Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1878)
- Date
- 1878-05-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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508 ändern wollen, müssen wir, wir Italiener, das unselige im Widerspruch mit der Civilisation ändern? Unsere Verfassung proclamirt bie Gleichheit aller Bürger; es wird in Italien zwischen Einem Italiener und dem Anderen aus Religionsgründen kein Unterschied gemacht. Wird die gegenwärtige Regierung wollen, daß in Rumänien zwischen Einem Italiener und dem Anderen?aus Religionsgründen ein Unterschied gemacht werde? ES ist unmöglich, daß eine solche Thatsache sich unter einem von Ew. Excellenz präsidirten Ministerium und zum Beginn der Regierung eines Fürsten vollziehe, welcher so edelmüthig erklärt hat, in die Fußftapfen seines glorreichen Vaters treten zu wollen. Wir haben das Vertrauen, daß Ew. Excellenz darauf halten werden, die bezeichnete Lücke in dem von Ihrem Vorgänger geschlossenen Vertrage auszufüllen, und demnach gütigst der rumänischen Regierung erklären werden, daß Sie dem Parlament den Vertrag nur mit dem Addiiional-Artikel vorlegen können, welcher besagen soll: „Die Italiener genießen in Rumänien ohne Unterschied des CultuS gleiche Rechte." (Schluß folgt.) Feuilleton. Simon Weding.') Erzählung aus dem Anfang des neunzehnten Jahrhunderts von 8. Hohn. (Verfasser von „Gabriel" ) (Fortsetzung.) Der Friedhof liegt etwa dreiviertel Stunden von der Stadt entfernt, der Unglückliche lenkte seine raschen Schritte dorthin. Der Friedhofdiener zeigte ihm das Grab, nur durch ein bescheidenes Brettchen kenntlich, Simon Reding sank auf dasselbe hin, und seine Seele erhob sich auf den Schwingen des Gebetes zum Allvater empor, der oft mit wunderbarer Unbegreiflichkeit auch ohne äußere sichtbare Schicksalswendung, Trost in die verzweifelnde Menschenseele zu senken, den tief gebeugten Geist zu erheben vermag! Als Simon den Rückweg in die Stadt antrat, fühlte er sich eigenthümlich beruhigt in einer Weise, wie er dies vor Kurzem im Stadium einer begreiflichen und vollkommen berechtigten Aufregung *) Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersetzungsrecht Vorbehalten. kaum für denkbar gehalten hätte, und er dankte Gott dafür aus den Tiefen seiner Seele. Aber seine gebesserte Stimmung ward bald neuerdings, und in aller verletzendester Weise getrübt. Er hatte einen kleinen Geldbetrag, achtzehn Gulden aus dem Gefängnisse mitgebracht, es waren dies die kleinen Ersparnisse, die er durch seine Arbeiten verdient hatte. Er hätte mehr, viel mehr erübrigen können, wenn er nicht seiner religiösen Ueberzeugung schwere materielle Opfer gebracht hätte. Damals, in dem alten Oesterreich, war Alles käuflich gewesen, und das Gift der Bestechung war auch bis in die Zelle des armen unglücklichen Kettenfträflings gedrungen. Simon Reding hatte es durch Geschenke an den Kerkermeister und die Unterbeamten am Spielberg dahin gebracht, daß er an Sabbaten und an jüdischen Feiertagen nicht zu arbeiten brauchte; — freilich mußte er dafür an den Werktagen jedesmal um drei Stunden länger arbeiten — und daß er keine Fleischspeisen zu genießen gezwungen war. Reding hatte ein Opfer von unschätzbarer Größe gebracht, das jenes Daniels am persischen Hofe noch überglänzte. Sieben Jahre lang hatte Simon Reding mit Ausnahme des Passah-, des Neujahrfestes und dem Ein- und Ausgange des Jom-Kipurs, an welchen Tagen die kleine jüdische Gemeinde - in Brünn ihm die Kost senden durfte, keinen Bissen Fleisch gegessen und nur von Brod, Erdäpfel, Gemüsen und Derartigem gelebt, und dabei oft, wenn sich ihm nichts Erlaubtes zum Genüsse darbot, tagelang gefastet. Alle diese schweren leiblichen Opfer, die einen minder kräftigen Menschen als er es war, körperlich zu Grunde gerichtet hätten, mußte er mit Geld erkaufen, und wenn seine Kerkergenossen, zum größten Theile verthierte. des Menschennamens unwürdige Gesellen, die Entbehrungen, die er sich freiwillig auferlegte, erfuhren, hatte er ihren Hohn und Spott waffenlos zu ertragen. Sobald Reding etwas Fassung und Besonnenheit wiedergewonnen, mußte er daran denken, wie er seine Zukunft gestalten wolle. Vor Allem mußte er sich, selbst auf die Gefahr hin, seinen Baarschatz in gefährlicher Weise zu vermindern, andere Kleider anschaffen. Reding hatte, als er die Festung verließ, die wenigen Stücke seiner früheren Kleidung, die er noch 'vorgefunden, anlegen müssen; aber der kluge Mann fühlte es. daß er in einem so sonderbaren Anzuge nicht länger herumgehen, sich in seinem Aeußern nicht von andern Leuten unterscheiden dürfe. Auch hatte er vor Aufregung fast seit sechs und dreißig Stunden nichts gegessen, und fühlte an feiner beginnenden