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Der Israelit · 1878-06-19 · Heft 25 (19.6.1878) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 25 (19.6.1878)
Date
1878-06-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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609 Bedürfniß, dem Kinde einen guten Schulunterricht angedeihen zu lassen, den Müttern die Notwendigkeit nahe legt, ihre Kinder aus dem Hause fortzugeben. Dieses Motiv wirkt wohl in der Provinz, fällt aber für unsere Stadt fort, wo die gehobenen Bürgerschulen leichter zugänglich und ihr Besuch schon bei geringer Anstrengung zu ermöglichen ist, ohne daß man die Hilfe unseres Waisenhauses in Anspruch zu nehmen braucht. Würden daher die Gemeinden der Provinz dem von uns geleiteten Institut eine mehr werkthätige Sympathie und Theilnahme als bisher zuwenden, so wären wir in den Stand gesetzt, das Statut zu modifiziren und bei der Aufnahme den Unterschied zwischen Zöglingen der Stadt und der Provinz Posen, wie wir es recht sehr wünschen, so weit als thunlich zu beseitigen. Bisher gestattet § 4 der revidirten Statuten uur, daß in der Regel der vierte Theil der Aufnahme findenden Zöglinge Fremde sein dürfen, tatsächlich befanden sich aber unter den 18 Eleven, welche im verflossenen Jahre der Austalt angehörten, nur 6 hierorts Heimathsberechtigte, während 7 aus der Provinz herstammten und die übrigen 5, gleichfalls aus der Provinz, Pensionaire waren. Die Einnahmen betrugen 17029 Mk., die Ausgaben 10061 Mk. Feuilleton. Die Vertreibung der Juden aus Spanien.') In der Capitulation von Granada befand sich ein Artikel, nach welchem jeder Jude, der sich bei der Besitznahme der Stadt durch die Spanier in derselben befand, nur drei Jahre Bedenkzeit hatte, um Christ zu werden; andernfalls sollte er über's Meer in die Berberei gebracht werden. Die Vertreibung der Juden war also offenbar eine schon vor der Eroberung von Granada Seitens der katholischen Majestäten und ihrer Priesterschaft in's Auge gefaßte Maßregel. Die Juden selbst hatten zur Zeit deS Krieges von dem über ihnen schwebenden Verhängniß keine Ahnung; sie dienten dem Staate gleich andern Bürgern: jüdische Waffenschmiede arbeiteten im Lager; jüdische Proviant-Meister versorgten die Armee; jüdische Wechsler sorgten dafür, daß der *) Aus der soeben erschienenen: „Geschichte der Inquisition" von Fridolin Hoffmann. Bonn, bei P. Neusser. Sold bei der Hand war zur Löhnung. Ohne Zweifel find es auch Juden gewesen, welche das Geld vorschossen, welches Ferdinand und Jsabella dem Maurenkönige beim Friedensschlüsse zu zahlen hatten. Die jüdische Bevölkerung Spaniens hatte also an ihrem Theil zur Eroberung Granadas redlich mitgearbeitet. In den Augen des General-Inquisitors galt das freilich Nichts, und der General- Inquisitor trieb die königlichen Gewissen wie das Wasser die Mühle; aber auch das andere Wort gilt hier: „Wer gern tanzt, dem ist leicht aufgespielt." Der Groß-Jnquisitor Thomas de Torquemada befand sich im königlichen Gefolge, wie es einem „Beichtvater der Majestäten" geziemte. Da bekam er dann oft zu hören» daß der König Geld brauche. Der Inquisitor wußte Rath und schritt zur That. Einige seiner Mönche hatten bald eine neue Unthat der Juden aufgespürt. Diese unverbesserlichen Christenfeinde hatten wieder einmal eine consecrirte Hostie gestohlen, in der Absicht, dieselbe mit dem warmen Blute eines zu schlachtenden Chriftenkindes zu durchtränken und damit die Inquisitoren zu vergiften. Als sicherster Beweis für die Wahrheit dieser Behauptung wurde der Umstand geltend gemacht, daß zerbröckelte Hostien-Theile sich zwischen den Blättern eines jüdischen Gebetbuchs in einer Synagoge vorgefunden hatten; ein merklicher Lichtschein war von ihnen ausgegangen. Das Mährchen war nicht einmal Original: schon 120 Jahre früher, 1370, war es in Brüssel gerade so verlaufen, bis auf die Oblaten im Buch, doch hat es dort nur drei Juden das Leben gekostet, deren drei vom Scheiterhaufen aufgelesene und auf Piken gesteckte Köpfe der „Rue de trois tStes“ den Namen gegeben haben, der schönen Gudula-Kirche aber gebrannte Fensterbilder mit der ganzen Legende und den Frauen Brüssels die Juli-Kirmes deS „Saint 8aviament da miracle“ bis auf den heutigen Tag. In der Alhambra, in welcher die siegreichen, aber insolventen Majestäten residirten, weckte das eine Verbrechen das Echo von hundert anderen. In den Augen des Königs konnte Torquemada nur gewinnen, daß er mit seiner Ansicht: derartige Gräuel nähmen nicht-eher ein Ende, als bis der Bodeu Spaniens von allen Juden gesäubert sei, so den Nagel auf den Kopf traf. Unter dem 30. März 1492, drei Monate nach der Eroberung Granada's, erging ein königliches Edict von dort, wonach alle Juden das Land zu verlassen hätten, mit Ausnahme Derjenigen, die das Christenthum annähmen. Das Edict ist sehr langathmig, aber mit seinem Tenor müssen wir die Leser doch bekannt f i f.

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