Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1878)
- Date
- 1878-06-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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bei den aufzunehmenden Lehramtscandidaten voraus. Hiergegen wandten sich mehrere Redner, besonders Feilchenfeld, Horowitz, Holländer, die das zu erreichende Ziel etwas hoher gestellt zu sehen wünschten. Schließlich einigte man sich über den Antrag Horowitz dahingehend, daß eine Fachcommission gewählt werde, welche mit zu Grundlegung des Referats und der darüber geäußerten Ansichten einen endgiltigen Lehrplan feststelle. In diese Commission werden gewählt: die Herren vr. Feilchenfeld, Back, Freymann, Bloch (Jarotschin), Porges. Gegen Schluß der Vormittagssitzung stellte sich der Versammlung ein Herr Ephraim aus Lissa vor, welcher für die Lehrerausbildung der Conferenz einen Pfandbrief von 3000 M. überreichte. Die Versammlung votirte dem edlen Spender den Dank für die schöne Gabe durch Erheben von den Sitzen. Alsdann verlas Herr vr. Back ein an ihn gerichtetes Schreiben des Ausschusses des isr. Gemeindebundes zu Leipzig, worin derselbe sich bereit erklärt, einzelnen Zöglingen der Lehrerbildungsanstalt Stipendien zu gewähren. Die Versammlung ersucht Herrn vr. Back dem Ausschuß des Gemeindebundes den Dank der Conferenz zu übermitteln. Die Sitzung, welche von 9 Uhr Vormittags begonnen hatte, wurde darauf 127a Uhr Mittags geschlossen. Um 3 Uhr wurde die Sitzung wieder eröffnet. Vor Beginn der Tagesordnung verlas der Vorsitzende vr. Joel ein kurz zuvor eingelaufenes Telegramm des Gemeindebundes, welches seine Sympathien mit den Bestrebungen der Conferenz ausdrückt; die Versammlung beschloß telegraphisch ihren Dank auszusprechen.' Es begann nun das Referat über die Stellung der Rabbinen von vr. Porges: dasselbe war mehr negativ gehalten und gipfelte in der Ansicht, daß von uns aus kein Erfolg versprechender Schritt in diesem Sinne geschehen könnte. Horowitz beantragt, daß die Versammlung eine Commission wähle, welche eine Petition an das Abgeordnetenhaus abfasse, um die Anerkennung des Judenthums als Confession zu erbitten. Diese Petition soll an die Gemeinden Preußens zur Unterschrift versendet werden. Holländer ist für eine Petition der Rabbinen um staatliche Anerkennung der Rabbinate. Die Versammlung erhob den Antrag Horowitz zum Beschlüsse. Außerdem wurde noch von Lewin ein Antrag gestellt, nach welchem aus der Mitte der Versammlung ein Ausschuß gewählt werden sollte, der bei etwaigen Differenzen zwischen den Gemeinden und deren Rabbinen vermittelnd eintreten sollte. Auch dieser Antrag wurde angenommen. Es erfolgte alsdann noch das Referat über die Religionsschulen, von vr. Holländer, an welches sich eine Besprechung dieses Themas knüpfte, ohne daß jedoch Anträge hierzu gestellt wurden. Nachher wurden von Herrn vr. Feilchenfeld noch einzelne Desideria in Betreff des Verhältnisses der jüdischen Schüler zu dem Unterricht am Sabbat und an Festtagen, sowie der Religionsschulen zu der an den höheren Schulen ertheilten Turn- und Gesangstunden, durch welche oft Collissionen mit den ersteren eintreten, besprochen. Nachdem noch als nächster Ort der Conferenz die Stadt Posen festgesetzt war, wurde den aus unserer Provinz scheidenden Herren vr. Horowitz und Lewin, welche sich um das Zustandekommen der Conferenzen viele Verdienste erworben haben, der Dank der Versammlung votirt. Ebenso dankte die Versammlung dem Büreau für seine Mühewaltung und ersucht den Vorsitzenden der Gemeinde Krotoschin für die gastliche Ausnahme der zur Conferenz erschienenen Rabbinen zu danken. Alsdann wurde die Sitzung um 772 Uhr geschlossen. Hoffen wir, daß die periodischen Conferenzen der Rabbinen unserer Provinz auch in weiteren Kreisen Anklang finden und überall zu gemeinsamen Wirken anregen mögen. Der Beweis ist als geliefert zu betrachten, daß solch* vereintes Wirken, ohue daß überhaupt religiöse Differenzen, falls solche obwalteten, berührt werden, wo es wie hier vom Geiste des echten Judenthums getragen wird, ein ersprießliches und segenvolles werden kann. D’pnn1? nsiD d»ioer Dtp1? kv)p »tdjd bi Posen. Dem vierzigsten Bericht über die Verwaltung und den Stand der israel. Waisen- Knaben - Anstalt zu Posen (Jahr 1877) entnehmen wir: Wiewohl die Fürsorge der Anstalt, dem Statut gemäß, in erster Reihe auf Waisen der hiesigen Stadt sich erstrecken müßte, dagegen auswärtige Zöglinge, jedoch ausschließlich unserer Provinz angehörend, nur in einem bestimmten Verhältniß Aufnahme finden sollten, so war die Direction doch genöthigt, von Jahr zu Jahr Waisenkuaben aus der Provinz in immer größerer Zahl zuzulassen und zu deren Gunsten das statutarisch erlaubte Verhältniß zu erweitern. Den betreffenden Müttern der hiesigen Stadt scheint der Entschluß schwer zu werden, sich von ihren Kindern zu trennen, während aus den verschiedenen Gemeinden unserer Provinz so zahlreiche und dringende Gesuche einlaufen, daß die Direktion, um die Wohlthat der Anstalt so Vielen als eben möglich zukommen zu lassen, sich veranlaßt gesehen, den eigentlich zulässigen Bestand an auswärtigen Pfleglingen nicht unwesentlich zu überschreiten. Es findet dies zumeist seinen Grund darin, daß erst das