Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1878)
- Date
- 1878-06-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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583 Publizistik nicht fremd, und da die Judeufrage die Achillesferse unserer Nationalen bildet, so kam ihnen die neuerliche Anregung derselben sehr mal a propo8 und man geberdete sich darüber, namentlich in unseren Regierungskreisen, höchst unwillig, zumal das Eintreffen jener Petition in Wien mit dem Besuch des Ministerpräsidenten Bratiano dortselbst zusammenfiel. In erster Reihe'war es die „Romania Libera" (das freie Rumänien) Organ deS Ministers des Aeußexn, Cogolniceanu, welche auf die Petition zu sprechen kam, und ihrem Unmuth über dieselbe in unverholener Weise kundgab. Hier der Wortlaut derselben. „Die Judenfrage, welche uns im Auslande soviel Unannehmlichkeiten bereitete, harrt der Lösung, welche erfolgen müsse. Allein die Israeliten sollten es wissen, daß dies nur durch das Land selbst und ohne jeglichen Einfluß und Einmischung von Außen geschehen werde. Wir sagen es, um diejenigen davon zu verständigen, welche bisher die üble Gewohnheit annahmen, uns mit Hilfe der Presse und der Jsraeliten-Bereine im Auslande, zu verdächtigen und diplomatische Schwierigkeiten zu bereiten. Es ist jetzt, wo die Lage Rumäniens eine prekäre ist, nicht die Zeit hiefür, dieser dornenvollen Frage ihre erforderliche Lösung angedeihen zu lassen, doch wird man nicht ermangeln es demnächst zu thun. Einige unter uns geborene und auferzogene Israeliten legten irgend welche Proben von Liebe für das Vaterland, das sie adoptirt hatte, ab, und von welchen wir mit Befriedigung in den Spalten der „Romania Libera" Akt genommen. Rumänien weiß und wird wissen, erkenntlich zu sein für die Unterstützung, welche ihm in den schweren Zeiten, wie sie es während des Krieges waren, geleistet wurde. Es wird diese seine Erkenntlichkeit in günstiger Zeit lediglich denjenigen erweisen, die sie verdienten. Wir glauben, daß die Israeliten selbst davon überzeugt sind. (?) „Aber", fragt naiv genug das Blatt weiter: „von welcher Seite habe der genannte Verein (damit ist der „Schomer Israel' gemeint) das Mandat erhalten, das ihn berechtigt im Namen der Juden Rumäniens zu arbeiten und zu sprechen? Wir erwarten mit Recht, daß unsere Israeliten selbst diese Frage an ihn (den Verein) richten werden. Wir wissen, daß die Israeliten und ihre Vereine im Auslande einen Zweck verfolgen, dessen Realisirung für unser Land fatal sein würde, da derselbe dahingeht, allen Zuzüglern und Militärflüchtlingen aus Oesterreich, Rußland rc. Rechte zu geben. Aber dies geht nicht gut an und wir glauben, daß die unter uns geborenen und auferzogenen Israeliten von Stellung und Bedeutung, es selber ablehnen werden, auf dieselbe Stufe gestellt zu werden, gleich allen andern Eingewanderten ihrer Religion. Die Anstrengungen einiger Israeliten des Auslandes sind somit vergeblich, weil die Judenfrage in Rumänien nur in dem Sensus gelöst werden wird, wie es die Gerechtigkeit (?) (sie!!) und die Interessen des Landes erheischen. Rumänien kann es nicht, und seine Existenz verbiete es ihm 7 daß es diese sowie seine Zukunft als Staat aufs Spiel setze, indem es im eigenen Schoße ein ganzes großes Element wie das israelitische ist, aufnehme; ein Element das nur mit geringen Ausnähmen, im höchsten Grade gefährlich (?!) für die National- Oekonomie sich erwies. Für uns bietet diese Art von Aeußerungen nichts Neues, doch geht daraus unzweideutig hervor, daß aus all den Gefahren und Calamitäten, die die Herren Bratiano - und Cogolnicanu über das arme Land brachten, sie wenig oder gar nichts gelernt haben und auch das Vorurtheil, in welchem sie die Bevölkerung zu erhalten suchen, im geringsten nicht abgeschwächt wurde, noch aber auch die Erkenntniß aufkommen ließen, daß es hohe Zeit sei, und der gegenwärtige Moment vielleicht just der geeignetste hiefür wäre, die Judenfrage endgiltig und für alle Zeiten zu lösen. Wir zweifeln keinen Augenblick, daß die genannten Herren in ihrem Innern vom geraden Gegentheil ihrer Behauptungen, vollkommen überzeugt sind. Weiß es doch unser jetziges Ministerium besser als irgend Einer wie rasch sich das rumänische Volk ins Unvermeidliche fügt, und es nur des guten Willens von competenter Seite bedürfe, die öffentliche Meinung von der Nothwendigkeit dieses hochwichtigen bedeutungsvollen Schrittes zu überzeugen. Die gesetzgebenden Körper, deren Majorität das Ministerrum für sich hat, würden ihm kaum schwere Hindernisse zur Vollziehung seines Vorhabens in den Weg legen, und wir geben uns sogar der Hoffnung hin, daß kein Arm, ja keine Stimme ernstlich dagegen sich erheben werde, sollten die Intentionen in dieser Angelegenheit seitens unserer leitenden Männer lauter sein. Was den Fürst Carl betrifft, so sprach er sich jederzeit sehr günstig für die Lösung der Judenfrage aus. und wir halten uns vollkommen überzeugt, daß es auch sein Wunsch und Wille ist. Auch die große Masse des rumänischen Volkes neigt, seiner Natur nach, stets zur Erkenntniß des Richtiggeschehenen, und immer war es der Hang zur dauernden Fortführung der Staatsgeschafte unserer jeweiligen Regierungen, die die öffentliche Meinung hinsichtlich der Judenfrage auf Irrwegen leiteten, um unter dieser Maske des Patriotismus, ihre Fehler und Mängel zu verbergen. Unser Organ des Ministers des Aeußern klagt, die Juden-