Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 16-17 (17.4.1878)
- Date
- 1878-04-17
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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418 muthigt und unterstützt und ihm in herzlichster Weise ihre ausgezeichnete Mitwirkung gewährt. Das Central-Comite wird sich stets so vieler eifriger Mitarbeiter, die an dieser schönen Manifestation der israel. Barmherzigkeit theilgenommen haben, gern erinnern und drückt ihnen allen seinen tiefsten Dank aus. Dasselbe hatte sich bei Eröffnung der Sammlung vorgenommen, eine Namensliste sämmtlicher Geber zu veröffentlichen; allein diese Sammlung hat so große Dimensionen angenommen, daß eine solche Lifte zu viel Arbeit und einen Kostenaufwand von mehreren 1000 Fr. machen würde. Das Central-Comitö hofft daher, daß die geehrten Spender es entschuldigen werden, wenn es sich auf eine allgemeine Liste beschränkt, die ihnen übrigens ein hinreichendes Mittel der Controls darbieten dürfte. Etwaige Jrrthümer derselben ist es auf Verlangen im nächsten Semesterberichte zu berichtigen gern bereit. — Trotz der Hoffnungen, die man im letzten Jahre gehegt hatte, ist die Lage der Israeliten in Serbien dieselbe geblieben. Das officielle Journal der Regierung geht so weit, die judenfeindlichen Artikel, die es irgendwo in ausländischen Zeitungen stndet, wiederzugeben, wie es solches mit einer v. H. Sandwith im Januar 1877 gehaltenen und in der Times inserirten Rede gethan hat. Trotzdem scheint die Emancipation der serbischen Israeliten dennoch einige Fortschritte in der öffentlichen Meinung zu machen. Die Serben haben im Allgemeinen, wie dies schon oft gesagt worden, keine Beschwerden gegen die Juden; wenn sie trotzdem Ausnahmsgesetze gegen sie verlangen, so geschieht es vor Allem nur aus Mißgunst; sie fürchten dieselbe nicht nur im Handel, sondern auch in allen freien Carrieren, deren Zugang sie ihnen sorgfältig verschließen. In allen Regierungsschulen, wo es einen jüdischen Zögling gibt, ist er stets unter den Ersten, aber zugleich der Gegenstand tiefster Verachtung Seitens der Lehrer und des Neides Seitens der Schüler. Ein junger Israelit, Sohn des Gemeindevorstehers von Belgrad, der als einer der Besten aus der Rechtsschule abgegangen war, wandte sich an die Regierung, um eine Anstellung zu erlangen; erst nach 9 Monaten und nach vielen Bemühungen sah er seine Bitte angenommen, während seine Mitschüler sofort angestellt wurden; derselbe junge Mann wandte sich an mehrere Advocaten, bei denen er die vorschriftsmäßige zweijährige Ausbildung genießen wollte, er wurde überall abgewiesen. Ein anderer Israelit, der allen Aufnahmebedingungen der Militärschule entsprach, wurde gleichfalls als Jude zurückgewiesen, eine Willkürlichkeit, die durch kein Wort des Gesetzes begründet ist. Uebrigens ist nachgewiesen, daß die Juden in den 5 Städten Serbiens, in denen sie überhaupt wohnen, keinen Ausschank und keinen Wucher treiben. Die Serben können keine Beschwerde ernstlich gegen sie erheben und werden schließlich, wie zu hoffen ist, ihnen nachgeben. Rumänien fährt fort, der Schauplatz der grausamsten Judenverfolgung zu sein; nur der Krieg konnte diese unerhörten Gewaltthaten unterbrechen. Noch im Monat Juni pr. hat sich in Darubany ein blutiges, wohlvorbereites, von einer Frau aus der höchsten Noblesse des Landes geleitetes Schauspiel zugetragen, das in ganz Europa die peinlichste Aufregung hervorgerufen hat. Der Krieg hat den Israeliten, wie bereits gesagt, einigen Aufschub gegeben; dieselben haben wieder einmal alle die Schmähungen, mit denen man sie überhäuft, zu Nichte gemacht. Es herrscht in der Armee über ihre Tapferkeit nur eine Stimme; die rumänischen Zeitungen sind voll von Mittheilungen über die Spenden derselben für die Verwundeten. Man darf wohl hoffen, daß die vielen patriotischen Beweise Seitens der rumänischen Israeliten ihre Früchte tragen werden. Eine Gelegenheit bietet sich jetzt der rumänischen Negierung dar, um ihre Rückkehr zu einer gerechten Gesinnung gegen unsere Glaubensgenossen zu bezeugen. Die Zeitungen haben gemeldet, daß dieselbe im Begriffe stehe, einen Handelsvertrag mit Deutschland zu schließen. Möchte sie doch aus diesem Vertrage alle die Bestimmungen betreffs der Juden entfernen, welche sie in ihrem Vertrag mit Oesterreich und Rußland angenommen hat und welche Frankreich und England bis jetzt zu unterzeichnen verweigert haben; möge sie nicht warten, bis die deutsche Negierung ihr, wie man hoffen kann, gleichfalls ein Refus entgegensetzen wird. Dies könnte der Anfang einer weiseren Politik sein und einer solchen, die Rumänien sicher viel Sympathie verschaffen wird. Das Central-Comito hat wieder Berichte erhalten über die Gewaltthaten und Ermordungen, die an den Israeliten von Marocco und Tunis aus Mangel an wohlwollenden Befehlen der Central-Regierung so oft verübt werden. In Tunis ist in dieser Beziehung, Dank der Intervention des H. Baron v. Caftelnuovo, Präsidenten des neuen Comitas der Alliance daselbst, eine wichtige Maßregel ergriffen worden. Auf die Nachricht, daß ein Israelit, Namens Benzerti, unter einem nichtigen Vorwände von den Leuten des Ferik verhaftet und zur Bastonnade verurtheill worden sei, begab sich H. v. Castele-