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Der Israelit · 1878-05-01 · Heft 18 (1.5.1878) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 18 (1.5.1878)
Date
1878-05-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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428 Ein rohes Wort, eine unanständige Geberde reicht hin, sie zu verwunden. Die Schamhaftigkeit beschützt das reine Herz gegen des Lasters Anfälle mit oft unbesiegbarer, himmlischer Gewalt. Der Abscheu, welcher gegen das Unanständige aus den Augen blitzt, der Abscheu, mit dem sic sich zu Boden senken, um sich nicht durch den Anblick des Unwürdigen zu entweihen; die hohe Röthe, welche von den Wangen wie ein heiliges Feuer strahlt, in dem sich gleichsam alles Unheilige verzehren muß, verkündigt das Dasein dieses Schutzengels der Unschuld. Schamhaftigkeit ist die Tochter des Gewissens; sie färbt die 'Wangen der unschuldigen Jugend früher, als die Jugend einen vollendeten Unterricht empfangen kann über das, was recht und unrecht ist. Wohl dem, der diese schöne Kindlichkeit des Gemülhs bis in sein spatestes Alter hinüber nimmt. Der Zauber der Unschuld und der Seelenreinheit verleiht nicht nur dem Kinde, der Jungfrau, dem Jünglinge unwiderstehliche Anmuth, sondern auch dem Manne, der Hausfrau, dem Greise und dem hochbetagten Weibe. Die Schönheit empfängt von diesem Zartgefühl ihren höchsten Reiz; den Mangel der Schönheit macht cs vergessen. Das Weib, zarter und reizbarer gebildet als der Mann, der bestimmt ist, schwerer die äußeren Slürme des Lebens zu tragen, hat auch ein feineres Gefühl für das Anständige, Sittige, Schöne und Edle. Vom Schöpfer dazu auserkoren, des Mannes rauhen Sinn und Härte mit Sanfkmuth zu lindern, ihn durch das Schöne und das Gute zu binden, hat die Gattin, hat die Jungfrau das Gefühl der Schamhaftigkeit in höherem Grade eigen. Ein Weib, welches den zarten Sinn für das Anständige verloren und nicht mehr vor einer unlautern Handlung, vor einem unreinen Gedanken erröihen kann, fällt der verdienten Verachtung anheim. Schamhaftigkeit ist das erhabene Selbstgefühl menschlicher Würde. Sie folgt nicht der Eitelkeit und ausschweifenden Modesucht, welche durch Ueppigkeit des Aeußern den reinen Sinn des Unschuldigen vergiftet und Perderben zeugt, an welchem es keinen Antheil zu haben wähnt. Sie folgt nicht der Freude, die in zügellosen Taumel ausartet; sie ist behutsam in der Wahl der Vergnügungen; denn die Reue — mit bittern Thränen und hohlen Wangen — folgt dem Rausche unbändiger Vergnügungen nach. Die Schamhaftigkeit vermeidet den Umgang mit unsittlichen Menschen. Das Beispiel der Frechheit macht allmählich gegen alles Unschickliche gleichgiltiger und die Gewohnheit macht das Zartgefühl stumpfer. Wo aber die heiligste Brustwehr der Unschuld einmal gerochen ist, da ist tie Seele der stärksten Waffe gegen die Verlockungen des Lasters beraubt. Die Schamhaftigkeit vermeidet sittenlose Unterhaltung und Lectüre; kein Gift ist gefährlicher als das im Verborgenen schleichende der Bücher schamlosen Inhalts. Die echte Schamhaftigkeit beruht nicht auf der Züchtigkeit des Betragens allein, sie beruht vielmehr auf der Keuschheit der Gesinnung. Daher soll der Mensch seine Einbildungskraft hüten und sie nicht mit unreinen Vorstellungen besudeln, nicht tändeln mit unreinen Begierden. Wir sollen schamhaft sein vor uns selbst; wir sollen uns keinen Gedanken erlauben, den wir nicht vor Personen aussprechen würden, die uns ehrwürdig sind. Das zügellose Spiel der Einbildungskraft ist es häufig, welches die Jugend zur Sünde hinwegreißt; gegen diese Art von Verführung ist nützliche, angestrengte Thätigkeit das beste Schutzmittel; laß Deinen Körper nicht träge ruhen, laß Deinen Geist nicht müssig py nrozrD crrj» ny\r, die abwechselnde Thätigkeit beider läßt Dichten Reiz der Sünde vergessen. py pp d'js nenn d»js ty Der Freche verfällt der Hölle; der Schamhafte aber wird einst eingehen in die Wohnung der Seligen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. München, 16. April. Die am Sonntag vollzogene Wahl eines Verwaltungsausschusses der isracl. CulmSgrmeinde hat unter sehr lebhafter Theilnahme stattgefunden, denn es haben 512 Wähler, nahezu 3 4 der Wahlberechtigten, an derselben Theil genommen. Von drei ausgegebenen Wahlvorschlägen ist jener der conservativenParte i durch gedrungen. Fürth, 22. April. Heute, am Jahrestage des verlebten Hamburger Obergerichtsrath Dr. Gabr. Riesser, einstigen zweiten Vicepräsidenten der deutschen Nationalversammlung, hielt die Collatur der zum Andenken an Riesser von den Fürther Freunden und Verehrern Ri esse r's gegründeten „Gabriel Rieffer'schen Stipcndienstiftung" ihre

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