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Der Israelit · 1878-04-17 · Heft 16-17 (17.4.1878) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 16-17 (17.4.1878)
Date
1878-04-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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498 Da nahte sich eines Tages Hassan, der Eunuch. „Großmächtigster Herr," sprach er, „es jammert mich Euer tiefer Schmerz; ich glaube vermuthen zu dürfen, daß die Rose von Salonichi noch lebt und daß statt ihrer die Dienerin Hanna ist ermordet worden." Der. Sultan sprang auf. „Noch lebt?" rief er; „sprich, erzähle schnell, was weist Du von ihr?" Und Hassan erzählte, wie er dem jüdischen Arzte Salomon mit noch zwei Männern und einem Frauenzimmer zur Flucht verholfen, wie er dem Diener des Arztes ein Schreiben überbracht und dieser mit einer Kutsche gekommen, um die Flüchtigen in jden Hafen zu führen, von wo aus sie sicherlich entkommen seien. „Du Guter," sprach der Sultan, nachdem der Eunuch seine Erzählung beendet hatte, „Du hast die Geliebte meines Herzens beschützt, als Alle sie verlassen hatten. Wenn Du die Wahrheit gesprochen, so will ich Dich hoch erheben." Der Sultan ließ den Chacham Baschi rufen. „Weißt Du," fragte er ihn, „ob der Arzt Salomon dem Gemetzel im Serail entronnen ist?" „„Er ist entronnen, großmächtigster Herr,"" entgegnete der Chacham Baschi, „„durch einen Brief, den er mir später geschrieben, hat er seinen Diener Abiöser zum Erben seines Hauses nebst allem Zubehör eingesetzt."" Der Sultan befahl, daß ihm der Diener Abiöser vorgeführt werde. Dieser aber hatte die Habe seines Herrn verkauft und Constantinopel verlassen. Niemand wußte, wohin er gegangen war. Als der siegreiche Sinan nach Constantinopel zurückkehren und dort seine Triumphe feiern wollte, wurde ihm das Reichssigel abgenommen und dem Eunuchen Hassan übergeben. „Hassan," redete der Sultan seinen neuen Großwestr an, „schließe Frieden mit allen Feinden des Landes und laß es Deine einzige Aufgabe sein, die Rose von Salonichi aufzufinden und mir wieder zuzuführen." Hassan ließ es an Anstrengungen nicht fehlen; er selbst forschte im Hafen nach und erfuhr, daß an jenem Tage nur ein einziges Schiff den Hafen verlassen und daß dieses nachMalta bestimmt gewesen. Der Großwesir sandte eine Flotte ab, um mit Güte oder Gewalt die Flüchtlinge nach Stambul zurückzuführen. Als die Valide von allem dem erfuhr, eilte sie zu ihrem Sohne, um ihm die eindringlichsten Vorstellungen zu machen. „„Hat Dich,"" rief sie, „„diese Jüdin schon einmal an den Rand des Verderbens gebracht und Du willst sie wieder herbeiführen lassen, damit Du Thron und Leben verlierest?"" „Mutter." sagte der Sultan, „willst Du durchaus mich nicht vergessen lassen, daß Du es gewagt hast, mich einzusperren, mich zu hindern, der Bedrängten zu Hilfe zu eilen? Ich fürchte, ich fürchte, Du selbst warst mit im Complott, denn sonst hätte Ibrahim, Dein Schwiegersohn, eS nicht gewagt als Kaimakam so gröblich feine Pflichten zu vernachlässigen." Der Sultan wandte sich ab und verließ das Gemach. Noch an demselben Tage Unterzeichnete er daS Decret, welches die Sultanin Valide in den alten Serail verbannte. Sie mußte mit ihrem ganzen Anhänge von Sklavinnen und Verschnittenen abziehen, nachdem sie achtundzwanzig Jahre lang, zuerst als Sultanin Chaseki und dann als Sultanin Valide das Reich beherrscht hatre; sie fiel der tiefsten Vergessenheit anheim. Die nach Malta gesandte Flotte verfehlte ihres Zweckes; die Flüchtlinge hatten die Insel bereits wieder verlassen; doch brachten die Boten des Sultans in Erfahrung, daß Signor Salomon mit seinen Begleitern sich nach Venedig begeben; auch erfuhren sie, daß die Begleiterin des jüdischen Arztes jung und von hervorragender Schönheit war. Als sie diese Nachrichten dem Großherrn brachten, schwand diesem jeder Zweifel, daß Esther Chiera dem Gemetzel entronnen und daß ihre Dienerin statt ihrer war ermordet worden. Er beschloß nun, Alles aufzubieten, um wieder in den Besitz der von ihm so heiß Geliebten zu erlange». Eine mit reichen Mitteln ausgestattete Gesandtschaft wurde nach Venedig geschickt, um die Braut des Sultans zu reclamiren, und, wenn die Gewalthaber der Republik sich weigern sollten, sie auszuliefern, durch Bestechung zu versuchen, den Widerstand zu besiegen. Sollte auch das nicht gelingen, so waren die Gesandten ermächtigt, der Republik Venedig den Krieg zu erklären. (Schluß folgt.) Hierzu vier Beilagen. Verantwortliche Redaktion: vr. Lehmann. — Verlag der Le Rourschen Hüfbuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckerei in Mainz (Mainzer Anzeiger).

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