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Der Israelit · 1878-06-05 · Heft 23 (5.6.1878) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 23 (5.6.1878)
Date
1878-06-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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aus pekuniären Rücksichten gezwungen, öffentliche Anstalten aufzusuchen, in denen Besuche, Verabreichung rituell gebotener Speisen, meist unmöglich sind. Die Aufnahme in eine jüdische Privatanstalt ist selbst bei den bescheidensten Ansprüchen mit größeren Kosten verknüpft. So beträgt der Pensionspreis in der dem Herrn M. Jacoby gehörigen israel. Krankenanstalt für Nerven- und Gemüthsleidende zu Sayn bei Coblenz in der dritten Classe 180 Mark vierteljährig. Sicher würden selbst die ärmsten Israeliten, die in der traurigen Nothwendigkeit sind, ein gemüthSleidendes Familienmitglied in einer Anstalt unterzubringen, ein jüdisches Asyl wählen, wenn ein Fond exiftirte. aus dem ihnen die Aufnahme- Kosten wenigstens theilwerse zugewiesen werden könnten. Wenn ich mir auch nicht die Schwierigkeiten verhehle, die sich in einer Zeit, in der Handel und Wandel schwer darniederliegen und übergroße Ansprüche an die Wohlthätigkeit gemacht werden, einer größeren Geldsammlung entgegenstellen. wenn ich auch wohl bedenke, daß es nicht leicht sein wird, festzustellen, wie und von wem eine solche Stiftung verwaltet werden sollte, so wollte ich doch, angeregt durch die Aufforderung des Pefther Bikur Cholim - Vereins , nicht unterlassen , die Aufmerksamkeit aller wohldenkenden Israeliten auf diesen Punkt zu richten. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. Die hiesige polnisch-israel. Gemeinde beabsichtigt eine neue Synagoge zu bauen. Herr Ephraim Spitzer, der schon vor einigen Jahren 8000 fl. für diesen Zweck gespendet, hat neuerdings 28,000 fl. in P., nebst noch anderen kleineren Gaben für spezielle Einrichtungen, zu den Baukosten gegeben. (W. Jsr.) Italien. Rom« Wie den „Arch. Jsr." von hier mitgetheilt wird, hätte das ital. Ministerium beschlossen, den mit Rumänien geschlossenen Handelsvertrag erst dann der Kammer vorzulegen, wenn in demselben deutlich ausgesprochen, daß alle Italiener, ohne Unterschied des Cultus', gleiche Rechte in Rumänien genießen. Turin. Ein junges israel. Mädchen aus dem frühern Herzogthum Modena, welches provisorisch in einem christl. Hospitale Aufnahme gefunden hatte, wurde sofort ohne weitere Umstände getauft; die verzweifelten Eltern haben bis jetzt selbst mit Hilfe der Gerichte ihr Kind noch nicht zurückerhalten. Ein armes jüd. Mädchen, Enrichetto Calo, welches im Hospital St. Johann in Rom krank darniederlag, wurde ebenfalls und zwar in einem Zustande, in dem es zu denken und zu begreifen außer Stande war, mit Hilfe der „barmherzigen Schwestern" vom kathol. Geistlichen des Spitals getauft. Ein dritter Fall hat sich in der kleinen Stadt Jvree ereignet. Dort wollte ein fanatischer Priester ein israel. Mädchen, das eine öffentliche Schule besuchte, zum kathol. Glauben bekehren. Die Eltern , noch rechtzeitg davon benachrichtigt, haben ihr Kind in aller Eile aus Jvree entfernt. Daß solche Proselytenmacherei in dem liberalen Italien heute noch stattfinden kann, ist sehr zu verwundern. (Arch. Jsr.) Holland. Amsterdam. Der König von Holland äußerte sich bei seiner jüngsten Anwesenheit in Amsterdam einer jüdischen Deputation gegenüber folgendermaßen über die Juden: Meine jüdischen Unterlhanen sind sittlich, ehrlich und getreue Kinder des Vaterlandes; sie verdienen die größten Freiheiten. Frankreich. Paris. Das Budget des israel. Cultus ist für 1879 um 14,600 Frs. größer als das vorjährige. Mit dieser Summe sollen die Besoldungen der Rabbiner erhöht werden. Für 1879 wird also der Staat 207,000 Frs. zur Bestreitung des isr. Cultus beitragen. (Arch. Jsr.) Paris. Die zu Ehren der anwesenden Prinzen und Repräsentanten aller Länder der Erde bei Gelegenheit der Eröffnung der Weltausstellung am 1. Mai ausgestellten Soldaten commandirte ein Israelit, und zwar General See. Mancher der Anwesenden mag wohl im Stillen einen Vergleich zwischen der hohen Stellung, welche die Juden in Frankreich und der vielfach gedrückten Lage, die dieselben in ihrem Vaterlande einnehmen, gemacht und sich recht beschämt gefühlt haben. Türkei. In Kvttstatttittopel hat sich ein Central- Cvmit« aus den angesehensten Juden gebildet, welches daselbst und in den türkischen Provinzen Sammlungen veranstltet, um dem durch seine Wohlthätigkeit berühmten Baron v. Hirsch ein Ehren-

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