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Der Israelit · 1878-05-29 · Heft 22 (29.5.1878) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 22 (29.5.1878)
Date
1878-05-29
Page
– (sequence 18)
Language
German
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544 feinem Schlußsätze: „Sämmtlich e Herren haben gewußt, daß u. s. w. ein jru ist" — insoweit meine Person dabei in Betracht kommt — eine Lüge Dr. M. Rahmer, Rabbiner iu Magdeburg. Mainz, 27. Mai. Unsere geehrten Leser werden sich der in Nr. 21 enthaltenen Correspondenz aus „Amsterdam" erinnern. Ein Kohen will eine Nichtjüdin heirathen, die vorher zum Judenthum übertreten will; da das religionsgesetzlich verboten ist, so weigern sich die holländischen Rabbinen, dazu die Hand zu bieten. Man wendet sich darauf an Herrn Rabbiner Dr. R a h m e x in Magdeburg, der das in Rede stehende Mädchen ins Judenthum aufnimmt, worauf dann der betreffende Kohen die verbotene Ehe eingeht. „Sämmtliche (dabei betheiligte) Herren haben gewußt, daß Herr Moses Sajet, welcher die Frau heirathen will (soll heißen: wollte), ein Kohen ist. Diesen Schlußsatz der erwähnten Correspondenz erklärt Herr Rabbiner Or. Rahmer aus Magdeburg, insoweit seine Person dabei in Betracht kommt, in ebenso höflicher wie — naiver Weise für Lüge, und scheint keine Ahnung davon zu haben, daß er sich durch diese seine Berichtigung selbst sein Urtheil gesprochen. Wir erhielten die in Rede stehende Correspondenz von einem zuverlässigen, allgemein geachteten Manne. Da dieselbe in ihrer ersten Form iu holländischer Sprache abgefaßt war und wir bei einer so heiklen und wichtigen Sache, die gegen drei jüdische Cultusbeamte eine so schwere Anklage enthält, keine Uebersetzung geben wollten, bei der vielleicht irgend eine Redewendung nicht richtig wiedergegeben würde, so ersuchten wir den Herrn Correspondenten um eine Zuschrift in deutscher Sprache, die dann auch in Nr. 21 an die Oeffentlichkeit trat. Unsere geehrten Leser sehen, daß wir es an der gebührenden Vorsicht nicht haben fehlen lassen. Wir müssen es natürlich unserm Herrn Correspondenten überlassen. der ihm ins Gesicht geschleuderten ^üge entgegenzutreten. Aber mit dem naiven Herrn Rabbiner von Magdeburg, der gegen den Schlußsatz so höflich und bescheiden protestirt, und damit die Thatsache der von ihm besorgten Proselyten-Taufe zugesteht, haben wir noch ein Wörtchen zu reden. Glauben wir einmal dem Herrn aufs Wort, daß er nicht gewußt, daß jener Herr Sajet ein Kohen sei, ist dann sein Verfahren correct? Wie lautet doch die betreffende religiöse Vorschrift, Herr Rabbiner von Magdeburg? Wir setzen voraus, daß Sie einen Joreh Deah besitzen; schlagen Sie ihn doch gefälligst auf; dort werden Sie c. 268 § 12 eine Bestimmung finden, die Ihr Verfahren in ein eigentbümliches Licht stellt. Dort heißt es: Wenn einProselyt sich zum Judenthum meldet, so untersucht man vorher sorgfältig (rnnN j»pin), ob diesem Uebertritte etwa unreine Motive zu Grunde liegen; wenn der Proselyt ein Mann ist, ob er eine Jüdin, wenn es eine Proselytin ist, ob sie einen Juden zu heirathen wünscht*). In derlei Fällen muß die Aufnahme unterbleiben. Wenn Sie nun, Herr Rabbiner Dr. Rahmer auch nicht gewußt haben, daß Herr Sajet ein Kohen ist? Oder haben Sie auch nicht gewußt, daß die Proselytin deßhalb zum Judenthum übertreten wollte, um einen Juden zu heirathen? Und sollten Sie auch dies nicht gewußt haben, hätten Sie nicht danach forschen müssen (nnn« ppiiz)? Oder haben Sie danach geforscht, und wegen der weiten Entfernung die Wahrheit nicht erfahren können — aber, sehr ehrwürdiger Herr Rabbiner von Magdeburg, da hätten Sie doch den Rabbinen im Vaterlande deS Herrn Sajet die Sache überlassen sollen! Die holländischen Rabbinen haben die Aufnahme verweigert, und Herr Rabbiner Dr. Rahmer zu Magdeburg findet es so ganz in der Ordnung, so ganz „zweifelsohne", daß man aus weiter Ferne zu ihm kömmt!!! In alten Zeiten wanderten die ona aus allen Ländern nach Holland, um dort zum Judenthume überzutreten; Holland war das einzige Land, in welchem einderartiger Uebertritt gestattet war; jetzt kömmt man aus'Hollaud zu eben diesem Zwecke nach — Magdeburg!!! Es ist dock eine köstliche Sache um die — Naivität. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Szilhas Balhas (Ungarn), im Jjor. (Ein Wort an die ehrwürdigen orthodoxen Rabbinen Ungarns.) In tiefster Ehrfurcht und Bescheidenheit wagt es der Gefertigte, Euch, Ihr Leuchten Israels^ für einige Augenblicke in Eurem auf das Höhere gerichteten Streben, zu stören und Eure Aufmerksamkeit auf einen, seiner unmaßgeblichen Ansicht nach, hochwichtigen Gegenstand zu lenken. So oft in unserem engern Vaterlande ein Rabbiner durch den Tod abberufen wird von dem Schauplatze seiner Wirksamkeit, hören wir zugleich *) Es gibt allerdings Ausnahmen, wie Toßaphot Jebamoth f 2i, angeführt von Beth Joseph, Derischah und Dchach, constatiren, wenn nämlich die Ueberzeugung obwaltet, daß trotz äußerlicher Motive der Uebertritt in reiner Absicht geschieht oder doch später dazu führt. Daß das bei dem in Rede stehenden Uebertritte nicht der Fall gewesen, ergibt sich aus dem sofort begangenem TO’f>.

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