Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1878)
- Date
- 1878-05-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447747-2447768--14941-2470870- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
wenn solchen zu ihrer Ausbildung bestimmte Gelegenheit geboten werde. Dem von dem Abgeordneten Scriba Namens des vierten Ausschusses der zweiten Kammer über diese Vorstellung erstatteten Bericht entnehmen wir, daß das Ministerium, um Meinungsäußerung gebeten, dem Referenten folgende Antwort ertheilte: Seither befanden sich stets nur sehr wenige israel. Schüler auf den beiden Schullehrerseminarien. Sollte jedoch in der Zukunft eine constante Vermehrung der israel. Seminarschüler eintreten, so wird sich durch Errichtung des dritten Seminars in der Stadt Alzei, welche zugleich der Sitz eines Rabbinen ist, die Möglichkeit ergeben, dem Bedürfniß eines besonderen Religionsunterrichts für dieselben in zweckmäßiger und dabei nicht besonders kostspieliger Weise zu genügen, wenn sämmtliche für den Lehrerberuf sich vorbereitende Israeliten diesem Seminar zugewiesen und der betreffende Rabbiner als Religionslehrer für dieselben bestellt würde*). Der Ausschuß beantragt, das Ministerium zu ersuchen, die Bitte des genannten Vereins zu berücksichtigen und die dazu erforderlichen Einrichtungen baldmöglichst in's Leben zu rufen. Frankreich. Paris. Monatsbericht (April) der „Alliance Jsr. Univ." (Die Israeliten von Rumänien.) In der letzten Zeit waren hauptsächlich von der Wiener Presse verschiedene günstige Nachrichten in Betreff der Lage der rumänischen Israeliten verbreitet worden. Man hatte von der baldigen Emancipation der Israeliten gesprochen, von den Rechten, die sie sich durch ihr patriotisches Verhalten während des Krieges erworben hätten, von dem Eindrücke, den es auf die Mitglieder der rumänischen Regierung bei ihrer Reise im Auslände gemacht hätte, daß die europäischen Regierungen einstimmig die rumänische Politik in Betreff der Juden mißbilligen. Man konnte sich nahe vor einem, von Rumänien zu Gunsten der dortigen Juden zu vollziehenden großen Acte der Gerechtigkeit dünken; aber Diejenigen, die mit den in der rumänischen Judenfrage bis jetzt zur Beruhigung der öffentlichen Meinung angewandten Methoden bekannt sind, wollten erst den Ausgang abwarten, ehe sie an diese» plötzlichen Umschwung Rumäniens glauben konnten; ihre Zweifel haben sich denn'auch schnell bestätigt. Man erfuhr bald, daß Rumänien, weit ent- *) Anm der Red.: Da die israel. Gemeinde zu Alzei sammt ihrem Rabbiner der Reform - Richtung, die meisten israel. Gemeinden des Großherzogthums Hessen aber der orthodoxen Richtung angehören, so kann von einer Ausbildung israel. Lehrer zu Alzei nicht wohl die Rede sein. » fernt, auf dem Wege der Verfolgungen inne zu halten, vielmehr fortfuhr, bei den Regierungen die Unterzeichnung von Handelsverträgen zu betreiben, die dem mit Oesterreich geschlossenen ähnlich sind. Die Regierungen von Italien und der Schweiz haben diesen Vertrag unterzeichnet, ohne irgend welche Garantie für die Israeliten ihrer Länder zu stipuliren. Man kann hoffen, daß die öffentliche DiScussion die Regierungen von Italien und der Schweiz über den Ernst dieser an die rumänische Intoleranz gemachten Concessionen aufklären und sie bewegen wird, dem Vertragsentwurf einen Additional-Artikel zu Gunsten ihrer isr. llnterthanen anzuschließen; unsere Glaubensgenossen in der Schweiz bemühen sich, dieses Ziel zu erreichen, und ebenso entfalten hierfür die Israeliten Italiens die allergrößte Thätiqkeit. Die Comits's der Alliance zu Rom und in allen italienischen Städten, die isr. Landtagsab.eordneten, alle bedeutenden Persönlichkeiten'des Judenthums von Italien vereinigen sich zu energischer Vertheidigung ihrer Reckte; die öffentliche Meinung und die italienische Presse sind tief erregt von einem Acte, der die liberale Politik Italiens dementirt, den H. Melegari vor Kurzem mit Indignation zurückgewiesen hat und der von H. Depretis erst in dem Momente, als er das Ministerium verließ, vollzogen worden ist. Die „Opinione“, die Gazetta della Capitale“, die „Gazetta d’Italia“ unterstützen die Bemühungen derselben. Das Comitd der Alliance zu Rom hat folgendes Memorandum an die Regierung gerichtet: Excellenz! Der frühere Ministerpräsident und Minister des Aeußeren, H. Depretis, hat einen Handelsoertag mit der rumänischen Negierung unterzeichnet, welcher Nichts über das persönliche Recht enthält. Wenn aber eine Nation mit einem Staat, welcher nicht dasselbe öffentliche Recht hat, einen Vertrag schließt, muß für das Personalrecht ausdrücklich Vorsorge getroffen werden, da sonst die für den Handel stipulirte Freiheit illusorisch wäre. In Rumänien sind notorisch nicht blos alle im Lande geborenen Israeliten von den Gesetzgebern, der Verwaltung und den Gerichten außerhalb des gemeinen Rechts gestellt, sondern auch die ausländischen Israeliten, sogar isr. Bürger der civilisirtesten Nationen, wie von Italien, Frankreich, Deutschland, England, werden wie die einheimischen Israeliten behandelt. So können nur die christlichen Ausländer Grundstücke erwerben (Gesetz vom 19./31. August 1868), und der Cassationshof verwarf die Appellation des in Braila wohnhaften französischen Israeliten Schwarzmann, indem er unter dem 3./15. Februar 1867 entschied,