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Der Israelit · 1878-05-29 · Heft 22 (29.5.1878) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 22 (29.5.1878)
Date
1878-05-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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/ I geworden und wird für das Andere eine jährliche Miethe von 4000 Piaster an den Bey zu zahlen haben. Der Kaufpreis ist in Der Weise stipulirt worden, daß ein Zehntel sofort und der Rest ratenweise innerhalb der nächsten zwei Jahre mit 10°/o Zinsen p. a. zahlbar ist. Hierzu kommen noch die Zueignungskosten der Plätze im Betrage von 6000 Fr. und die Anschaffung des Schulmaterials für die Armen ca. 1000 Fr. Um dem BezirkscomitL zu Hilfe zu kommen, hat der italienische ebenso wie der französische Consul eine Subscription für die Schule, jeder unter seinen Landsleuten, veranstaltet und der spanische Consul ein Gleiches zu thun versprochen. Da jedoch diese Zuschüsse bei Weitem nicht ausreichen, so wird das Bezirkscomitiö einen Aufruf an das europäische Judenthum richten. Feuilleton. Licht und Schatten. Erzählung von Friedrich Rott. XXXVIII. In furchtbarer Erregung, er war am Vormittag seinem Vater, der mehrere Packete unter dem Arm trug, begegnet, durchmaß der junge Fabriksbesitzer das luxuriös ausgestattete Speisezimmer, in dem seine Frau bereits ihren Platz am Tische eingenommen hatte. „Nun, Eduard, wirst Du denn heute nicht zu Tische kommen? wie lange, lässeft Du mich warten?" „Verzeih'", er warf sich neben sie in einen Sessel, „aber es ist mir nicht möglich, auch nur das Geringste zu genießen; mir ist, als müsse jeder Tropfen, den ich trinke, zu Gift werden, nachdem ich das gesehen." „Armer Mann!" schmeichelnd fuhr sie mit ihrer schmalen weißen Hand über sein erregtes Antlitz, er drückte ihre Finger an seine Lippen. „Aber eines muß ich Dir doch sagen Eduard", fuhr sie fort, „so sehr mich das Verhalten Deines Vaters schmerzt, namentlich, weil Du es Dir so sehr zu Herzen nimmst, so muß ich Dir doch gestehen, daß es mir die aufrichtigste Hochachtung abnöthigt." „Bertha", fuhr er auf. „Nun, nun, nun, schau mich nur nicht so grimmig an" und sie schlang lächelnd ihren Arm um seinen Nacken. „Du bist mein gutes liebes Männchen, aber Dein Vater muß ein Mann fein in der höchsten Bedeutung des Wortes." „Es freut mich, daß Du so über meinen Vater denkst, aber ich begreife nicht, wie gerade sein Verhalten gegen mich —" „Das begreifst Du nicht, weil Du erregt bist, weil Du Dich durch sein Verfahren gekränkt'fühlst, und das mit Recht. Auch mich schmerzt es unaussprechlich, aber dennoch kann ich nicht übersehen, daß eine seltene Geistes» und^Charaktergröße dazu gehört, um in dem Alter und in der Lage Deines Vaters ein Anerbieten zurückzuweifen, wie Du es ihm gestellt und sich zu ernähren, wie er es thut." „Haß gehört dazu," murmelte Eduard vor sich hin, „mein Vater haßt mich." „Du thust Deinem Vater unrecht," erwiderte seine Frau, „ein Vater kann sein Kind nicht hassen, am allerwenigsten ein Vater wie Dein Vater." ..Was weißt Du von meinem Vater? Du kennst ihn ja kaum." „Ich möchte ihn näher kennen lernen, möchte auch die Principien kennen, um derentwillen er sich so große Beschränkungen auferlegt. Denn, sage was Du willst, Eduard, es muß Deinem Vater sehr hart ankommen, sich so buchstäblich sein Brod zu verdienen; denn viel mehr als Brod kann man für den Gehalt als Ausläufer wohl nicht haben." „Freilich nicht," stöhnte Eduard, „das ist'S ja eben." Bertha stützte den Arm auf den Tisch und lehnte den Kopf auf die Hand. „Wenn Du nichts dagegen hättest, Eduard, fo möchte ich Deinen Vater wohl einmal besuchen." „Was sollte ich dagegen haben? wie er Dich aufnimmt, das weiß ich freilich nicht." „Ach, es wird wohl nicht so arg sein und überdies ist er ja auch mein Onkel." . Ja, aber was willst Du denn eigentlich bei ihm? wenn Du durch Deinen Besuch ihn anderen Sinnes zu machen hoffst, so möchte ich ihn Dir von vornherein widerrathen. Mein Vater ist nicht der Mann, der sich durch weiblichen Liebreiz zu irgend etwas bewegen ließe." „Das kann ich mir denken, aber — ich möchte ihn näher kennen lernen, weil mir sein Verfahren imponirt hat. und — wann glaubst Du, daß ich ihn wohl treffen könnte?" Eduard zuckte die Achseln. „Wie ich gehört habe, ist er den ganzen Tag auf den Beinen," erwiderte er, indem er die Sühne fest übereinander preßte. „Ausläufer — wie ich heute Mittag nach Hause gekommen bin, das weiß ich selbst nicht — mir war's, als ob die ganze Welt hohnlachend mir entgegen grinse."

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