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Der Israelit · 1878-05-01 · Heft 18 (1.5.1878) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 18 (1.5.1878)
Date
1878-05-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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öffentlich und offfciell auftrttt, wäre nur eine Kleinigkeit, es wäre vollständig gleichgiltig, daß ein jüdisches Gemeinwesen in seinen Lebensäußerungen das Gepräge der Gesetzeshöhnung an der Stirne trägt, Orgel und reformirter Gottesdienst wären nicht wichtige Gravimina genug, um eine Trennung zu entschuldigen oder gar zu rechtfertigen, so sind es ja, dies Alles einmal zugegeben, diese sämmtlichen Momente mit Nichten, welche den pflichtbewußten Juden in erster Reihe zur Lossagung von einem solchen Verbände nöthigen. Orgel und Verdrängung des alten jüdischen Gottesdienstes sind zwar thatsächlich dasSchibboleth geworden, das in so vielen Gemeinden die Trennung faktisch veranlaßte, aber in Wirklichkeit war sie ja innerlich längst vorher vollzogen. Die Gleichgiltigkeit, die Geringschätzung und Verachtung des Gottesgesetzes, dessen unverbrüchliche Anerkennung uns Juden erst zu Juden macht, diese Jgnorirung und Verhöhnung unseres heiligsten Heiligthums, welche der Reformjude überall, in Schule und Haus, in Schrift und Wort, auf jedem Schritt seines unjüdischen Lebens zur Schau trägt, sie, und nur sie, haben ja die tiefe Kluft gegraben, die in der heutigen Judenheit klafft. Zu einem vollständigen Bruch konnte diese Leugnung allerdings erst führen, als sie sich nicht mehr auf den Kreis des einzelnen Individuums beschränkte, als sich ihre Matadoren das Heft der Gemeindeverwaltungen in die Hand gespielt, und nun nichts Eiligeres zu thun hatten, als ihre Velleitäten an die Stelle des überlieferten Judenthums zu setzen. In den Orgeln und in dem reformirten Gottesdienst hatte sich und hat sich bis jetzt der Anfangs schüchterne theoretische Abfall practisch in greifbarer Form verkörpert, was Wunder, daß dieser faktische Abfall die äußere Veranlassung zur vollständigen faktischen Trennung wurde! Aeußerlich mögen es ja die politischen Erwägungen gewesen sein, die auch in Jerobeams Tagen den Bruch vollendeten. Die Gottesbotschaft, welche die Trennung verkündete und Jerobeam das Königsthum zuwies, hatte außer Achijah und Jerobeam keine Zeugen. Sie vollzog sich in aller Stille, wahrend der Protest des Volkes gegen die Forderungen Rechabeams sich laut und öffentlich vollzog. Und doch waren diese äußeren Vorgänge nichts mehr als eine 'n dj/ö mD, als eine göttliche Fügung, um den Abfall von den jüdischen Traditionen, die Ueberhebung über das göttliche Gesetz, zu ahnden. 111 ntn nny. Sieh nun zu, wie du mit deinem Hause allein fertig wirst, sprach das Volk, das sich nicht mehr von Königslaune wollte zügeln 437 lassen, i'insrb -jbi, und Israel ging in seine Zelte. Tout comme chez nous! Seht zu, sprechen die gesetzeStreuen Minoritäten heute, wie ihr mit eueren Prunktempeln allein fertig werdet, wir wollen keinen Theil daran, und begnügen uns lieber mit bescheidenen Zelten. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz. Als Beweis dafür, wie maßgebende Stimmen des Auslands über das Breslauer Rabbinerseminar urtheilen, theilten wir jüngst einige diesbezügliche Bemerkungen des „Univers Jsraelite" mit. Herr Direktor Dr. Lazarus hat nun an das genannte Blatt eine Antwort gerichtet, in Folge welcher constatirt wird, daß nicht Herr Prof. Grätz, wie eine ungenaue typographische Darstellung annehmen ließ, sondern der Herr Direktor selber im vergangenen Jahre den Jore Deah vortrug. Auch waren die Poskim durch Eben Hasser Hilchoth Gittin vertreten. In den Rechenschaftsberichten der letzten drei Jahre sollen angeblich auch Orach Chajim, Jore Deah und Eben Hasser figuriren, aber fragt der UniverS: warum ist in dem letzten Berichte nicht davon die Rede? — Das Studium des Talmuds und der Poskim, meint der Herr Direktor, seien ständige Lehrdisciplinen, und brauchten nicht in den alljährlichen Programmen wiederholt erwähnt zu werden. Wir sind nicht der Ansicht — schreibt der Univers. Das Reformjudenthum in Deutschland, fährt er fort, hat eine besondere Feindschaft gegen Rabbi Joseph Karo und den Jore Deah. Dieser Codex mußte unabweisbar ausdrücklich neben dem Eben Hasser aufgeführt sein. Das Programm wiederholt ja auch alljährlich eine detaillirte Angabe der griechischen, lateinischen und selbst deutschen Studien, die am Seminar betrieben werden, obwohl dies ja auch „Ständige Lehrdisciplinen" sind. Da Herr Dr. Lazarus auch Veranlassung nimmt, auf den Widerspruch zurückzukommen, den Herr Redakteur Bloch schon vor mehr als Jahresfrist in einer Arbeit des Direktors gefunden hat, so nimmt Herr Bloch selbstredend auch den erhobenen Vorwurf des Stolzes zurück, und findet eine Ehre darin, einem ^2112 22113 Gerechtigkeit und Genugthuung widerfahren zu lassen. Ob die Vindicirung des jmid 22112 - Charakters neben einer Rüge wegen stiefmütterlicher Behänd-

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