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Der Israelit · 1878-06-12 · Heft 24 (12.6.1878) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 24 (12.6.1878)
Date
1878-06-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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585 mättien nicht, wo er solange unter restriktiven Ge, setzen lebt. Wie unsere gesammte Judenheit vereinigten Sinnes, die in Aussicht gestellte partielle Emancipation dankend ablehnt, weist sie das Ansinnen zurück dem Verein „Schomer Israel" aus seiner wohlwollenden Verwendung einen Vorwurf zu machen. (Lemb. Jsr.) Feuilleton. Simon Ileding.') Erzählung aus dem Anfang des neunzehnten Jahr- Hunderts von 8. Holm. (Verfasser von „Gabriel".) (Fortsetzung.) Aber die Gedanken und Gefühle wechseln mit Blitzesschnelligkeit in der Menschen Brust. Schon nach wenigen Minuten trat bei Reding die Reaktion, die nicht auSbleiben konnte, ein. Wilhelmine liebte ihn — das war allerdings ein hohes Glück; — aber wie sollte es weiter werden? Der böhmische Jude durfte nur dann heirathen, wenn er ein Erstgeborner eines Familianten, und wenn er ein unbescholtener, makelloser Mann war; dann erhielt er, sobald er sich auszuweisen vermochte, eine dreijährige Judensteuer zu zahlen, vom böhmischen Landesgubernium die Ehebewilligung. Simon Reding war wohl der erstzeborne Sohn eines Prager Familianten aber durfte der abgestrafte Dieb, der unter Polizeiaufsicht gestellte entlassene Züchtling hoffen, vom Gubernium die Heirathsbewilligung zu erhalten — und auch das Unmögliche als möglich gedacht, wäre es nicht ein Verbrechen von ihm gewesen, das Schicksal eines theuern, geliebten Wesens an seine aussichtslose Existenz zu knüpfen? — Wie konnte er es wagen, sich einen eigenen Heerd zu gründen? Er war durch ein hartes Gesetz an die Scholle festgebannt, er durfte sich nicht von seiner Vaterstadt entfernen; hier war es kaum möglich, seine Fähigkeiten, sein Wissen zu verwerthen, und er war durch seine unverschuldete Erwerbslosigkeit zu mehr als tiefster Armuth, zum unaussprechlichsten Elende verurtheilt, der Dürftige, der von Thüre zu Tbüre um einen Pfennig bettelt, kann durch die Wohlthätigkeit wenigstens vom Hunger befreit werden, wer hätte Simon Reding. dem gebildeten, jungen. kräftigen Manne, dem verachteten Diebe, ein Almosen gegeben? — Mußte er nicht fürchten, wie ein reudigerHund von jeder *) Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Ueberfetzungsrecht Vorbehalten. Schwelle verjagt zu werden? — Der Gedanke konnte einen Menschen wahnwitzig machen, aber wie zuweilen in der Menschenseele kaleideskopisch rasch die inner» Anschauungen wechseln, schlug plötzlich in seiner gläubigen Seele ein tröstender Gedanke Wurzel. Wieder blieb er stehen und sprach beruhigt leise vor sich hin: „Gott hat mir gnadenvoll ein theilnehmend Herz auf meinen Weg gesandt — mir ist's ein Zeichen seiner Gunst! — Wollte Gott in seinem unerforschlichen Rathschluffe mich ganz vernichten — er hätte mich Wilhelminen nicht begegnen lassen ... . faß'Muth! mein armes, schwergeprüftes Herz! .... Gott ist nahe den Bedrückten! Er kann ja helfen — wie so? — das weiß ich nicht — aber er kann helfen hajad haschem tikzor?!^) .... Gott wird helfen." Drittes Kapitel. Es war am ersten Schowuostage und die Mittagsmahlzeit bei dem reichen Abraham Tarnower beendet. In dem freundlichen, nach dam iliger Mode elegant eingerichteten Zimmer saßen um einen Tisch, auf welchem noch das feine Service stand und reiches Silberzeug lag, ein Mann und vier weibliche Personen. Den Ehrenplatz obenan nahm der Herr des Hauses ein. Er hatte erst vor einigen Tagen das achtundfünfzigste Lebensjahr erreicht. Er war ein langer, schmächtiger Mann und trug jetzt eine bequeme Hauskleidung; sein gut geformtes, bis auf den stark mit grau gemischten Backenbart glattes Gesicht hätte einnehmen und gewinnen können, wenn nicht Zweifaches schon beim ersten Anblicke unangenehm ausgefallen wäre, der gelbliche Teint, wie er bei Leberleidenden vorzukommen pflegt, und eine gewisse nervöse Unruhe, die sich zumeist in einem unsicher« Herumschweifen seiner klugen, grauen Augen offenbarte. — Neben ihm rechts saß seine Frau Veronika. Sie war als Mädchen, und vielleicht auch in ihrer ersten Ehe, „Vögele" gerufen worden, allein nachdem Tarnower als reicher Wittwer die schöne Wittwe Vögele Werschadetz heirathete, hielt er es für passend, sie mit ihrem deutschen Namen zu rufen. Veronika Tarnower war noch jetzt, obwohl schon achtunddreißig Jahre alt, immer eine schöne, stattliche, rothwangige Frau. Sie trug ein hellfarbiges, leichtes Seidenkleid, eine leichte Jacke von gleichem Stoffe und eine braune Taffetschürze. In Bezug auf die Kopfbedeckung hatte sie sich schon Herbeigelaffen, der Mode eine große Concession zu machen, unter der Jomtowhaube mit kostbaren Spitzen trug Veronika Tarnower zwar nicht ihr eigenes Haar, aber auch nicht die schwarzseidene Unterhaube, die 34) Willst Du Gottes Allmacht begrenzen?! Denn. GL 11,23.23.

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