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Der Israelit · 1878-05-08 · Heft 19 (8.5.1878) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 19 (8.5.1878)
Date
1878-05-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
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462 teu Tbeil unschuldigen Menschen einen blutgierigen Shylock zu machen. Oesterr. - Ungarische Monarchie. 25. April. Aus der unweit von hier gelegenen Gemeinde Galgocz wird unterm Gestrigem geschrieben: daß es bei der seit Jahren daselbst getrennten Gemeinde in Statusquv und Orthodoxen, nach langem kulturellen Streite um das Eigenthumsrecht des Fundus-Jnstructus, es dieser Tage zu einem definitiven Ausgleiche kam, Wonach sich beide Parteien aus Basis des aut. orth. Gemeinde - Organifationsstatut confiituirten und sich der Landeskanzlei der Durchführungscommission unterstellten. D. if t u i 1 l e t o n. Licht und Schalten. Erzählung von Friedrich Rott. XXXV. Emma war ernstlich besorgt, als sie das Kind in dieser Aufregung erblickte; doch der Lehrer beruhigte sie. „Unbesorgt, gnädige Frau, der Kleine hat sich heute beim Unterricht ein wenig angestrengt, das hat ihn ein wenig echauffirt. Aber Sie hätten Ihre Freude gehabt, wenn Sie gesehen hätten, wie brav er heute ausgemerkt hat. Von nun an wirst Du immer so gut lernen, nicht wahr mein braver Hugo?" „Gewiß, Hochwürden, ganz gewiß" betheuerte das Kind. „Aber Sie gehen doch Nachmittags mit mir in die Stadt?" „Freilich, liebes Kind, was ich versprochen habe, das halte ich. Ich will nur vorher den Brief beantworten, den ich heute erhalten habe." „Da können wir den Brief dann mit in die Stadt nehmen, nicht wahr Hochwürden?" „Das beabsichtige ich auch, mein Kind. Aber Wie Du Dich für meine Correspondenz interessirst." ,.Ach, lassen Sie mich dann Ihren Brief in den Briefkasten werfen, Hochwürden, ich bitte sehr, ich habe noch nie einen Brief in einen Briefkasten geworfen. Darf ich, Hochwürden, darf ich?" Der Priester, höchlich belustigt von dem Eifer, mit dem der Knabe nahezu flehte, sagte lachend zu, und bald darauf ging man zu Tische. Hugo war kaum im Stande, irgend etwas zu genießen, doch er zwang sich. Er sah die bei sorgten Blicke seiner Mutter und fürchtete, wenn er seine Appetitlosigkeit eingeftehen würde, daß sie in übertriebener Aengstlicheit seinen Ausflug in die Stadt untersagen werde. Endlich war das Mittagessen vorüber; der Priester zog sich zurück, seinen Brief zu schreiben, und Hugo trippelte unterdessen voll Ungeduld im Corridor auf und nieder. „Wie lange der dumme Hochwürden macht", murmelte er unwillig vor sich hin, doch eben hörte er, wie der Lehrer seinen Schreibtisch schloß, und nun hielt er sich nicht länger, er stieß die Thür auf und steckte sein Köpfchen in's Zimmer: „Sind Sie fertig, Hochwürden?" „Gleich, Du kleine Ungeduld", erwiederte der Priester lächelnd und sputete sich nun in der That, um den Knaben, mit dem er heute zum ersten Mal so sehr zufrieden war, sich zum guten Freunde zu erhalten. „Willst Du den Brief tragen, Hugo?" „O wie gern, wie gern!" nnd er jauchzte laut auf, als er das Schreiben aus der Hand des Lehrers empfing. „Aber werden Sie mir zeigen, Hochwürden, in welchen Kasten ich den Brief werfen muß?" „Gewiß, gewiß, mein liebes Kind", erwiederte der hochwürdige Herr und amüstrte sich mehr und mehr über die Wichtigkeit, die der Kleine seiner Correspondenz beilegte. Gesprächiger und heiterer als je schritt Hugo an der Hand seines Lehrers der Stadt zu. Er war noch nicht oft dort gewesen und hatte daher sein Verlangen, sich dort umzusehen, nichts Auffallendes. Aber der Priester freute sich aufrichtig über die Veränderung, die mit dem mürrischen, trotzigen Knaben so plötzlich vor sich gegangen. Er war einsichtsvoll genug, heute keine religiöse Gespräche auf's Tapet zu bringen, um die Heiterkeit seines Zöglings nicht zu trüben und hatte im Gegentheil die Absicht, ihm einige recht genußreiche Stunden zu verschaffen und mit ihm das Museum und alle übrigen Sehenswürdigkeiten der Stadt in Augenschein zu nehmen. Doch vor Allem mußte der Brief in den Kasten geworfen werden, Hugo drängte unaufhörlich dazu, denn es war ihm bereits gelungen, unbemerkt seinen Brief unter den des Lehrers zu bringen. Und nun hatten sie endlich einen Briefkasten erreicht; der Geistliche zeigte seinem Schüler die Spalte, in die er den Brief gleiten lassen sollte. Mit angehaltenem Athem, mit beiden Händen die beiden Briefe fest aufeinander drückend, schob Hugo sie vorsichtig in den dunkeln Spalt und stand dann noch einige Augenblicke mit zusammen-

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