Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1878)
- Date
- 1878-06-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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556 Herr Rabbiner Maier Auerbach im Alter von 63 Jahren. Der Verstorbene hat 18 Jahre im heil. Lande als Oberrabbiner fungirt, welche Stellung mehr ein bloßes Ehrenamt für ihn gewesen, da er dafür von den Gemeinden keinerlei Gehalt bezogen. Seine Größe als Gelehrter, welche seine zum Theile schon gedruckten und verbreiteten Werke iLO zur Genüge beweisen, seine außerordentliche ripiL, welche er vielen Hunderten nuobN n"n O'v'N'i zu Theil werden ließ, endlich seine in der vortrefflichen Führung der Gemeinden bekundete große Weisheit machen, daß sein Verlust für uns um so empfindlicher und schmerzlicher ist. Trauer und Jammer herrschte in der heiligen Stadt und Thränenftröme flössen unaufhörlich aus den Augen von 10,000 Menschen, Aschkenasim und Sefardim welche dem Leichenzuge folgten, besonders bei den Herzergreifenden O'iLvn, welche von zehn ausgezeichneten 'pny n"n und D’con während der mb gehalten wurden. Erft in später Nachtstunde gelangte der Zug auf dem cnnn "in an, wo der Verstorbene biu unter nicht endenwollendem Wehklagen bei den dort ruhenden b&ntp' ’bru bestattet wurde. Außerdem erhielten wir eine Schreckenskunde aus Jaffa, daß nämlich die Heuschrecken sich dort niedergelassen und alles Grüne an Bäumen und Kräutern gänzlich vernichtet haben. Auch in der Umgebung' von Tiberias sollen Heuschrecken viel Schaden angerichtet haben. Diese Nachrichten haben dahier, da man auf billigere und bessere Zeiten gehofft, großen Schrecken verbreitet. Simon Stampfer. Feuilleton. Simon Beding. *) lErzählung aus dem Anfang des neunzehnten Jahrhunderts von S. Kolm. (Verfasser von „Gabrie l") (Fortsetzung.) Es war noch früher Morgen und von dem! Thurme des naheliegenden jüdischen RathhauseS I schlug es eben drei Uhr, die Straßen waren noch! *) Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. UebersetzungSrecht Vorbehalten. völlig menschenleer; und wieder durzog Simon ziel- und planlos das Ghetto, dessen geschlossene Thore ihn verhinderten, dasselbe zu verlassen. In jenem dumpfen, schwer beschreiblichem Zustande, der eigenthümlich genug — zwischen Gedankenüberfülle und völliger Gedankenlosigkeit schwankt, das heißt in jenem Zustand, wo sich aus dem verworrenen Chaos nur halb entwickelter, wild gährender, sich gegenseitig kreuzender und widersprechender Gedankenkeime, kein klares Wollen und Begehren entwickeln kann — war Reding endlich auch in der engen Hahnpaßgasse angelangt .... Plötzlich hörte er den Klang einer Mädchen-- stimme und erbebte bei dem süßen Ton, den sein Ohr schon seit mehr als sieben Jahre schmerzlich entbehren mußte, er erzitterte vor Schrecken und Wonne ..... er blieb wie versteinert stehen, seine Füße wollten ihn nicht weiter tragen — und hätte er es auch vermocht und hätte man ihm auch eine Welt dafür geboten, — er hätte sich nicht von der Stelle bewegen mögen.es war Wilhelminens schöne Altstimme! — er wagte es nicht, seinen Blick nach der Richtung zu wenden, aus der ihm vertraut die süßen Laute zuströmten, er glaubte, es fei ein Traum — ihn täusche sein Gehör — die Gestalt, der diese Stimme angehöre, würde vor seinen Augen zerfließen, wie ein schönes Lichtbild, wie eine zauberisch herrliche Fatamorgana — oder — das, das wäre noch weit entsetzlicher gewesen — das Mädchen, an das sein treues Herz gehangen mit unschilderbarer Macht würde sich — o! furchtbar folternder Gedanke — mit Haß, Verachtung , Ekel von ihm abwenden.nein! er durfte nicht aufblicken, durfte nicht von Wilhelmine erkannt werden — er schlug den brennenden Blick zu Boden, und legte seine ganze Seele in sein Ohr, um den Klang der süßen Stimme ganz und voll einzuschlürfen. „Ich danke Ihnen herzlich, Herr Doktor", sprach die Mädchenstimme „und bitte Sie recht sehr um Entschuldigung dafür, daß ich auch Jontownacht Ihren Schlaf gestört, aber Sie sahen es ja, Herr Doktor, Sie erschienen meiner alten armen, verlassenen Muhme, wie der heilende Erzengel Rafael! Sie haben sie rasch von ihrem Krampfanfall hergestellt, daß sie heute die Synagoge wird besuchen können ..... Gott lohne es Ihnen." „Sie überschätzen meine geringe Dienste", entgegnete die Männerstimme, „ich erfülle nur meine Pflicht, eS ist ja mein Beruf den Leidenden, Kranken beizustehen — Sie aber Fräulein Wilhelmine, Sie sind ein Engel an Güte, Frömmigkeit nnd — ich bin ein alter Mann, ich darf es mir zu sagen gestatten — auch an Schönheit; was Sie