Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1878)
- Date
- 1878-05-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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481 für Goldkörner hielt. Da aber in diesen Stein wegen seiner Weichheit nicht geschnitten werden kann, so kann er keiner von den Steinen des Brustschilds gewesen sein, in welche die Namen der Stämme Israels eingegraben waren. Auch hat der Lasurstein wenig Werth, weil er undurchsichtig. wenig glänzend, gar nicht strahlend, nicht einmal sehr dauernd ist, indem die eingesprengten Schwefelkiese verwittern. Es handelt sich daher hier um den echten Sapphir, der von vorzüglicher Härte ist, worin er nur dem Demant und Zirkon nachsteht. Die Alten schnitten viel in diesen Stein. Die Hauptfarbe desselben ist gewöhnlich Berlinerblau. Aus dieser finden manchmal Uebergänge statt in Lasurblau, Indigo, Violetblau, Kornblumenblau. Manche Sapphire geben einen sechsstrahligen Sternschein an zwei gegenüberstehenden Ecken, und werden deßhalb Sternsapphire genannt. Diese haben einen hohen Werth. In der Regel hat der Sapphir eine doppelte Strahlenbrechung." Aus allem Dem ergibt sich mit Evidenz, daß Techeleth eine Bezeichnung für „blau", und zwar für ein solches Blau, welches der Farbe des Himmels ähnlich ist*). Auch im Buche Esther werden die Farben: Weiß, Grün und Blau erwähnt. Die Zelte, die der König von Persien für seine Gäste auffchlagen ließ, wa^en nPam dd~d -.in, aus weißen, grünen und blauen Milesischen Wollenstoffen verfertigt. ^Esther C. l, V. 6; vergleiche auch daselbst C. 8 V. 15.) Welch eine Menge von Farben-Nüancen in Bibel und Talmud erwähnt werden, ergibt sich aus den Lehren über die Aussatz-artigen Krankheiten an Menschen, Kleidern und Häusern im 3. B. M. C. 12 und ferner, wie aus den dieselben besprechenden talmudischen Tractaten; da werden Nüancen von weiß, roth und gelb erwähnt, die nur von dem feinsten und geübtesten Auge unter- *) Wir finden allerdings eine vereinzelte Ansicht, daß Techeleth „grün" gewesen. Toßafoth Suckah f. 31 folgern dies daraus, daß der Talmud Jeruschalmi Berachoth c. 1 Halachah 2 ein Mittelglied niehr hat in der angeführten Boraitha, nämlich?r»7 „Techeleth gleicht den Pflanzen." Diese Ansicht ist aber schon deßhalb irrig, weil der Jeruschalmi an der angeführten Stelle selbst zwischen w-wi r>br> bloa und pflanzengrün, unterscheidet; ferner weil an vielen Orten vor einer Verwechslung des Techeleth mit frip „Indigo" gewarnt wird; es sind unter den o’jw an dieser Stelle des Talmud Jeruschalmi die tiefblauen Kornblumen zu verstehen; zwischen dem Jndigoblau des Techeleth und dem Hellern Blau des Meeres (des mittelländischen Meeres) liegt das Kornblumenblau. Die Verfasser der Tossaphot, von denen einige an der französischen Küste des Kanals lebten — das Wasser der Nordsee und des Kanals ist bekanntlich grün, während das mittelländische Meer von der palästinensischen Küste aus blau erscheint — sind vielleicht durch das Anschauen des Meeres, das ihnen zugänglicb war, zu jener irrthümlichen Ansicht gelangt. schieden werden können; ebenso findet sich im Talmud eine Fülle von Farben-Nüancen bei Besprechung der ehelichen Reinheitsgesetze, bei Beurtheilung der thierischen Lunge, wobei „blau" ^naa prv zu den nnccn niM-»D gehört. Ja, die hebräische Sprache hat für einzelne Farben-Nüancen beson-; dere Ausdrücke, welche den modernen Sprachen fehlen, so men« tief roth, pnpn’ goldgelb, mimrw j von Sonne und Wetter verdunkelter, geschwärzter! Teint, und andere. Wie fein die Weisen des Talmuds, die nur! beim Tageslichte zu unterscheidenden Farben blau I und grün auseinander zu halten wußten, geht aus der Bestimmung hervor, daß es in Bezug auf das Lesen des Schema erst dann Tag ist, wenn man blau und grün von einander zu unterscheiden vermag. Zum Schluffe wollen wir noch die irrige Ansicht widerlegen, daß sich in der biblischen und talmudischen Literatur nicht poetische Schilderungen des reinen, wolkenlosen Himmels finden, woraus man folgern will, daß den Alten der Himmel schwarz erschienen sei. Es findet sich allerdings eine derartige Schilderung in dem an herrlichen Natur-Schilderungen so reichem Buche Jjob. Dort wird im 37. Capitel beschrieben, wie der Himmel mit Wolken umzogen, so daß die Menschen das klare Licht nicht erblicken können; da erhebt sich der Nordwind und zerstreut die Wolken, der Himmel erscheint'in seiner Klarheit und Reinheit psso nnso anr und durch den Nordwind vom Wolkenschleier befreit, bricht golden das Sonnenlicht hervor. Hieraus folgert der Talmud Jeruschalmi Tractat Berachot c. 9 Halachah 1 die Pflicht, daß man, wenn nach dreitägiger Regenzeit der Himmel wieder in seiner Reinheit erscheint, Gott dafür preisen muß. ,rviNna ntcoy “pna iöim imnöa p'pn.i n&trwin -ine6 naPai o'uwn nio»a «o»m enn win an nvre (aMi? ai'«) 'ui um i*o mp nnjn V'nn D’D' Es ist ja natürlich, daß der Orientale, der den blauen, reinen Himmel fast immer über sich sieht, durch diesen weniger zu poetischen Schilderungen angeregt wird, als unsere Dichter, denen ein reiner, blauer Himmel eine seltenere Erscheinung ist. Aber zur Regenzeit, im südlichen Winter, nachdem drei Tage lang Wolken den Himmel bedeckt hatten, da begeisterte den Juden der Anblick des wieder heiter gewordenen, vom goldenen Sonnenlichte beleuchteten Firmaments zum Preise des Schöpfers.