Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1878)
- Date
- 1878-06-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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605 nem Geschäfte unentbehrlich ist, — würde ich auf seine Entlassung dringen." „Weiberlaunen!" ries Tarnower und schob erregt die leere Tasse, die vor ihm stand, weit weg von sich . . . „doch muß ich gestehen, daß Deine Abneigung, Veronika, wenn auch nicht vollkommen begründet, so doch erklärlicher ist, als die völlig grundlose Gegnerschaft meiner Schwester; Oppert hat es mir ja selbst gestanden, — allerdings zu einer Zeit, als er nicht ahnen konnte, daß mir das Glück zu Theil werden sollte, durch Deinen Besitz beglückt zu werden, - als Du noch ein blutjunges, schönes Mädchen warst, — schön bist Du auch noch heute — war durch einen Schadchen36) zwischen Deinem und seinem Vater eine Verbindung ihrer Kinder verabredet worden; aber bevor diese noch zu Stande kommen konnte, traten unerwartete Umstände ein, die Eure Verlobung unmöglich machten. Du mit Deinem etwas exaltirten romantischen Köpfchen" — Tarnower strich leicht mit dem Finger über Veronikas noch immer schöne Stirn — „verlangtest, Oppert, damals ein junger Mann von drei-, vierundzwanzig Jahren, sollte in Verzweiflung gerathen, um Dich kämpfen wie ein Ritter des Mittelalters, und" — Tarnower verneigte sich galant gegen seine Frau — „wenn Du auch eines solchen Kampfes Werth gewesen wärest, so sah der kluge Oppert doch die Aussichtslosigkeit seiner Bemühungen ein und ergab sich schweigend in das Unvermeidliche." In Veronika's Gesicht war, während ihr Gatte sprach, eine dunkle Purpurröthe aufgestiegen. „Ich hatte nicht geglaubt, daß Oppert es gewagt hat, Dir die alte, wenn auch nicht ganz vergessene Geschichte zu erzählen; — aber er hat sie zu seinen Gunsten entstellt, ick war — ich mache kein Hehl daraus — armer Leute Kind; aber ich gefiel dem säubern Oppert und ich hatte einen vermögenden, kinderlosen Onkel, meiner Mutter Bruder, von dem es hieß, daß ich ihn beerben würde. Oppert warb bei meinen Eltern um meine Hand, ich war blutjung, kaum siebzehn Jahre und unerfahren, — er bestach mich mit süßen Schmeichelworten, auch wurde ich von meinen Eltern nicht viel gefragt, das war damals nicht Brauch, Oppert besaß einen großen Vorzug vor andern Bewerbern, er war ein Familiant, ein erstgeborener Sohn, — es war schon fest abgeschlossene Sache, am nächsten Abende sollte unsere Verlobung stattfinden, — als plötzlich mein Oheim starb und am Sterbebette Testament machte und das Armenkinderlehrhaus, in dem er selbst erzogen, und dessen Vorsteher er! bis am Schluffe seines Lebens gewesen, zu seinem j Universalerben einsetzte. Daniel Oppert wollte I keine arme Braut; unter dem Vorwände, sein Vater, j ein armer Mann, der von seiner und wohl auch > von fremder Unterstützung lebte, gestatte die Verbindung seines Sohnes mit einem mittellosen Mädchen nicht, nahm er sein Wort zurück. Ich war damals ein junges, dummes Ding, an Oppert lag mir nichts, aber daß man einem Mädchen Liebe heuchelt, und sie dann um ihrer Armuth willen verstößt, beschämt — das vergißt ein Weib nie, und sollte sie Jahrtausende leben!" Tarnower war der länger» Rede feiner Frau mit wachsender Aufmerksamkeit gefolgt, sie berührte ihn offenbar höchst unangenehm, er rückte ungeduldig auf seinem breiten Lehnstuhl hin und her, schob sich in auffallender Erregung das schwarze Sammtkäppchen am Kopfe, daß es schließlich nur am Hinterkopfe schwebte, endlich sagte er: „Ich will Oppert's Benehmen nicht entschuldigen, aber welcher Mensch ist ganz frei von Fehlern? — aber das wird auch wohl das Einzige sein, was Du gegen ihn anzuführen vermagst, und das ist, ich will nicht ungalant sein," — Tarnower affectirte ein Lächeln — „doch schon eine alte Geschichte; - aber aus seinen später» Lebensjahren wirst Du ihm gewiß nichts Unehrenhaftes oder Rügenswerthes vorzuwerfen wissen." „Auch das!" entgegnete Veronika lebhaft. „Mein erster Mann hat viel Schlechtes von ihm erzählt und ihm noch viel mehr Böses zugetraut. Er hat stets behauptet, dieser Oppert sei der schlaueste Mensch, den er kenne, vielleicht den es gibt, er behauptete, er wäre einMoßer^) und ein geheimer Agent der Steuerbehörde, dadurch erkläre sich auch, daß es ihm möglich werde, so viel Geld auszugeben, auch behauptete er schon damals, daß Oppert ein für einen Commis ziemlich großes Ver? mögen besitze, ohne daß man begreifen könne, in welcher Weise er zu diesem gekommen . . „Ah! das sind unerwiesene Behauptungen, das sind leere Vermuthungen, die jeder vernünftigen Grundlage entbehren. Daß Oppert Vermögen besitzt, ist wahr, aber er dient jetzt schon ziemlich lange und kann sich immerhin ein anständiges Sümmchen erspart haben, — und daß er ein Moßer sei. wird ihm kaum Jemand zu beweisen vermögen. Es ist wahr, es kam früher sehr oft, und kommt auch jetzt noch zuweilen vor, daß die Steuerbehörde einen oder den andern Fatenten plötzlich überfällt, wo Handelsbücher sind, diese prüft, eine strenge Hausdurchsuchung vornimmt, und da will sich die VolkSwuth gerne auf ein bestimmtes Haupt entladen, und man bezeichnet auf's Geradewohl den 3?) Denunziant.