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Der Israelit · 1878-06-05 · Heft 23 (5.6.1878) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 23 (5.6.1878)
Date
1878-06-05
Page
– (sequence 22)
Language
German
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r EMeorrt i«ü£ MÄrttLU ÄarM- Wm fiüher geboren als Napoleon L, der doch schon 57 Jahre todt ist. Alderselbe Kaiser von Frankreich wurde, war sie schon 36 Jahre, und als dieser durch unsere Gegend zur Schlacht von Jena zog, war sie schon 38 Jahre alt und Mutter erwachsener Kinder. Arm wurde sie geboren und arm ist sie durch ihr ganzes langes Leben geblieben. Seit vielen Jahren total erblindet, kauerte sie verdorrt und zusammengehutzelt im Bette und quälte sich mit dem Gedanken, daß unser Herrgott sie vergessen hübe. Doch erfreute sie sich bis an ihr Ende eines vorzüglischen Gedächtnisses und eines ziemlich guten Appetits, der ihr auch durch die Wohlthätigkeit ihrer Glaubensgenossen und besonders ihres Hausherrn reichlich gestillt wurde. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Von dem als hebräischem Bibliographen bekannten Buchhändler Ch. D. Lippe in Wien wird in nächster Zeit ein nicht uninteressantes Buch dem Drucke übergeben werden. Dasselbe betitelt sich „Statistisch-bibliographischer Anzeiger" und enthält ein lexikalisch geordnetes Schema sämmtlicher Rabbinen, Prediger, Lehrer, Cantoren, Schriftsteller. Freunde und Förderer der hebräischen Literatur in Europa und America nebst Angabe aller von denselben verfaßten und edirten Bücher. Literaturu. Zeitschriften, in bibliographisch-lexikalischer Anordnung dargestellt. Ein Hand- und Nachschlagebuch für Buchhändler, Schriftsteller, Gemeinden re. In diesem Schema wird der Herausgeber gleichsam die gesammte hebräisch-deutsche Literatur der Gegenwart zur Darstellung bringen, um so eine fühlbare Lücke auf dem Gebiete der specifisch hebräisch-deutschen Bibliographie auszufüllen. Der „Anzeiger" wird in Lieferungen k 6 Bogen Groß-Octav erscheinen, und wird die erste Lieferung im September ausgegeben werden. Die Interessenten werden hiermit aufmerksam gemacht, daß sie ihre Adressen nebst etwaigen bibliographischen Notitzen über ihre literarische Publicationen an die oben bezeichnete Buchhandlung bald einsenden zu mögen. Pesth. Der „Pesther Lloyd" vom 27. d. schreibt; Ein Leben, reich an Thaten und Verdiensten, hat heute Morgen seinen Abschluß gefunden. Ignaz Barnay, emerit. Secretär der Pesther israelitischen Religionsgemeinde, ist nach kurzem Krankenlager gestorben. Diese Nachricht wird nicht verfehlen, in den weitesten Kreisen die lebhafteste Theilnahme hervorzurufen. Im Nachfolgenden geben wir einige biographische Daten über den Verewigten: Ignaz Barnay — geboren ■y- - .n- ■ IT«,- . ,M •^■-.4 v. .w—' Utt Jahre 1813 zu Toponür im Svmogyer-Kömttaf — widmete sich in seiner frühen Jugend den hebräischen Studien, kam im Jahre 1825 nach Pesth, wo er das Gymnasium abfolvirte. Im Jahre 1833 ließ sich der reich talentirte Jüngling, der sich der Medizin zuwenden wollte, von dem damaligen Vorsteher Gabriel Ulmann bewegen, die Stelle eines Notars bei der Pesther israelitischen Gemeinde anzunehmen. Hier erschloß sich dem Thatendrange des gebildeten und hochbefähigten Mannes ein weites Gebiet. Bei seinem Amtsantritte war eben die Organistrung der Gemeinde im Zuge; da mußte eine ordentliche Protokollführung, ein Archiv, ein geregeltes Kassewesen eingeführt, mußten Bildungs- und Humanitäts- Institute gegründet werden. Alle Arbeit lastete auf Barnay's Schultern, denn er hatte keine irgendwie befähigte Arbeitskraft zur Seite. Barnay's Initiative oder thatkräftiger Mitwirkung verdankt so manche heilsame Anstalt — Spital, Normalschule, Knaben-Waisenhaus — ihre Enstehung zum größten Theile. Barnay hatte allezeit regen Antheil an der Leitung der hiesigen „Chewra Kadischa" sowie er bei der Gründung und Leitung fast aller wohlthätigen Vereinigungen betheiligt war. In den inffrüheren Jahren häufig 'stattgehabten Landesversammlungen der Judenschaft Ungarns — theils in Toleranztax-Angelegenheiten, theils in Betreff der Verbesserung der politischen Stellung der Juden — war Barnay stets eine der hervorragendsten nnd einflußreichsten Persönlichkeiten. In den Jahren 1848/49 diente Barnay einige Zeit als Secretär im Ministerium Szemere's und hatte er später seitens der politischen Behörden manche Hindernisse zu bekämpfen, ehe er seinen Posten bei der Gemeinde wieder an treten durfte. Im israel. Kongresse vom Jahr 1868 war Barnay einer der 20 Vertreter der Pesther israel Gemeinde. Es würde weit über den Rahmen dieser Skizze hinausreichen, wenn wir das Wirken und die Verdienste Barnays nach Gebühr würdigen wollten. Wir bemerken nur noch, daß Barnay im Jahre 1874 nach 41jähriger Dienstzeit in den wohlverdienten Ruhestand trat und sich fortan nur als Ausschuß- Mitglied an den Angelegenheiten der Gemeinde betheiligte. Wie wir vernehmen, weilt Herr Ludwig Barnay, der treffliche Schauspieler, schon seit einigen Tagen hier und er konnte die traurige Pflicht erfüllen, dem geliebten Vater die Augen zuzudrücken. Barnay hinierläßt eine Wittwe — Frau Charlotte geb. Repoch — und mehrere Söhne und Töchter. Pesth. Der ungarische Deputirte Jstoczy gibt ein „volkswirthfchaftliches und sociales Wochen-

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