Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1878)
- Date
- 1878-05-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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528 „Und Boas sprach zu ihr: verkündet, verkündet ist mir worden Alles, wie du verfahren mit deiner Schwiegermutter nach dem Tode deines Mannes, wie du verlassen deinen Vater und deine Mutter und das Land deiner Geburt und gingest zu einem Volke, das du nicht gekannt hast gestern und vorgestern. Möge der Ewige bezahlen dein Thun, und es möge sein dein Lohn vollkommen , vom Ewigen, dem Gotte Israels, unter dessen Fittigen dich zu bergen du gekommen bist." Unsere Weisen bemerken dazu im Midrasch Rabbah: "un ,rv33 in? "un *un D’dj/s '3 no1? mo nnx fmon nx rvary i»x ^3 ,rmp3 T"y"D 1"3"1 "|DX1 1'3X , -jkv'X "D3 PXkv Qwbw t>ion nyT xy 1VX Dy vx '3^D1 i"3"i .D''D x'? *?iDn v?xw „Warum zweimal verkündet, verkündet? Es ist mir verkündet worden, was du im Hause gethan; es ist mir verkündet worden, wie du auf dem Felde dich benommen; daß du verlassen Vater, Mutter und Heimath, weil du dich lossagen wolltest vom Götzendienste; daß du gegangen zu einem Volke, das du nicht gekannt hast gestern und vorgestern — denn wärest du gestern oder vorgestern gekommen, so wärst du (es) nicht gewesen (oder: so wärst du (es) nicht geworden). Daß die letzten Worte des Midrasch unverständlich sind, braucht nicht erst gesagt zu werden, und in der That hat der Midrasch Jalkut zur Stelle eine andere Lesart. Dort heißt es: l'ttojn imx D'v3PO nb cwbw ^!3N ibx .ri'3ttiv x>? '3X1O ,D'^vy X^>1 ’Jioy riDbn nt^inrj „Wärst du gestern oder ehegestern gekommen, so hätten wir dich nicht annehmen dürfen, denn erst jetzt ist die Halachah erneut worden: ein Ammoni aber nicht eine Ammoniterin, ein Moabi, aber nicht eine Moabiterin." Wir wollen daL näher erörtern: Bekanntlich hat Gott den Moabitern und Ammonitern den Eintritt in die Gemeinschaft Israels versagt. Die heilige Schrift gibt zwei Gründe dafür an: einmal, weil sie den an ihren Grenzen vorüberziehenden, ihnen blutsverwandten Israeliten nicht Speise und Trank entgegenbrachten, und der zweite Grund war, weil sie den Bileam gemiethet hatten, Israel zu verfluchen. Eine dem Moscheh auf Sinai mündlich mitgetheilte Halachah beschränkte diese Ausschließung auf die Männer, weil doch die Frauen weder den Bileam gemiethet hatten, noch von ihnen erwartet werden durfte, datz sie Speise und Trank in ein Lager fremden Kriegsvolks bringen. Frauen und Mädchen sollen sich nicht hinauSwagen, nD'Js ro rni33 ^3. Diese Halachah war im Laufe der Zeit bei einem Theile der Weisen Israels in Vergessenheit gerathen, ihre Authencität war zweifelhaft geworden; die maßgebenden Behörden wiesen auch Ammoniterinnen und Moabiterinnen, die sich Israel anschließen wollten, zurück. In der That weigerte sich später noch der „Ungenannte" des in Rede stehenden Buches ’^s), die Ruth aus dem angeführten Grunde zu heirathen. Bis jetzt aber hatte selbst Boas, der unter dem Namen Jbzon sieben Jahre lang als Richter und Fürst an der Spitze Israels stand, an der Richtigkeit der erwähnten Halachah gezweifelt. Wie kam eS, daß sie gerade jetzt als zuverlässig und maßgebend erkannt wurde? Im 2. Buche Samuelis wird uns erzählt, daß David die Gibeoniten, welche einst Josua als Bundesgenossen ausgenommen, von der innigeren Gemeinschaft mit Israel ausschloß. Als Grund dafür wird im Talmud angegeben, daß die Gibeoniten der drei Stammestugenden Israels: Wohlthätigkeit, Barmherzigkeit, Schamhaftigkeit, entbehrten. Wer diese drei Eigenschaften nicht besitzt, der ist nicht Werth, in die Gemeinschaft Israels einzutreten. Ruth nun bewährte diese drei Tugenden in herrlichster Weise. Das Mitgefühl, das sie ihrer so hart heimgesuchten Schwiegermutter bewies, bezeugte ihre große Barmherzigkeit. Sie, die Tochter des Königs Eglon von Moab, ging auf's Feld, um Aehren aufzulesen, um die verarmte Schwiegermutter zu ernähren; gibt es einen höheren Grad von Wohlthätigkeit? Und auf dem Felde, zwischen den Schnittern, bewährte sie die Schamhaftigkeit in so hohem Grade, daß sie eben dadurch , wie die Weisen im Talmud erzählen, die Aufmerksamkeit des Boas auf sich lenkte. Diese thatsächliche Bewährung der jüdischen Stammestugenden durch eine Moabiterin überzeugte den Richter Israels von der Zuverlässigkeit jener tradirten Halachah n'3xiv xvi '3xw rvnöy xdi woy, und er sprach n»»n x1? oitcor ^ion i^'Xw. „Gestern, ehegestern, ehe die Ernte begonnen und wir uns nicht überzeugen hätten können, daß auch die dritte jüdische Stammestugend, die Schamhaftigkeit, dir in so hohem Grade eigen, hätten wir dich nicht aufnehmen können in den Bund mit unserm Gotte. (Schluß folgt.)