Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1878)
- Date
- 1878-06-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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553 rael errichtet hat *). Sind doch die Thorarollen und ihr niedergeschriebener Inhalt, bereits Gemeingut aller Völker und Zungen geworden, haben doch Jude und Nichtjude diesen schriftlich überlieferten Theil des Gottesgesetzes in Händen. Sind wir daher noch heute das erwählte Volk Gottes auf Erden, so kann der Besitz der geschriebenen Thora nicht das Criterium sein, welches das jüdische Volk zu einem auserwählten macht. Was uns Juden zu Juden macht, was uns auszeichnet als Gottesvolk ist daher in der That nicht das schriftlich niedergelegte, sondern das ursprünglich mündlich mitgetheilte und mündlich fortgepflanzte Gotteswort, welches ja Gottes Weisheit gerade deshalb in dieser Form uns übergeben hat, damit es leichter ausschließlich unser Eigenthum, unsere geistige Auszeichnung sein und bleiben könne2). Das haben auch die Judenfeinde aller Zeiten und Confessionen instinctiv gefühlt, als sie in erster Reihe ihre Angriffe unablässig gegen das mündliche Gesetz richteten, wie es im Drange der Zeiten in Mischnah und Talmud niedergeschrieben werden mußte. Nicht der Bibel, dem Talmud errichtete der Judenhaß seine Scheiterhaufen, ihn suchte er zu unterdrücken, und auS dem jüdischen Kreise zu bannen, weil er wußte, daß dies der Lebensnerv, die Seele des jüdischen Volkskörpers sei. Aber der blinde Fanatismus ahnte nicht, daß das sich von Mund zu Mund fortpflanzende Feuergesetz nicht durch Autodafes aus der Welt geschafft werden könne, daß indem die Pergamente verbrannten, der Geist, der in dem verglimmenden Buchstaben niedergelegt war, frei wurde und die ganze Atmosphäre befruchtete; uns mmis m»ni«i psieu p5'U verbrannten die Rollen, so trugen die in Winde gestreuten Buchstaben dieses Gesetzes neue Blüthen. Nicht gegen die Bibel, gegen den Talmud und seine Weisen Habens von demselben Jnstincte geleitet, die jüdischen Judenthumsfeinde zu allererst die bundesbrüchige Hand erhoben, als sie den weitschichtigen Verrath anbahnten, der als „Reform des Judenthums" mit dem Judenthum tabula, rasa machen sollte. In umgekehrter Reihenfolge, beginnt so eine unter der Aegide der Reform er- 58itc" oy nna n3"pn rro *6 pni’ '3i 108 (1 'di o’ioin »d 5y d ne 5yoiv onsi 5dbq 858 ('in 'oip5') iNffD no o’j’iso oi'.i5 s'yoter nun joj n3"p.i (2 3033» nun i»yv dbg n*w nis''t’ 85tp >13 oidik '311 035 3038 31030 128 0, 5yi 581«" 000 11081 '311 581tt"5 31038 08 n"3p.l 108 13BN1J IT 103 '0110 Dffm it 103 8ipon jo n5ni 8'.1V nJpon u '0110 (m 801M0 .131 V110) schienene und verbreitete Geschichte der Juden mit der talmudischen Aera, und schließt mit der biblischen. Es mußten eben erst unsere Weisen, als Hierarchen, Zeloten, Schwachköpfe, ja geradezu als Betrüger in der jüdischen öffentlichen Meinung gebrandmarkt, es mußte das von ihnen überlieferte Gottesgesetz erst als „frommer Betrugt hingestellt werden, ehe man es wagen durfte, die Göttlichkeit unserer Thorarollen schießlich ebenfalls anzutasten. Während so die theoretische Leugnung des schriftlich mitgetheilten Gottesgesetzes noch ein Monopol der sogenannten Wissenschaft des JudenthumS ist, hat die Aechtung unserer Weisen und ihrer Weisheit bereits solche Dimensionen angenommen, daß es fast einer Rechtfertigung bedarf, zum Feste unserer Gesetzgebung unserer mündlichen Lehre oder was dasselbe ist, unserer Weifen in erster Reihe zu gedenken. Denn sie ist ja das 0'030 5l7 pi8, jener Lichtquell aus dem sie ihre göttliche Weisheit schöpften b), sie rft ja das einzige Ideal, das ausschließlich bei ihren eigenen Schöpfungen mustergiltig voranleuchtete3 4), sie ist ja das nun» b/8 n»5 «'8 djj 5y, die Flammenschrift, die uns Gottes Gnade „schwarz auf weiß", nicht nur am Feste unserer Gesetzgebung darreichte, sondern auch für alle Zeiten unverlierbar gesichert hat, indem er in feinem Volke Männer erstehen ließ, deren Feuergeist und Feuereifer eben nur das eine Ziel kannte, — Träger. Erhalter und Förderer dieses Feuergesetzes zu werden. Wie daher der eine Theil deS Gesetzes nro nun, den Namen desjenigen trägt, der ihm sein ganzes Leben hingegeben, so lebt der mündlich überlieferte Theil als o'isiD nji unb O’ODn 'i3i als Aussprüche Derjenigen unter uns fort, deren gewissenhaften, die einzelnen Buchstaben zählenden Ueberlieferungstreue wir den Fortbestand jener göttlichen Weisheit im Menschenkreise verdanken. Kürzer und zugleich treffender sind aber die Aussprüche der Weisen, wohl nirgends sonst characterisirt worden, als in den folgenden Worten des Weisesten der Weisen, der das Lob der Weisen verkünden durfte, ohne den Verdacht der Selbst- Verherrlichung fürchten zu müssen, weil eben die von ihm gerühmte Weisheit tief in Gottesfurcht wurzelt, die nie den „Einen Hirten" vergißt, dem sie ja ausschließlich entstammt. Aussprüche der Weisen Gleichen Treibstacheln, Und einaesenkten Pflöcken, Meister int Sammeln, Des von Einem Hirten Gegebenen! (Koheleth). 3) Vergl. den Commentar von bl'O pi'.l 'l i« *T '3 0138 (:"op o'oov) ppn 8nni8i pys p3i ppm 53 (4