Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1878)
- Date
- 1878-05-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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489 Dr. Philippson bekannt ist, so mag eS ihm überlassen bleiben, darüber zu berichten. Herr Vr. Philippson kann bei dieser Gelegenheit den Ausspruch eines großen Mannes, nämlich einen höchsteigenen, citiren über die an's Wunderbare grenzende Geldersparniß seines—Correspondenten. Der Ausspruch wurde mir von einem sehr glaubwürdigen Mitglied der hiesigen Gemeinde mitgetheilt, an welches er zur Zeit einer hier stattgehabten, auch von Herrn vr. Philippson besuchten Versammlung gerichtet wurde. Das mag für die „Zeitung des Judenthums" und ihren Herrn Correspondenten genügen. — Eine Darlegung der Beziehungen zwischen Jerobeam und seinen modernen Nachahmern, die ich später einzusenden beabsichtige, ist von dem verunglückten Purimscherz der „Zeitung des Judenthums" unabhängig. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. Baron v. H i r s ch wurde vom Kaiser von Oesterreich zum Mitzliede der österreichischen Commission für die Pariser Weltausstellung ernannt. Derselbe erklärte sich erbötig, die Herrichtung der Vorderseite der österr. Abtheilung in der Ausstellung auf eigne Kosten zu bestreiten, was nicht weniger als 60,000 fl. kosten wird. Baron v. Hirsch hat Wien zu seinem ständigen Wohnsitze erwählt. (W. Jsr.) Türkei. Koustantinopel. Nach aufgestellten Berechnungen beträgt die Summe, die Herr Beneziani im Auftrag des Herrn Baron v. Hirsch in der Türkei vertheilt hat, über 30,000 Pfund Sterling. (Jew. Chr.) PHMppopet. Drei jüdische Mädchen, Kinder wohlhabender Eltern, sind auf unerklärliche Weise verschwunden. Die Mädchen, welche im Alter von 18—20 Jahren stehen, sollen von Bulgaren oder Russen entführt worden sein. (W. Jsr.) Feuilleton. Licht und Schatten. Erzählung von Friedrich Rott. XXXVI. Es war ein schöner heiterer Frühlingstage Susanne hatte der kleinen Selma ihre Festtagskleider angelegt, hatte die ganze Wohnung gerieben und gescheuert und in alle Zimmer duftende Blumensträuße gestellt, denn heute erwartete sie ihren Herrn nach mehr als fünfmonatlicher Abwesenheit. Ob er den lieben Knaben gefunden? — er hatte nichts davon geschrieben, aber Susanne hoffte es, wie hätte er sonst heimkehren können? — Voll Ungeduld hüpfte Selma von einem Zimmer in das andere, sie wollte auch mit ordnen und bei den Vorbereitungen zum Empfang des Großvaters mithelfen. Sie hatte des Großvaters Lehnsessel abgestaubt und abgerieben, seinen Schlafrock darauf gelegt, seine Pantoffeln davor gestellt und Pfeife und Tabacksbeutel zurechtgelegt und immer wollte es noch nicht Mittag werden, denn zur Mittagsstunde hatte Grün seine Heimkunft angekündigt. Seit nahezu einer Stunde stand sie nun schon am Fenster. Susanne neben ihr, denn die Alte vermochte ihre Ungeduld kaum mehr zu zügeln als das Kind, und beide lauschten nun auf das unaufhörliche Rollen der vorüberfahrenden Wagen und bemühten sich, in jeden hineinzusehen, ob die so sehnlichft Erwarteten sich nicht darin finden. „Da kommt Großpapa! da kommt Großpapa!" jauchzte Selma endlich und deutete auf eine heranrollende Droschke, „sichst du, Susanne, Großpapa's Koffer da oben?" Die Alte hatte ihn ebenfalls erkannt, doch vor Aufregung keines Wortes fähig, hob sie schweigend das Kind auf ihren Arm und eilte die Stiegen hinunter ihrem Herrn entgegen. Jubelnd warf sich Selma an des Großvaters Hals, aber die treue Dienerin war entsetzt, als sie ihren Herrn erblickte. Aus dem vollständig farblosen abgezehrtem Antlitz sprachen all' der Kummer und alle die Strapatzen der verflossenen fünf Monate. „Wo ist denn Hugo?" fragte Selma, das liebliche Köpfchen nach allen Richtungen hin wendend. „Ich habe ihn noch nicht gefunden," evtgegnete Grün tonlos und nahm die Kleine in seine Arme und sie fest an seine Brust drückend, stieg er