Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1878)
- Date
- 1878-05-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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iS zum letzten Holzhauer und Wafferschöpfer gechloffen habe, dann gelang eS dem alten Jerobeam so wenig, wie eS den modernen gelingen wird, plausibel zu machen, David und Salomo wären in Wirklichkeit die Reformjuden par excellence gewesen *). Denn es ist ja nicht wahr, daß Gebete, Lieder, Instrumente, die Steine beim Tempelbau, daß der Glanz und die Pracht von David und Salomo eingeführte Neuerungen waren, welche auch nur die Möglichkeit zuließen, diese beiden Träger des Judenthums als Reformjuden zn verdächtigen. Jedes jüdische Schulkind weiß es doch, daß man schon vor David und Salomo gebetet, in einfacher Rede und in Liedern sich zu Gott gewendet, mit Pauken, Trompeten und Posaunen schon am Meeresstrand und in der Wüste der jüdischen Freude und dem jüdischen Ernste entsprechenden Ausdruck gegeben; die Gebete, die Lieder und Instrumente im salomonischen Tempel konnten seine Erbauer wahrlich nicht zum Reformjuden stempeln. Auch die Verwendung von Steinen wurde ja nicht erst beim Tempelbau, wurde ja schon bei Errichtung des Altars in der Stiftshütte erwähnt (II. B. M. 20, 25), sowie der Glanz und die Pracht des salomonischen Tempels thätsächlich nichts weiter war, als eine Verwirklichung des alten schon am MeereSstrande ausgesprochenen Gelöbnisses, Gott auf eine schöne, geschmackvolle Weise verehren zu wollen. — nuioa vjs? nwnn ,inuw »a« m. — Aber selbst nach dem Talmud sollen doch David und Salomo Neues angeordnet haben! Sollen! In edlem Eifer ist nur diebetreffende Stelle im Talmud anzugeben vergessen worden, und wir müssen zu unserer Beschämung gestehen, *) Es bedarf kaum eines Hinweises auf die bibl. Schriftenwelche uns über jene Zeiten Aufschluß geben, um fast auf jeder Seite Thatsachen verzeichnet zu finden, welche dafür zeugen, wie tief, trotz des vielfachen Schwankens von Gesetzestreue zum Götzendienste und vom Götzendienste wieder zur Gesetzestreue, wie tief trotzdem das Gottesgesetz im Volke Wurzel gefaßt haben muß. Unsere Ueberlieferung ist zudem voll von authentischen Nachrichten,! welche diese im Volke verbreitete Thorakenntniß bestätigen. Doch ' der bloße Text gibt darüber mehr als geeignete Aufklärung. Ergibt sich doch z. B. aus Samuel I. 20, 27, daß schon zu Schauls Zeiten zwei Tage anin IPfcO gefeiert, daß sogar die aus besonders treuer freiwilliger Hingebung an das Gesetz fließende Ver-; pflichtung rnnoa als etwas ganz Selbstverständliches vorausgesetzt wird (Samuel I. 21, 5). Wie tief muß die Thora im Volke Wurzel gefaßt haben, wenn uns selbst die Beobachtung nichtpentateuchischer Vorschriften so ganz beiläufig als etwas selbstverständliches berichtet wird! Man braucht nicht auf die hierher gehörigen Aussprüche unserer Tradition zu verweisen. Erscheinungen wie Eli und Channa, Samuel und David und viele andere, beweisen allein zur Genüge, daß das Volk, aus welchem sie hervorgegangen, nicht so aller Thorakenntniß baar gewesen se n können, wie man cs uns gerne glauben machen möchte. 460 daß wir sie nicht haben finden können. Wir wollen ferner gestehen, daß wir sie gar nicht gesucht haben, weil wir von vornherein von der Erfolglosigkeit eines solchen Suchens überzeugt sein zu können glaubten. Knüpft doch der Talmud selber an den Ausspruch: Dies sind die Gebote, welche Gott dem Mofcheh für die Kinder Israel geboten auf dem Berge Sinai (HI. B. M. 27, 34), die bedeutsame Lehre nnyo vnrh wv traan pno, daß von nun ab nicht einmal ein Prophet befugt sei, eine Neuerung einzuführen (Sabbat 104 a.); wie in aller Welt sollte derselbe Talmud die erträumten Neuerungen eines David und Salomo fanctioniren können, ohne sich selbst zu widersprechen? Da es jedoch füglich gleichgiltig ist, ob diese armselige Tendenzmacherei durch einen Schnitzer mehr oder weniger in talmudicis gerichtet wird, so können wir dieses Gebiet verlassen, um eine weitere, auch dem Talmudunkundigen zugängliche Drolligkeit etwas bei Licht zu betrachten. Es ist immerhin sehr zweifelhaft, fährt die uns vorliegende Don Quixotterie fort, ob dem Jerobeam seine Trennung gelungen wäre, wenn nicht andere Motive vorhanden waren. Sie waren aber vorhanden und ein vorzügliches — Geldersparttitz. Der Beweis, welcher nun darthun soll, auf welche Weise es Jerobeam angefangen habe, Geld zu sparen, interessirt uns hier nicht, was uns aber wohl interessirt, das ist der Umstand, daß selbst die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" Rechtlichkeitssinn genug hat, diesen Zug der Parallele unausgeführt zu lassen, und nicht zu sagen: Die Orthodoxen von heute machend gerade so, das vorzügliche Motiv ihrer Trennung, ist — nun, ist eben Geldersparniß. Doch dieses Motiv der Geldersparniß ist noch nach vielen anderen Seiten hin, besonders aber im Munde des Herrn —r in C. zu vielsagend, als daß wir ihm nicht einen besonderen Artikel widmen sollten. (Fortsetzung folgt.) ZeitttvgSttachrichtett uttH Corr-spondenzen. Deutschland. MaittZ, 3. Mai. Wir haben heute 2153 M. 36 Pf. für die Armen, Nothleidenden ic. im heil. Lande an das Centralcomit« in Amsterdam gesandt.! Die Summe der für obige Zwecke von uns in diesem Jahre gesammelten und übersandten Gelder beträgt nunmehr 12,735 M. 43 Pf.