Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 16-17 (17.4.1878)
- Date
- 1878-04-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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402 Ruftschuk, die zu Anfang des Krieges nach Rasgrat geflohen waren, hatten daselbst bis vor Kurzem in Frieden gelebt, wurden jetzt aber, nachdem die Türken die Stadt geräumt, von den Bulgaren ausgeplündert; Letztere haben ihre Häuser verwüstet und die Thora-Rollen zerrissen, beschmutzt und durch die Straßen geschleppt. Friedliche Juden sind in ihren eigenen Wohnungen insultirt und mißhandelt worden. Eine in Bukarest zur Unterstützung dieser Unglücklichen, deren Anzahl 180 beträgt, veranstaltete Sammlung hat der spaniolischen Gemeinde daselbst gestattet, denselben 2000 Fr. zu schicken; allein die Summe reicht lange nicht hin, und es ist für dieselben die Hilfe der Alliance in Anspruch genommen worden. — Man liest in der „lur^uiv" vom 17./18ten März c.: Wir haben gestern einer sehr rührenden Scene beigewohnt; vier Waisenmädchen sind in der Synagoge von Galata auf Kosten des großen generösen Philantropen, H. Baron v. Hirsch, und durch die Fürsorge seines eifrigen und gewissenhaften Bevollmächtigten H. Ritter Beneziani, verheirathet worden. Diese armen Mädchen, welche dem Gemetzel der Bulgaren von Zagara entronnen, aber der Brutalität derselben zum Opfer gefallen waren, waren aus diesem Grunde von ihren Verlobten refusirt worden. Es gelang den Bemühungen des H. Veneziani, Letztere von ihrem Entschlüsse zurückzubringen. Anläßlich ihrer Hochzeit hatte man die Synagoge von Galata mit vielem Geschmack geschmückt; die Kinder sämmtlicher Schulen der Hauptstadt bildeten den Chor des ganzen Rabbinats, das vom Oberrabbiner selbst geleitet wurde. Letzterer hielt eine kurze, sehr feierliche und tröstliche Ansprache. Unter den fremden Damen, die anwesend waren, bemerkten wir Frau Layard und Frau v. Ehrenhoff vom diplomatischen Corps, die Damen Whitaker, Calvert, Fernandez und die Elite der israelitischen Gesellschaft von Pera. Es war ein glänzendes Fest unter Betheiligung einer ungeheuren Menschenmenge. Die israelitische Musik stimmte mehrere Pismonim (religiöse Hymnen) an. Vergessen wir nicht zu erwähnen, daß die Neuvermählten von H. Baron v. Hirsch reich ausgestattet worden sind. Paris. Die Ernennung des Oberrabbiners Isidore zum Ofstzier der Ehrenlegion wird vom „Evenement" folgendermaßen besprochen. „Ich beglückwünsche die Regierung zu diesem Akt der Billigkeit, der zugleich von Festigkeit zeugt. Es gibt in Frankreich immer noch fanatische und beschränkte Geister, welche die Juden in eine Art von Ghetto zurückführen möchten, es fehlte nicht viel, und man würde sie als Parias behandeln. Gegen diese Ungerechtigkeit protestiren die Arbeitssamkeit, die Freisinnigkeit, welche die Israeliten in Frankreich auszeichnen. Ihre Zahl ist nicht groß, und wenn man dennoch so sehr mit ihnen rechnet, so geschieht das. weil sie seit langer Zeit gelernt haben, nur auf sich selbst zu rechnen. Die Revolution hat die Juden rehabilitirt, indem sie das Volk emancipirle; sie sind der lebendige Beweis, von der bürgerlichen Gleichheit und der Gewissensfreiheit. Die Beförderung des Herrn Isidore gehört in diesen Jdeenkreis. Der Oberrabbiner war würdig als Priester und als Mensch. Er ist eine hohe Intelligenz, ein strebsamer Arbeiter, ein Herz von Gold (ohne häßliches Wortspiel). Viele arme Christen werden die Wohlthätigkeit des hohen israelitischen Würdenträgers bezeugen. England. Lorrdon. Dr. Hirschfeld, in der wissenschaftlichen Welt durch seine Ausgrabungen in Olympia (Griechenland) vortheilhaft bekannt, erhielt einen Ruf als Beamter am Brilish-Museum. vr. Newton, Direktor der Ablheilung der Alterthümer an diesem berühmten Etablissement, welcher Herrn vr. Hirschfeld in Olympia persönlich kennen gelernt hat, hat diese ehrenhafte Berufung veranlaßt. (Arch. isr.) Feuilleton. Licht und Schatten. Erzählung von Friedrich Rott. XXXII. Es wahrte auch nicht lange, so kam der Lampenanzünder am Arm des Kutschers aus der Schenke. Sein Gang schien schon nicht mehr ganz sicher, aber sein Kopf war noch so ziemlich klar. Der Droschkenführer hatte ihm schon mitgetheilt, um was es sich handelte, und daß er durch prompte Auskunft etwas verdienen könne, als er sich augenblicklich erinnerte, daß er in der bezeichneten Straße allerdings ein Kameel gesehen mit einem trommelnden Affen. Und daß viele Kinder um die Thiere gestanden, das wußte er auch.