Verbündeten aller derer, welche die religiöse Intoleranz bekämpfen und für die Emancipation unserer Glaubensgenossen arbeiten. Er war mit der Alliance von der ersten Stunde an und stellte ihrer Sache die mächtigen Kräfte seines Geistes, die Autorität seiner Person, das Talent seiner Sprache zu Diensten. Wer erinnert sich nicht jener feierlichen Debatten des englischen Parlaments, pao Sir Francis Goldsmid durch seine beredte und schmerzerfüllte Erzählung von den Leiden unserer unterdrückten Glaubensgenossen von Serbien und Rumänien die öffentliche Sympathie für dieselben erweckte? Wer erinnert sich nicht jener Meetings, in denen Sir Francis die Christen und Juden, alle Freunde der Religionsfreiheit zu einem Bunde gegen ihre noch immer so zahlreichen und eingefleischten Unterdrücker vereinigte? Weder das Alter, noch die Krankheit hatten seine Gluth für unsere heilige Sache geschwächt; niemals wurde seine Unterstützung vergeblich angerufen. Der Tod entriß ihn in dem Augenblicke, da er mit uns eine vielleicht entscheidende Anstrengung zu Gunsten der Israeliten des Orients zu machen berufen war. Sein Verlust ist eine Trauer für das Judenthum; die Aufregung, die derselbe in England hervorgerufen, wird in allen Ländern nachempfunden werden. Das C.-Comitä hat beschlossen, zum feierliche» Zeugniß des Schmerzes, den dieser Verlust der Alliance bereitet, einen Ausdruck desselben im Protokoll zu verzeichnen. (Die Israeliten der Türkei.) Die allgemeine Lage der Flüchtlinge ist noch immer dieselbe; Commissionen behufs Repartriirung derselben sind wohl constituirt, haben aber mit ihren Bemühungen bis jetzt noch keinen Erfolg gehabt. Die Bulgaren wünschen, daß die Flüchtlinge nicht zurückkommen, damit sie sich des EigenthumS derselben bemächtigen können, und die Türken fürchten sich zurückzukehren, da sie überzeugt sind, daß sie in ihren früheren Wohnungen keine Sicherheit finden werden. Die Negierung möchte übrigens die Muselmänner lieber aus Bulgarien nach Mesopotamien bringen, wo der Boden, obgleich sehr fruchtbar, theilweise unbebaut ist und 75,000 Colonisten vom Bali verlangt werden. Was die Israeliten betrifft, so hofft man immer, daß sie an ihren heimischen Heerd werden zurückkehren können, aber einstweilen sind die Nachrichten, die von verschiedenen Seiten in dieser Beziehung kommen, noch wenig ermuthigend. In Sofia z. B. hat die russische Behörde die isr. Flüchtlinge von Wracza, Plewna und Nicopoli aufgefordert, ihre früheren Wohnorte wiederzubeziehen, aber die christliche Bevölkerung von Wracza will sie nicht aufnehmen, und in Plewna und Nicopoli existirt das Judenquartier nicht mehr. Das Bezirks - Comito von Constantinopel wandte sich durch Vermittelung des deutschen Botschafters an den russischen Geschäftsträger, um denselben um seine guten Dienste zu Gunsten dieser Flüchtlinge, sowie derjenigen von Karnabat und Kazanlik zu ersuchen, allein bis jetzt haben diese Schritte noch keinen Erfolg gehabt. Angesichts einer solchen Lage ist das Bezirks- Comitä von Constantinopel in größter Besorgniß. Die Flüchtlinge können in ihre Heimath nicht zurück; ihre Zahl beträgt in Constantinopel 4000, in Adrianopel 2000 und in anderen Städten der Türkei 2000. Die Hilfsmittel des C.-Comitäs werden bald völlig erschöpft sein, und wenn nicht neue Maßregeln ergriffen werden, um diesen armen Leuten zu Hilfe zu kommen, so wird der Moment kommen, wo man nicht ein Stück Brot haben wird, es ihnen zu geben; es würde dies eine wahre Cataftrophe sein. Das C.- Comite hält es für seine Pflicht, die von ihm organisirte Sammlung wiederzueröffnen; es wird bald ein neuer Aufruf für die türkischen Israeliten veröffentlicht werden. Die Herren der Comitäs, der Verwaltungen, der israel. Vereine, die Herren Rabbiner und andere Beamte wollen geneigtest dem Central-Comitä von Neuem ihre gütige Unterstützung auch für diese zweite Sammlung gewähren. (Schluß folgt.) *

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