Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 16-17 (17.4.1878)
- Date
- 1878-04-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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m ' ' ' \ XIX. Jahrgang. Erste Leilage;» tlr. 16 & 17 des Israelit. &€itcnbtt 21 t tif e L Zeroöeams Separatismus und Aeform- Iudenthum. r. C. 1. April. Als die „Allgemeine Zeitung des Juden thums^ noch existirte, als ihr Redacteur sich noch nicht als Exrabbiner in seinen Schmollwinkel zurückgezogen hatte, sondern sich noch als Generalpächter alles jüdischen Interesses geriren durfte, damals kam es allerdings hin und wieder vor, daß die jüdische Lesewelt dem „unparteiischen Organ für alles jüdische Interesse" einiges Interesse abgewinnen konnte. Seitdem aber die Judenthumszeitung nur noch vegetirt, seitdem das einst so volltönende Organ so kleinlaut und wirklich so unparteiisch geworden, daß sich in der That keine Partei mehr um dasselbe kümmert, seitdem bedarf es einer gewissen Rechtfertigung oder doch Erklärung, wenn man wieder einmal von ihr Notiz nimmt. Es muß also zunächst constatirt werden, daß die „Zeitung des Judenthums" noch lebt, sofern man einen solchen mit altersschwachen Kräften geführten Kampf um's Dasein noch Leben nennen darf. Wir wollen ferner gerecht sein und anerkennen, daß sie sich, wenn auch erfolglos, alle Mühe gibt, sich über Bord zu halten, um wenigstens äußerlich den Schein zu wahren, als gehörte sie nicht unter diejenigen (rnnv crnp orp’m welche, auch wenn sie noch Athem schöpfen, schon dem Tode verfallen sind. Dagegen kann es dem aufmerksamen Beobachter nicht entgehen, wie schon seit längerer Zeit sich mit jeder neuen Nummer die Anzeichen einer bevorstehenden Auflösung bedenklich mehren. Wir erblicken diese Symptome nicht in der angeborenen von Woche zu Woche intensiver auftretenden Langweiligkeit. Das ist eine Jugendsünde, die zum ganzen Systeme gehört, und daher schon aus Princip beibehalten und weiter ausgebreitet werden muß. Auch daß das wesentliche Charakteristicon der Judenthumzeitung, die Selbstberäucherung des Herrn Redacteurs, in der jüngsten Zeit so sehr abgenommen hat, daß sie sich nur auf den Jnseratentheil beschränkt, wäre an und für sich nichtBesorgniß erregend. Denn dieselbe war noch vor wenigen Monaten, gelegentlich des Schriftsteller- Jubiläums ihres Redacteurs, so voller Jugenbfrische Wochen lang unausgesetzt in ihrer Eigenschaft als Weihrauchwedel thätig, daß auch ein lebensfähiges Organ nach solchen Kraftproben sich eine Erbolung gönnen dürste. Zudem mußte Herr Dr. Philippson in den letzten Jahren bei so vielen Anlässen mit langer Nase abziehen, daß man wohl nicht fehl geht, wenn man das spärlicher gespendete Eigenlob auf diese Ausdehnung und Ausbildung des Geruchs- Organs zurückführt. Bedenklicher erscheint dagegen ein Umstand, der die Misere, in welcher sich das unparteiische Organ des Judenthums befindet, in seiner ganzen Trostlosigkeit vermuthen und sich in die wenigen Worte zusammenfassen läßt: Sie wird in ihre« alten Tagen witzig, die,,Zeitung des Judenthums", sage witzig! Wenn man an den Nimbus, die Würde, den Heiligenschein, kurz an den hohen Kothurn denkt, von welchem sie bis jetzt zu den gewöhnlichen jüdischen Sterblichen geredet hat, so hat schon der Gedanke einer humoristischen Anwandlung, es nämlich einmal mit dem profanen Humor versuchen zu wollen, um sich wieder wie einst standesgemäß zu rehabilitiren, etwas ungemein Komisches , Originelles. Wenn sie es auch bei ihrem schüchternen Anfangsversuch nicht weit über den guten Willen hinausgebracht hat, so verdient ein solches Streben doch Anerkennung, schon wegen des Verdienstes, den sie sich in psychologischer Hinsicht durch Feststellung der These erworben hat, daß Alter nicht vor Witz-Anfällen schützt. Doch sehen wir von allen diesen Momenten hier ab, und wenden wir uns dem Anfall von Witz selbst zu. Also, die „Zeitung des Judenthums" hat sich einen kleinen feuilletonistischen Purimscherz erlaubt in Form eines „Der Seperatismus des Jerobe am" überschriebenen Artikels von —r in C. Wer ist —r in C.? Ich weiß es nicht. Aber ich habe alle Ursache, nicht nur aus diesen Chiffren, sondern auch aus einigen anderen weiter anzuge-