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Der Israelit · 1878-06-12 · Heft 24 (12.6.1878) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 24 (12.6.1878)
Date
1878-06-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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584 frage verursache der Regierung diplomatische Schwierigkeiten im AuSlande. Wir glauben ihm dies, da es darin am besten unterrichtet sein müsse. Diese Verlegenheiten aber wären total gehoben, geschähe endlich was recht und billig ist. Die Israeliten-Comitäs außerhalb unserer Gränzen fühlten sich dann nicht mehr verpflichtet, für ihre zurückgesetzten Glaubensgenossen bei den respectiven Regierungen Fürsprache zu halten, und auch für die Presse würde fortan die Judenfrage in Rumänien gegenstandslos sein. Doch muß hier betont werden, daß, das abgelegte Versprechen der „Romania Libera" hier alles andere, nur nicht Befriedigung hervorbrachte. Denn die in Aussicht gestellte partielle Gleichstellung weisen wir schlechtweg von uns, und pure Imagination und völlige Unkenntniß der jüdischen Züsammengehörigkeits- Principien gehörte dazu, dem wohlhabenderen und angesehenem Thei! der Juden diese schnöde Perfidie zuzumuthen. Selbst eine angenommene Begünstigung Einzelner schüchtert die Masse nicht ein. Unsere Devise lautet: „Gleichberechtigung und Freiheit Allen oder — Keinem!" Ein einseitiges vorsichtiges Vorgehen unserer Regierung in dieser Frage könnte ihr nur einen Refus oder aber ein Fiasko einbringen. Beabsichtigen etwa die Herren Bratiano u. Cagolnicanu, diese angeblichen Repräsentanten der Demokratie, des Constitutionalismus und der freiheitlichen Ideen und Institutionen, hier, im 19. Jahrhundert, Volkskasten nach altrömischem Muster zu schaffen, und ein neues Ausnahmsgesetz einzusühren? Das Gefühl für die Würdigung ähnlicher staatlicher und legislativer Schöpfungen ist unserem Zeitalter gänzlich abhanden gekommen, und auf die dankbare Annahme eines solchen wahren Danaergeschenkes ha-! den unsere weisen Staatslenkcr zum mindesten j nicht zu rechnen Halbheiten solcher Art sind selbst uns Hintangesetzten, und nach Freiheit und Gleich-! heit Schmachtenden, ein Gräuel, und „zieht es ' „jeder von uns vor, unter den bisherigen Gesetzen ' „fortzuvegetiren, als eine partielle Emancipation i „uns gefallen zu lassen. Nur die ununterschied-! „liche Gleichberechtigung aller jüdischen Glaubens- > „genossen Rumäniens, Reich und Arm, ist eine! „annehmbare Sache für uns, die dem ganzen Lande! „zur Ehre zum Nutzen und Frommen gereichen! „werd." Die ausgestellten Behauptungen: die > Emancipation Aller Juden berge irgend eine Ge- 1 fahr für die Gesellschaft, das Land rc. in sich ist! eine Absurdität und reine Faselei. In einem Staate, wo Gesetz und Recht gehandhabt werden, kann die Verleihung von Freiheiten und Rechten an einen beträchtlichen Bevölkerungstheil, der sich jederzeit Lurch die anerkanntesten Volkstugenden von ay- < dern Connationalen vorthejlhaft abhebt, unmöglich verderbliche Folgen nach sich ziehen, sondern müßte vielmehr der Gesammtheit sehr zu statten kommen. Die Kulturstufe, auf der Rumänien gegenwärtig steht, hat es vorzüglich den Fremden und Eingewanderten zu verdanken, wozu die Juden ein gutes Theil beitrugen. Würde man nur hierzulande die Criminal - Statistik mit mehr Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit führen, so könnte man daraus ersehen, daß die Juden das allerunschädlichste Element seien, daß ihnen sittlich ethischer Gehalt innewohnt. Was sträuben sich übrigens unsere Patrioten so sehr gegen die Einwanderung? Ein Blick auf das gewaltige und mächtige Amerika, das in verhält* nißmäßig wenig Jahrhunderten durch die Einwanderung fremder Volksmassen den höchsten Culturstand erreichte, soll sie lehren, das fremde Element zu würdigen. Hier wie dort kommt es einzig und allein auf die rechtlichen Gesetze und das System ihrer Anwendung an, die frisch zuströmenden Volkskräfte derselben zu unterordnen, und sie vortheilhaft auszunützen. Nimmt sich unser Land daran ein Beispiel, und erfüllt es gegen die Gesammtbevölkerung alle ihm obliegenden Pflichten, dann, und nicht eher wird es in die Reihe der modernen Staaten gezählt werden, und vor Europa mit freier Stirne seine gerechten Beschwerden gegen Ucbergriffe bringen können. Nun schreite ich zur Erwiderung auf die naive, ja drollige Frage der „Romania Libera": wer denn dem „Schomer Israel" die Vollmacht ertheilte, für uns mit Wort und That einzulreten. Fro primo sei hier constatirt, daß der Lemberger Verein, wie oben schon erwähnt wurde, ohne mindestens Zuthun unsererseits, also aus eigenem Antriebe, die Initiative dazu ergriff. Diese Thatsache wöge für unsere Regierungsmänner ein Beweis mehr sein, daß die Israeliten-Comites im Auslande ihre Aufgabe richtig erfassen und mit unermüdlichem Eifer auf ihr Ziel loszusteuern, unbekümmert darüber ob sie zu jenem oder diesem Schritt ein Mandat erhielten oder nicht. Die Haupttricbfeder dieser rastlosen Thätigkeit ist in der Solidarität zu suchen und zu finden, welche die Juden des ganzen Universums wechselseitig verbindet und verpflichtet, uud sie zu einem mächtigem Bollwerk macht. Wir begreifen unschwer den Schmerz unserer Regierung über das Wirken der üußländischen Vereine, vermögen aber nicht ihnen für ihre warme Theilnahme an unserm harten Schicksal, zu grollen; dies wäre mehr als Undank. Und wir sollten die edlen Humanitären und fortschrittlichen Bestrebungen unserer ausländischen Glaubensbrüder zurückweisen? Mit Nichten! So tief moralisch gesunken -ist selbst der Jude in Ru-

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