Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1878-05-01 · Heft 18 (1.5.1878) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 18 (1.5.1878)
Date
1878-05-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447747-2447765--14871-2470797
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XIX. Jahrgang. Erste Anlage zu Ar. 18 des Israelit. Leitender Artikel. Jeroöeams Separatismus und Keform- Zudenthum. n. Zwilchen Jerobeam und den heutigen Separatisten-Rabbinern soll sich nach Herrn —r in C. eine merkwürdige Parallele bieten. (?) Meinetwegen. Damit kann man sich einverstanden erklären, um wenigstens etwas von diesem wunderlichen Kartenhaufe stehen zu lassen. Das Charakteristische der Parallelen, der mathematischen und anderen, besteht ja eben darin, daß sie keine gemeinsamen Berührungspunkte haben. Sollen die Separatisten - Rabbiner aber doch mit Jerobeam etwas gemeinsam haben, so darf es die „Allgem. Ztg. des Judenthums" nicht übel nehmen, wenn sie sich die Momente heraussuchen, deren Gemeinsamkeit eben nichts Compromittirendes enthält. So lehrt z. B. die jüdische Ueberlieferung (Sanhedrin 102), daß Jerobeams Thorawissenschaft kein Makel angehaftet hätte, 'vn nw nn rvn «t» dj/3-i’ vr» in “»in, ein Borwurf, welchen man denjenigen Herren Reform-Rabbinern jedenfalls nicht machen kann, welche, wie wir nachgewiesen haben, selbst in der biblischen Geschichte so schlecht beschlagen sind, Daß sie Jerobeam für den ersten Separatisten in Israel halten. Wenn unsere sonst so zahmen Reformcapläne etwas von Trennung wittern, da werden sie so fuchswild, daß sie für die einfachsten Thatsachen und unzweideutigste Darstellung in unseren heiligen Urkunden jedes Verständniß verlieren und z. B. schreiben r „Was veranlaßte Jerobeam» eine vollständige Trennung herbeizuführen? Cr war König über zehn Stämme! Das Land war politisch getheilt, nicht aus religiösen Motiven, sondern, wie bekannt, in Folge der trotzigen Antwort des Rehabeam. Warum ließ es Jerobeam nicht dabei? Der Grund ist nicht verschwiegen: weil er seine Bestallung als eine provisorische betrachtete, während Davids Nachfolger definitiv zum König bestellt war. Diesem war der Thron von Gott zugesichert, ein rechtmäßiger Besitz, ihm war er nur durch Vertrag vom Volke, vielleicht nur von einigen Aufrührern übertragen. Aus dem Provisorium ein Desinitivum zu machen, gab es allerdings nur ein Mittel — tont comme chez nous — TrettNlNtg» So geschickt Wahrheit und Dichtung hier auch durcheinandergewürfelt sind, um ein tout comme chez nous glücklich zu Stande zu bringen, so genügt doch ein unbefangener Blick in die Quellen, um diese Harlequinade als solche erscheinen zu lassen. Aus den Quellen ergibt sich, daß, so beklagenswerth die Motiöe auch sein mochten, welche eine Trennung des Reiches zur Folge hatten, die Trennung selbst, trotzdem oder richtiger gerade deßhalb — horribile dictu — gar nicht als das eigentlich hier vorliegende Unglück angesehen wird. Also, tont comme chez nous. DaS Unglückselige lag in dem, was hier schlauer Weise eine „vollständige Trennung" genannt wird, und was man, wenn man es beim reckten Namen nennen will, am zutreffendsten als die Jerobeamitische Rückschritt sform bezeichnen kann. AuS den Quellen ergibt sich ferner, daß ausschließlich religiöse Momente der Anlaß zur Trennung waren, und daß die politischen Bedenken nur ein durch die göttliche Vorsehung geschaffener Borwand waren. Aus den Quellen ergibt sich endlich, daß Jerobeam wie David durch einen göttlichen Propheten das Herrscheramt übertragen worden war, und daß nicht vielleicht einige Aufrührer, sondern ausgesprochener Maßen „ganz Israel" diese göttliche Bestimmung durch die Königshuldigung JerobeamS sanctionirte. „Zur Zeit, alS Schelomoh alt wurde," so lautet wörtlich die Urkunde*), „neigten seine Frauen sein Herz anderen Göttern zu, und sein Herz war nicht ganz mit Gott seinem Gott, wie das Herz Davids, seines Vaters. Schelomoh ging den Aschtoreth, der sidonischen Gottheit, «ach und dem Milkom, dem Scheusal der Ammoniten, Schelomoh that, was in Gottes Augen böse war, und wandelte nicht Gott nach wie sein Vater David. Dann ließ Schelomoh eine Anhöhe dem Kemosch, dem Scheusal Moabs, bauen auf dem Berge vor Jeruschalajim, und dem Molech, dem Scheusal der Söhne Moabs. Deßgleichen machte er allen seinen heidnischen Frauen; diese räucherten und opferten ihren Götzen. Da erzürnte Gott über Schelomoh, * ') Könige I. 11.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.