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Der Israelit · 1878-06-05 · Heft 23 (5.6.1878) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 23 (5.6.1878)
Date
1878-06-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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552 Werke Tore Sahab von Rabbi Samuel Bondi, Mainz 5635, S. 258 u. 259). Mit dieser Annahme sind alle Schwierigkeiten gehoben. Ruth durfte sich erst definitiv als Jüdin betrachten, nachdem Boas und der ihm zur Seite stehende Gerichtshof jene Halachah als eine echte und rechte anerkannt hatten, und damit ward zugleich ihre Ehre mit Machlon mit rückwirkender Kraft legalisier.*) Wir haben im vorigen Capitel erörtert, daß der Besitz der großen jüdischen Stammestugenden es war, welcher die Moabiterin Ruth würdig und - werth erscheinen ließ, daß sie sich der Gemeinschaft Israels anschließen durfte, die großen Tugenden der Barmherzigkeit, Schamhaftigkeit und Wohlthätigkeit. Er erübrigt uns nun noch, zu erörtern, wie so gerade diese drei Tugenden mehr als alle andern, welche das jüdische Volk zieren, als die Kriterien des Judenthums gelten. Er muß uns hierbei eine doppelte Erwägung leiten. — Da es sich hier um den Anschluß an Israel handelt, so dürfen nicht solche Eigenschaften hervorgehoben werden, welche lediglich aus der Lehre Israels hervorgehen können, denn sonst könnten Fremde ja gar nicht im Besitze dieser Eigenschaften sein, anderseits müssen es Eigenschaften sein, groß und herrlich genug, um des Anschlusses an Israel würdig zu machen. Beides bewährt sich an den in Rede stehenden Tugenden; es sind nnso, jedemMenschen zugängig, und wie groß und herrlich sie sind, das wollen wir kurz zu schildern versuchen. Die Barmherzigkeit, das Mitgefühl mit den Leiden Anderer, ist die höchste Stufe menschenwürdigen Betragens Wer freudig für das Glück Anderer leidet, steht höher als der Schmerz und der Tod, unter deren Hand der niedrige Mensch zittert. Je mehr er für das Heil Anderer, an seinem eigenen irdischen Wohlergehen einbüßt, desto geringer erscheint ihm das, was die Erde und das Urtheil der Menschen gewähren kann. Jede großmüthige That, bei welcher der Mensch das Irdische für das Göttliche wegwirft, adelt sein Gemüth für immer und verklärt sein ganzes Wesen. Eine der schönsten Formen, in welcher sich die Barmherzigkeit, das Mitgefühl, äußerte, ist die *) Anm. Trotzdem hatte jene Halachah auch nachher noch viele Anfechtungen zu bestehen; Ploni Almoni erkannte sie nicht an; Jischai, der Vater Davids, verfiel, wie der Midrasch erzählt in schwere Zweifel, was David im Psalm 116, V. 16 andeutet; die Weisen am Hofe Schauls wollten Davids legale Abstammung, nicht anerkennen bis die Autorität des Propheteu Samuel oie Sache vollständig und für immer entschied. Wohlthätgleit, denn Wohlthätigkeit ist nur dann wahre Tugend, wenn der Trieb dazu aus innerer Theilnahme am Unglück der Armen entspringt. Nicht die That ziert das Herz, sondern der Wille muß die That ehren. Im Menschen wohnt ein himmlischer Ton, durch den er der Gottheit ähnlich wird; es ist die Stimme der Barmherzigkeit, wenn sie mild wie Frühlingshauch herabweht in die Höhle des Elends. oim nro* juro cnm wn na! Es ist etwas Göttliches, wenn es gel'ngt, ein Menschenherz in seiner Unglücksstunde von der Verzweiflung zu erlösen, den Glanz der Freude über bleiche Wangen zu verbreiten, drein den Tagen und in den Nächten des Kummers längst ras Lächeln verlernt hatten. Barmherzigkeit, Wohlthätigkeit erlangen erst ihren wahren Werth durch die Schamhaftigkeit nur wer selbst schamhaft ist, wird das Gefühl der Beschämung denen zu ersparen wissen, welche die Wohlthaten zu empfangen gezwungen sind; die Beschämung, welche nur zu oft die Wohlthät begleitet wirkt manchmal mehr Uebles als die Gutthat Gutes. Das sind die Erbtugenden des jüdischen Stammes. Sorgen wir dafür, daß das lebende Geschlecht sie den kommenden Geschlechtern vererbe, wie wir selbst sie von unfern Voreltern überkommen haben. — Wie ein Weiser die Weisen schildert. E. Wenn wir am Feste unserer Gesetzgebung zum Dreitausend einhundert neun und achtzigsten Male in unseren festlich geschmückten Gotteshäusern es dem himmlischen Gesetzgeber danken, daß er uns auserwählt von allen Völkern und ewiges Leben in unsere Reihen gepflanzt, indem er uns seine Thora gegeben hat, „wenn wir uns freuen, für alle Zeiten und trotz aller Zeiten mit den Aussprüchen der Thora und den Mizwoth, weil sie eben unser Leben und die Dauer unserer Tage bedingen und im Hochgefühl dieser Freude uns die erneute Hingebung an >as alte Gesetz geloben, dann dürfte wohl die Erinnerung nicht überflüssig sein, daß das nun schon in's vierte Jahrtausend reichende Gottesbündniß mit seinem Volke in erster Reihe nicht auf unsere geschriebene Thorarollen im Hechal sich gründet, »rro' nton n*n:nn by »3 bvrsv' nw nnu -jna sondern, daß es der mündlich überlieferte Theil der Gottesaussprüche ist, auf welchen Gott seinen Bund mit Moscheh und Js-

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