Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1878)
- Date
- 1878-06-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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602 üöc Rabbiner, Herr Dr. Rahmer, „sich keine schwierige Regel gestellt hat". Herr Dr. Rahmer erkühnt sich, in Nr. 24 der „Israel. Wochenschrift" eine offenbare Lüge (zu seiner vermeintlichen Rechtfertigung) in die Welt hinauszufchleudern. ES ist nicht wahr, daß die Betreffende von dem mehrerwähnten Kohen bereits Kinder hat. Die in Rede stehende Person ist ei.ne Wittwe und hat drei bereits erwachsene Kinder von ihrem ersten Manne, einem Nicht- Inden!! Ich stehe für alle meine Behauptungen ein und ermächtige Sie, wenn es nöthig sein sollte, meinen vollen Namen zu nennen. Es ist doch eigentümlich, daß Jemand einen Andern zum Lügner stempeln will und in demselben Athem eine kecke Lüge, sogar bei NTajn «r6’ö, bei einer Sache, die so leicht zu eruiren ist, in die Welt hinausposaunt! Ihnen, verehrter Herr Redacteur, rufe ich aus vollem Herzen poai ptn zu. Lassen Sie Sich nicht beirren, durch die wüsten Schimpfereien der inneren Feinde des Judenthums, und stehen Sie immer — wie bisher — für unsre in unsrer Zeit leider so oft und hart bedrängte heilige Religion ein. Mit vorzüglicher Hochachtung ihr ganz ergebener S. Leitungsnachrichten nud Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 15. Juni. Anläßlich des Versuchs der „Alliance Jsr.", den Congreß für die bürgerliche Gleichstellung der Israeliten in Rumänien zu interessiren, erinnert die „N. AZ." an die letzten Reichstagsverhandlungen, wo der Handelsvertrag mit Rumänien wohl wesentlich deßhalb nicht zu Stande gekommen, weil die Deutschen israel. Confesston in Rumänien nicht alle Vortheile hätten genießen können, welche den christlichen Deutschen dadurch zugewendet worden wären, bezeichnet das Streben der „Alliance Jsr." als ein sehr natürliches und erblickt eine durchgreifende Lösung der Frage nur in der Proclamirung des unbedingten gleichen Rechts für alle Culte im Orient. Braunschweig, 4. Juni. Der „Magd. Zeit." meldet man: „Der wegen einer höchst eigenthümlichen Aeußerung in Bezug auf das Kaiser- Attentat hier verhaftete Frankel aus Cassel (der 71jährige „Jude" der „Kreuzztg.") soll Schuhmacher und 65 Jahre alt fei». Die fragliche Aeußerung hat er, wie von Zeugen behauptet wird, am Sonntag Mittag in einer obscuren Schankstube gethan; er selbst bestreitet dies jedoch. Als gegen Abend in einem öffentlichen Lokale die Nachricht von dem Mordversuch bekannt wurde, erinnerte sich einer der Anwesenden, der Mittags m'.t in der Schänke gewesen war, der auffallenden Worte und begab sich, von dritten Personen gedrängt, sofort zu dem Polizei - Direktor. Dieser hielt es für seine Pflicht, den Betreffenden zu vernehmen, und zwar soll er selbst während der ganzen Nacht mit thätig gewesen sein, den F. aufzufinden. Es gelang dies indeß erst am gestrigen Morgen. F. soll ganz erstaunt gewesen fein über die Verhaftung und sich jammernd und wehklagend in das Unvermeidliche gefügt haben, sich aber nicht schuldig bekennen. Er will von dem Hödel'- schen Attentat gesprochen haben und falsch verstanden worden sein. Thatsache ist, daß er heute Nachmittag noch in Haft war. Ein Verhör vor dem Untersuchungsrichter soll noch nicht stattgefunden haben und das Weitere bleibt abzuwartea. Wenn ich aber alle Aeußerungen, die über den alten Mann in Umlauf sind, Zusammenhalte, so muß ich zu dem Schluffe kommen, daß derselbe unschuldig und vielleicht einem Mißverständniß zum Opfer gefallen ist. Ware er ein Mitschulschuldiger Nobiling's, so hätte er doch wohl bei gesundem Verstände eine solche unvorsichtige Aeußerung unterlassen. Man kann wenigstens nicht begreifen, welchen Zweck er damit hätte verfolgen können." Schweiz. In Bern fand am 2. Juni eine große Versammlung statt, welche von 74 (?) israelitischen Gemeinden der Schweiz durch Delegirte beschickt war. Die Versammlung hat einstimmig beschlossen, an die Bundesversammlung die Bitte zu richten, daß dieselbe den rumänischen Handelsvertrag, welcher die Rechte der Juden nicht genügend schützt, nicht genehmigen möge. (W. JSr.) Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Pesth. Schon seit Jahren herrscht in Ungarn in manchen jüdischen Kreisen die tadelnSwerthe Mode, für ihre neugebornen Söhnchen, Christen, meistens Fürsten oder Grafen, als Gevatter zu erlangen. Wie die Blätter berichten, hat dieser Tage der Schneider Hermann Hochmann sogar den König zur Uebernahme dieses Ehrenamtes ersucht, erhielt aber vom Minister die kurze und und deut-