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Der Israelit · 1878-06-12 · Heft 24 (12.6.1878) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 24 (12.6.1878)
Date
1878-06-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
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588 die Explosion sich ereignete, befand, ist getödtet worden; außerdem wurden einige Glaubensgenossen verwundet. Mehrere Israeliten haben sich bei diesem traurigen Ereignisse ausgezeichnet, namentlich wird Herr Munk, Sohn des verstorbenen jüd. Gelehrten Munk, von den Zeitungen belobend ervorgehoben. Die Herren von Rothschild haeu die Subscription für die Familien der Opfer mit 10,000 Frs. eröffnet. (Un Jsr.) Lyon. Der hiesige Erzbischof hat sich, da er Voraussicht, daß der Stadtrath die öffentliche Prozessionen verbieten wird, an dieprotestantischen und israel. Consistorien gewandt, um von diesen eine Neutralitäts-Erklärung in der Prozessionsfrage zu erlangen. So berichtet „l'Dvönemsnt". Wie sich die Zeiten ändern! Ein hoher Würdenträger der kathol. Kirche fühlt sich veranlaßt, in gewisser Beziehung die Erlaubniß jüdischer und protestantischer Geistlichen zur öffentlichen und freien Ausübung seines Cultus einzuholen! Ohne Zweifel werden die Pastoren und Rabbinen die gewünschte Erklärung abgeben. Indessen vergessen wir nicht, was das Judenthum speciell betrifft, daß seine große Toleranz oft durch die härteste Undankbarkeit belohnt worden ist. Nicht allein, daß man unsere Glaubensgenossen in vielen großen Städten gezwungen, ihre Häuser, an denen der Zug vorübergezogen, mit Fahnen zu zieren, sondern man verbot ihnen auch, ihre Fenster zu öffnen und hat diejenigen mißhandelt, die sich auf die Straße gewagt haben. Diese Prozessionen verursachten den Israeliten einen wahren Schrecken, sie waren in ihrer Ruhe und Freiheit, oft an ihrem Leben bedroht. Und heute bittet man uns, sie zu dulden! Das ist ein Fingerzeig Gottes! (Un. Jsr.) Spanien. Einer in der „Wiener Abendpost" veröffentlichten Reisebeschreibung entnehmen wir folgende, Toledo betreffende Stelle. Toledo ist zu lange unter der Herrschaft der Mauren gestanden, um nicht noch zahlreiche muselmännische Denkmäler aus jener Epoche zu bewahren. Eines der merkwürdigsten ist die alte einstige Synagoge, jetzt unter dem Namen Santa Maria la Blanca bekannt. Das Bauwerk datirt bis in das 9? Jahrhundert zurück und gemahnt in seinem Style an die Moschee von Cordova. Als im 15. Jahrhundert die Juden aus der Stadt vertrieben wurden, wandelte man ihre Synagoge zu einer katholischen Kirche um. Unfern von diesem Gebäude steht noch eine andere alte, unter dem Namen „Tränsito" bekannte Synagoge. Ein angesehener, reicher Jude, Samuel Levi, Schatzmeister Peter 1>eS Grausamen, hatte sie ganz auf eigene Kosten im 14. Jahrhundert errichtet, dem Style der Ornamente nach wohl durch maurische Arbeiter. Der Schatzmeister des Königs nahm jedoch ein trauriges Ende. Als Pedro wieder einmal Geld bedurfte fand er, das einfachste Mittel, dazu zu gelangen, sei, seinen Schatzmeister hinzurichtea und dessen Besitzthum an sich zu nehmen. Bei der Vertreibung der Juden wurde diese Synagoge den Rittern van Calatrava zur Kirche gegeben. Sie besteht aus einem einzigen, aber reich ornamentirten Schiffe, an dessen Wänden große hebräische Inschriften hinlaufen zu Lob und Preis Samuel Levi's und eines gewissen Rabbi Mayr, oder auch Stellen aus den Psalmen des David wiedergebend. D r Estrich ist ein Musterbild maurischer Eleganz. Die Juden waren vor ihrer Vertreibung trotz n annigfacher Verfolgungen sehr zahlreich gewesen in Toledo. 9 Z fl rk - i. Die türkische Behörde hat neulich in der Hauptstadt der Insel Creta eine beträchtliche Quantität Getreide unter der armen muselmännischen und christlichen Bevölkerung vertheilt; die armen Israeliten wurden auffallenderweise mit nichts bedacht, obgleich die israel. Gemeinde ein diesbezügliches Gesuch eingereicht hatte und viele Israeliten durch die politischen Wirren furchtbar zu leiden hatten und an den Bettelstab angelangt sind. (Arch. JSr.) Konftantirropel. In einer Privataudienz, die Herr Veneziani beim Sultan gehabt, hat Letzterer für die von Herrn V. ausgeführten philanthropischen Werke und Herrn Baron v. Hirsch für das Gute, das dieser namentlich den muselmännischen Flüchtlingen erwiesen, seinen lebhaften Dank ausgedrückt. (Arch. Jsr.) Amerika. Baltimore, 7. Mai. Die hiesige Stadt ist zu den wenigen in Amerika zu zählen, in welchen noch etwas min und O’dp ron» zu finden ist. Es gibt hier blos zwei Reform-Rabbiner, Dr. Szola und Dr. Hochheimer, letzterer stammt von 'Vrs her, ahmt ihnen aber in Bezug auf Jüdischkeit nicht nach. Rabbiner Dr. Schneeberger ist der einzige, der daS echte Judenthum noch zu erhalten sucht. Außer seiner Gemeinde gibt es noch vier kleinere ni^np, die aber in der Stadt zerstreut, meistens aus armen Mitgliedern bestehen,

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