Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1878)
- Date
- 1878-06-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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9 561 geschenk zu widmen. Die Zeitungen in Konstantinopel, Salonichi und Smyrna nehmen zu diesem Behufe Gaben entgegen. Bis jetzt sollen 150,000 Piaster eingegangen sein. (W. Jsr.) Palästina. Jerusalem. Wie „Schaare Zion" berichtet, werden gegenwärtig unter den Aschkenasim Schritte gethan, um eine Schule zu errichten, in welcher die Landessprache, Arabisch, ein regelmäßiger Gegenstand des Unterrichts sein wird. Eine Adresse dieses Sinnes wurde an Herrn Rabbiner Samuel Galant gerichtet. Sir Moses Mont es io re hat die ursprünglich für den Gehalt eines Lehrers der arab. Sprache bestimmte Summe unter drei hies. isr. Lehrerinnen vertheilen lassen. Australien. Melbourne. Im Schooße der hiesigen isr. Gemeinde hat sich ein Conflict erhoben. Der Rabbiner hatte eingewilligt { mehrere christl. Damen in die jüd. Gemeinschaft aufMnehmen; ^ie Majorität der Gemeinde aber wldersetzt sich dieser Aufnahme. (Arch. Jsr.) Feuilleton. Licht und Schatten. Erzählung von Friedrich Rott. XXXVIII Susanne zerbrach sich noch den Kopf darüber, als der alte Grün in's Zimmer trat und ganz überrascht war, eine ihm unbekannte Dame in so traulicher Unterhaltung mit den Kindern zu treffen. Verbindlich grüßend trat er näher und bat sie um ihren Namen. „£)nM" , rief sie aufspringend. „hoffentlich haben Sie mich noch nicht ganz vergessen, als Kind haben Sie mich doch auch zuweilen auf Ihren Knieen reiten lassen. Oft freilich nicht", fügte sie lächelnd hinzu. Grün schüttelte den Kopf. „Ich bedauere in der That, mich nicht zu erinnern." Sie mußte sich ihm nennen und gewahrte mit Schrecken, wie die im Moment noch verbindliche Haltung des alten Mannes kalt und abstoßend wurde. „Bitte, behalten Sie doch Platz, Madame — womit kan» ich Ihnen dienen?" „Onkel!", rief sie erregt, „was habe ich gethan? wodurch habe ich Sie beleidigt, daß Sie diesen eisigen Ton gegen mich annehmen?" Grün fuhr zusammen, er sah ein, daß er zuweit gegangen; die harmlose junge Frau war ihm ja in Wirklichkeit nie zu nahe gekommen. „Verzeihung liebes Kind", sprach er mit der Hand über die faltige Stirn streichend, „ich bin ein alter Mann und mit dem Alter muß man bekanntlich Nachsicht haben. Was verschafft mir denn das Vergnügen, Sie bei mir zu sehen, liebe Bertha?" und er zog einen Sessel herbei und setzte sich zu ihr. Sie blickte schelmisch lächelnd zu ihm auf. „Das Vergnügen Onkel? — Ich habe mich zwar dagegen verwahrt, daß Sie mich nicht zurückstoßen, aber darum brauchen Sie doch nichts zu sagen, was Ihnen nicht Ernst ist und brauchen nicht von Vergnügen reden, wenn Sre keines empfinden." „Schau, schau, schau!" lachte der alte Grün, „die kleine Bertha hat noch immer Das alte Advokatenköpfchen." „So ist's recht Onkel", stimmte Bertha heiter ein, „jetzt weiß ich, daß Sie sich meiner noch erinnern. Advokatenköpfchen haben Sie mich früher auch immer genannt." „Ich hätte kaum geglaubt, daß Sie sich dessen noch erinnern. — Nun aber — ich möchte meine Frage gerne wiederholen — ich weiß nur nicht, in welcher Fassung es mir gestattet ist. — „Also von Vergnügen darf ich nicht reden?" „O wie gern würde ich Sie davon reden hören, Onkel, wenn ich nur wüßte, daß es Ihnen Ernst ist." „Nun, so sagen Sie mir vor Allem» was führt Sie her zu mir? — Kommen Sie aus eigenem Antrieb oder —" „Einzig und allein auS eigenem Antrieb, bester Onkel", fiel Bertha lebhaft ein, „und einzig und allein, um mir das Vergnügen zu verschaffen, meinen lieben Onkel naher kennen zu lernen." Der Alte blickte sie kopfschüttelnd an. „Sie haben mich so eben ermahnt. Nichts zu sagen, was nur nicht vollkommen ernst ist, und nun —" „Sie glauben mir nickt?" Grün zuckte die Achseln. „Diese plötzliche Sehnsucht nach meiner Bekanntschaft". „Kommt Ihnen seltsam vor. das hätte ich mir denken können. — Doch taffenJ5ie uns offen gegeneinander sein, bester Onkel, sind mißtrauisch gegen mich, weil Sie wähnen, ich käme auf Veranlassung meines Mannes, um seine Bitte zu wiederholen." Das Lächeln war aus ihrem Angesicht ge-