Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1878)
- Date
- 1878-05-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Leiter dieser Bestrebungen, wie sind sie allenthalben ihren Gesellschaften und Gemeinden vorangegangen mit dem zündenden Beispiele wahrer jüdischer Selbstlosigkeit, wie haben sie immer und überall ihr eigenes Interesse hintangesetzt, welche schwere Entsagung, welche empfindlichen pecuniären Opfer haben sie sich immer und überall auferlegt, uud wie fanden und finden sie das Alles so einfach und selbstredend, daß es Niemanden einfällt, auch nur ein Wort darüber zu verlieren! Sollten wir die Separatistenrabbinen erst nennen, die bis afu diesen Tag kein Gehalt von ihren Gemeinden annehmen, auf ptpnp verzichten, oder diejenigen, die den bescheidenen Anfängen ihrer Gemeinden und Gesellschaften Rechnung tragend , sich Jahre lang mit einem Einkommen begnügten, das man kaum einem Gemeindediener sonst bietet, die ihre Zeit, ihr Geld, jeden Pulsschlag ihres edlen Herzens, kurz ihr ganzes Leben und Streben dem einen großen jüdischen Lebensideal m'iNTDi mm ^Tinb rückhaltlos geweiht haben? Freilich hat Gottes segnender Schutz so sicht' barlich diese selbstlose Opferfreudigkeit der getrennten Gemeinden und ihrer Führer gelohnt, daß sie eben ein Dorn im Auge unserer edlen Reformpatrone sind, aber sie sollten doch wenigstens so klug sein, ihren Aerger zu verbeißen, und vor der eigenen Thüre kehren, ehe sie den Rabbinen ■. er Separatgemeinden Geldcrsparniß als Motiv ihres Lebensprincips insinuiren. — Wahrlich, wenn man von der „Zeitung des Judenthums" und ihren Handlangern nichts weiter wüßte, als die Niedrigkeit, welche ohne den Schatten einer Begründung das ideale Streben für das Judenthum begeisterter Männer auf den Geldbeutel zurückführt, das allein genügte zu ihrer Charakterisirung. Wir wollen Angesichts der thatsächlichen Lage der Dinge nicht fragen, ob die Sympathien für den Gemeindefrieden, die viele Reformrabbiner in so überschwänglicher Weise zur Schau tragen, sich nicht viel leichter und naturgemäßer auf Sympatien für die durch eine Trennung gefährdeten und geschmälerten Stolgebühren zurückführen ließen, wir glauben vielmehr, daß diejenigen erst recht das Beste des JudenthumS und der Judenheit wollen, welche eben das Geld als deren Bestes halten. Wollte man übrigens diesem ewigen Friedenslamento unserer gefirmelten Friedensapostel ein wenig gründlich den Puls fühlen, so würde man ohne große Mühe finden, daß es doch nicht eitel friedliche Himmelsgüter sind und sein können, aus deren die Begeisterung der Begeisterten fließt. Sie müßten eben keine Reformrabbiner sein. welchen die Einfalt der alten Rabbinen, die oft nicht einmat mis jnüD kannten, ein längst überwundener Standpunkt ist; sie müßten keine Reformrabbiner sein, die dech so vortrefflich auf die Scheidung von Kern und Schaale geschult sind, wenn sie sich nicht verstünden von den Kriterien der alten Zaddikim wenigstens dasjenige mit hinüber in die neue erleuchtete Aera zu nehmen, was man eben bequem beibehalten kann. Wer wollte es ihnen verargen, wenn sie Angesichts des talmudischen Satzes (Chulin 91a.) OD'av -IN,' djiöö ON'bi? 2’3n D’pns, daß den Zaddikim ihr Geld werthvoller dünkt,^ als sie selbst, wenn sie der Geldersparniß nicht sich das Wort reden, sondern unparteiisch genug sind, sie sogar ihren separatistisch gesinnten Antipoden zuzuerkennen? Ja, man kann dreist behaupten, daß dies vielleicht der einzige Punkt ist, dem unsere modernen Reformheiligen noch eine größere Sorgfalt zuwenden. als die wahren Zaddikim. Denn bei einem richtig normalen Zaddik kommt wegen der Vielseitigkeit seiner mannigfachen Eigenschaften diese eine Seite selten zum richtigen Ausdruck, ein Reformrabbiner dagegen, dessen rnpiu sich ausschließlich auf die Cultivirung dieses einen Punktes wirft, läßt hier selbstverständlich Großes erwarten. Ein richtiger Zaddik ist ferner bescheiden, hält von sich und seiner Person gar Nichts, wenn daher ein solcher von seinem Gelde mehr als seiner Person hält, braucht er noch immer nicht viel von seinem Gelde zu halten, Ein Reformrabbiner comme il faut dagegen hält von sich Alles, gründet sich eine Zeitung und füllt den großen Theil ihrer Spalten mit dem Lob und der Anerkennung, welches ihm die böse, ungläubige Welt hartnäckig versagt, delectirt sich zu Hause am Schweinebraten und dankt, wenn er in Bonn zur Thora gerufen wird, mit so lautem edlev Pathos für die nvn mm, welche er mit Füßen tritt und der Verachtung Preis gibt, daß man es Häuser weit hören kann; wer von sich soviel hält, daß er sich das, und noch noch viel mehr als das, scrupellos erlauben zu dürfen glaubt, muß, wenn er es in dem Geldpunkt mit den wahren Zaddikim halten will, allerdings vom Gelde eine sehr hohe Meinung haben. — Er darf von Geldersparniß reden. — Doch genug über diesen Punkt, mehr als genug. Ich habe bei dieser Erbärmlichkeit etwas länger verweilt, weil ich an ihr in allererster Reihe, mit Hilfe des talmudischen >dis> ^Disn to meine Pappenheimer wieder zu erkennen glaubte. Der von mir vermuthete Verfasser dieser verunglückten Jerobeamiade steht nämlich selbst nicht im Verdacht, ein großer Verschwender zu sein. Es coursiren darüber hier und in der Umgegend die ergötzlichsten Histörchen, die so wahr sind, als sie unglaublich klingen. Da diese Thatsache auch Hrn.