Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1878)
- Date
- 1878-05-29
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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den Jammerruf einer verlassenen, hilflosen Familie in herzzerreißender Weise ertönen. Die Dotation des Rabbiners hierzulande ist nicht derart, daß derselbe im Stande wäre, für die Sicherung der Zukunft seiner Hinterbliebenen etwas bei Seite zu legen. Auch die Mittel der jüd. orth. Gemeinden -gestatten es — mit wenigen Ausnahmen — nicht , den Hinterbliebenen ihrer geistigen Führer eine entsprechende Pension zu gewähren. Diese Thatsachen sind zu bekannt, als daß es nöthig wäre, dabei zu verweilen, und wollen wir blos auf zwei derartige Falle aus jüngster Zeit — auf die Fälle von Waitzen und Wachtelitz — Hinweisen. Wohl strebt der Gottesfürchtige, wahrhaft Fromme nicht nach Erdengütern, findet er Zeit seines Lebens seine höchsten Genüsse, indem er seinen Geist vertieft in die Schachten des Gotteswortes, um dessen unschätzbare Kleinodien ans Licht zu fördern; doch wie schmerzlich muß einem edlen Mann die letzte Stunde seines gottgeweihten Lebens sein, wenn die Sorge um die Zukunft seiner Gattin und Kinder an seinem Herzen nagt;, wenn er mit dem Bewußtsein von der Erde scheidet, daß er seinen Theuren keine materielle Stütze hinterlassen kann, daß sie bloö auf die Spenden mildthätiger Herzen hingewiesen sind! Gegenüber solch wahrhaft betrübender Zustände ist es meiner unmaßgeblichen Meinung nach, heilige Pflicht eines Jeden, dessen Herz von Liebe zur Thora und ihren Pflegern durchglüht ist, über die Mittel und Wege nachzudenken, wie diesem Uebelstande abzuhelfen. Wenn irgendwo, so ist hier das nvyn ivtt buu 'i -p-ü’ am Platze. O, meine ehrwürdigen Lehrer! Möchte es meiner Wenigkeit nicht als Anmaßung ausgelegt werden, wenn ich mir erlaube, in dieser so hochwichtigen Angelegenheit einen Vorschlag zu machen. — Auf allen Gebieten sehen wir zu den verschiedensten Zwecken Vereine entstehen, durch harmonisches Zusammenwirken Großes und Staunenswerthes zu Stande zu bringen. Und könnten nicht ebenso die orth. Gemeinden und Nabbinen Ungarns mit vereinten Kräften dahin wirken, die Zukunft der Letzteren zu sichern? Zu diesem Zwecke müßten die orth. Rabbinen Ungarns sich vereinen, einen Pensionsfond zu gründen, dessen Stock aus der Entrichtung eikeS gewissen Prozentsatzes ihres jährlichen Gehaltes gebildet würde. Und da der hieraus ersprießende Vortheil nicht blos den Rabbinen, sondern ebensowohl auch den Gemeinden zu Gute käme. müßten auch diese sich verpflichten, eine entsprechende Quote beizutragen, und gewiß würden begüterte Glaubensgenossen einen solche« Fond durch Legate u. drgl. vermehren. O, Ihr Leuchten in Israel! Bei Eurem Streben nach ewigen Gütern, vergesset nicht, daß Ihr auch Euren Familien, Euren Gattinnen und Kindern gegenüber große, heilige Pflichten habet! Oeffnet daher den obigen Worten die Pforten Eurer edlen Herzen und gebet, mit Einwilligung der löbl. Redaction*), in diesen Blättern Eure diesbezüglichen Ansichten kund, und wenn es diesen Zeilen auch nur gelungen wäre, über diesen so hochwichtigen Gegenstand die Debatte zu eröffnen, fühlte sich deren Schreiber reichlich belohnt. A. H. Klein, Rabbinats-Verweser. England. London. Die Heirath des Grafen Rosebery mit Fräulein Hannah v. Rothschild ist in der Couvocation (Synode) der erzbischöflichen Provinz Canterbury am 16. d. zur Sprache gekommen. Der Pfarrer von Cyprian in London richtete nämlich eine Petition an das Unterhaus der Convocation, in der er sich darüber beklagte, daß am 20. März d. I. zwei Personen, darunter eine Jüdin, durch den Registrer civilrechtlich getraut worden seien und daß dieselben Personen am nämlichen Tage kirchlich getraut wurden nach dem Ritus der anglikanischen Kirche, was nach der Meinung des hochwürdigen Petenten eine „Profanation heiliger Dinge und ein großer Skandal" sei. Petent macht auch darauf aufmerksam, daß die bischöfliche Liceuz die beiden Ehewerber, den Grafen Rosebery und Frl. Hannahv. Rothschild,als „vielgeliebtein.bezeichnet. Er bittet zum Schluffe, die Convocation möge dasjenige verfügen, was sie als das Zuträglichste für die DiSciplin der Kirche und der Interessen der wahren Religion erachtet. Die Petition wurde vorläufig zur Kenntniß genommen. (Demnach wäre Frl. Hannah von Rothschild nicht, wie man bisher glaubte, getauft.) *) Wird gern erthcilt.