Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1878)
- Date
- 1878-06-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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580 von der Commission oder von 15 Mitgliedern des Reichstages angetragen wird. Das Büreau des deutschen Reichstages, gez. Happel, Geheimer Kanzleirath. An den Vorstand der Synagogengemeinde z. H. des Herrn Samuel Heymann, Wohlgeboren D. St. II. No. 620. Aurich. Der genannte Vorstand hat sich daraus an den Reichskanzler gewandt und ist ihm vom Königl. Preußischen Ministerium des Innern die nachstehende Antwort zugekommen: Ministerium des Innern. Berlin, den 28. April 1878. In Bescheidung auf Ihre an den Herrn Reichs- Kanzler , zur ressortmäßigen Verfügung hierher gelangten Vorstellungen vom 20. December vorigen und 16. Januar d. I. wird Ihnen eröffnet, daß aus den von Ihnen dargelegten, bereits in Ihrer Vorstellung vom 8. Juli 1874 geltend gemachten Umständen auch jetzt keine Veranlassung entnommen werden kann, eine anderweite Regelung der jüdischen Armenpflege in den Ortschaften Ostfrieslands auf legislativem Wege herbeizuführen, und daß ich es daher nur bei der diesseitigen Verfügung vom 27. August 1874 bewenden zu lassen vermag. Wenn Sie es als einen Uebelstand bezeichnen, daß den in den ostfriesischen Armenanstalten untergebrachten Israeliten keine rituelle Kost verabreicht werde, so kann nach jetziger Lage der Armengesetzgebung in dieser Beziehung ein Zwang auf diebetreffenden Armen-Verbände allerdings nicht ausgeübt werden. In geeigneten Fällen, namentlich, wenn es sich um die Unterstützung würdiger, unverschuldet in Armuth gerathener und glaubenstreuer Israeliten handelt, „werden jedoch, wie sol- „ches bereits mehrfach geschehen ist, diebelreffenden „Armenverwaltungen auf bezügliches Ansuchen im „Wege gütlichen Uebereinkommens sich ohne Zweifel „bereit finden lassen, statt der Verpflegung im Ar- „menhause eine entsprechende Baarunterstützung zu „gewähren, zumal die Königliche Landdrostei Aurich „gern bereit ist, zu diesem Zwecke in den bezeich- „neten Fällen ihre Vermittlung eintreten zu lassen." Der Minister des Innern. An den Vorsteher der israelitischen Gemeinde Herrn Samuel C. Heymann Wohlgeboren I. B. 2976. in Aurich. Die Königliche Landdrostei Aurich hat das hier folgende Begleitschreiben angefügt: Königliche Landdrostei Anrich. Aurich, den 9. Mai 1878. Bei Uebermittelung der angeschlossenen Verfügung des Herrn Ministers des Innern vom 28. v. M. auf Ihre an den Herrn Reichs-Kanzler gerichteten Vorstellungen wegen Verabreichung ritueller Kost an jüdische Arme, theilen wir Ihnen zugleich mit, „daß wir unsererseits die Vermittelung, auf „welche der Herr Minister am Schluffe seines Be- „scheides hindeutet, bereits dadurch haben eintreten „lassen, daß wir Abschriften des Bescheides den betreffenden Armenverwaltungen des Landdrostei- „Bezirkes zu entsprechender Berücksichtigung zuge- „fertigt, beziehw. eine solche Zufertigung an dieselben den zuständigen Obrigkeiten aufgegeben haben." Königliche Landdrostei, gez. v. Zakzewski. An den Vorsteher der israelitischen Gemeinde Herrn Samuel C. Hey mann Wohlgeboren 4915 h i e r s e l b st. Es ist wohl selbstverständlich, daß damit auch in anderen Theilen des deutschen Reichs die betreffenden Regierungen zu solchem gütlichen Abkommen ihre Vermittelung nicht versagen werden. Wie ein Weiser die Weisen schildert. ii. Die anregende, zur Nachahmung spornende Macht, welche die Aussprüche der Weisen in erster Reihe charakterisirt, findet ihre zutreffende Erklärung in dem zweiten Charakteristicon derselben. Sie gleichen nämlich Treibstacheln, weil sie eingesenkten Pflöcken gleichen. Wenn sonst im Leben sich ganze Massen für einen hehren Gedanken begeistern, so darf man, je epochemachender ein solcher Gedanke auftritt, das heißt, j. allgemeiner die Betheiligung ist, welche er findet, um so sicherer darauf rechnen, daß es zu allernächst der Reiz der Neuheit ist, welcher die trägen Massen mehr oder weniger dauernd electrisirt, mehr oder weniger tief ergreift. Wenn große neue Gedanken an alten und veralteten Zuständen rütteln, verrottete Vorurtheile begraben und neue fruchtbare Ideen an deren Stelle setzen, dann sind