Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1878-04-17 · Heft 16-17 (17.4.1878) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 16-17 (17.4.1878)
Date
1878-04-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2447747-2447764--14834-2470759
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Amerika. Newport. Die hiesige Stadt hatte noch vor wenigen Jahrzehnten eine zahlreiche iSrael. Gemeinde. Sie war im Besitze einer schönen großen Synagoge und eines Friedhofs. Dies Alles ist nach kurzer Zeit anders geworden. Kein einziger Israelit wohnt daselbst; daher Synagoge und Friedhof für immer geschlossen sind. Kaum daß noch dann und wann einige Israeliten Geschäfte halber in dieser Stadt verweilen. Der bekannte Philanthrop Juda Touro hat eine beträchtliche Summe Geldes dazu bestimmt, um Synagoge und Gottesacker für alle Zeiten in gutem Stande zu erhalten, was auch genau auSgeführt wird. Feuilleton. Lsther Wer«. Eine historische Erzählung. XVI. Wir haben nun noch zu erzählen, waS sich während der Zeit, daß der Sultan unfreiwillig im Gemache seiner Mutter eingeschlossen war, im Serail zutrug. Wir wiffen bereits, daß die Kunde von den großen Veränderungen, welche der Sultan vorzunehmen gedachte, in das Volk gedrungen war und dieses auf's Aeußerste empörte, namentlich die wilden Praetorianer aller Gattungen, denen die Auflösung ihrer bevorzugten Körperschaften drohte. Predigend durchzogen Derwische die Hauptstadt, dem die Freuden des Paradieses verheißend, der die Gefahr von dem Islam abwenden würde. Die Juden verschlossen sich ängstlich in, ihre Häuser und die Großwürdenträger des Reichs hielten sich im Hintergründe, die Rache des Sultans fürchtend. Desto eifriger waren die Softa's bemüht, den Aufruhr zu nähern; ihnen gesellte sich der Schuster Ockar zu; er war wüthend, daß der Sultan ihm seine Sclavin geraubt hatte. Da es allgemein hieß, daß die Jüdin den Sultan verzaubert habe, so stand er in dem Wahne, die alte Hanna sei die Favoritin, der man all das Böse nachsage. Bald sammelten sich die Sipahi vor den Thoren des Serail. Da die Großwürdenträger des Reichs sich verborgen hielten, so wußten die Wachen nicht, was sie thun sollten; sie wechselten einige Schüsse mit den Aufrührern und gestatteten ihnen bald den Eintritt. Die Aufrüher drangen in den Harem ein. Entsetzliches Geschrei erhob sich; die Bewohnerinnen des Harems, nickt gewohnt, einen fremden Mann zu schauen, flogen auf wie verschüchterte Tauben. Die Eunuchen traten den Empörern entgegen. „Wo ist die Jüdin, die Zauberin? Wir verlangen nichts als den Kopf der Favoritin!" rief der Anführer der Meuterer. Man führte die Empörer zu den für Esther bestimmten Gemächern; sie waren leer. „Ha", rief Omar, „habt Ihr die Hexe entrinnen lassen! Wir tüdten Euch allesammt, wenn Ihr die Hexe nicht herbeischafft." „„Sie ist im Audienzsaal!"" sprach einer der Eunuchen zitternd. „Führt uns dorthin!" schrie Omar. Die Eunuchen thaten wie ihnen geheißen. Unterdeß war aber das Gefolge -des Sultans von den Gemächern der Valide zu dem Audienzsaale zurückgekehrt, um am Eingänge desselben den Sultan zu erwarten. Das Gefolge des Sultans bestand aus lauter diesem persönlich treu ergebenen Männern; unter ihnen war Sadik, der Oberstkämmerer, des Sultans Milchbruder, der Vornehmste. Als die Aufrührer mit gezogenen Schwertern in den Audienzsaal stürmen wollten, trat ihnen Sadik entgegen. „Empörer", rief er, „wagt Ihr es, in das Haus Eures von Gott eingesetzten Herrn zu dringen!" „Zur Seite," schrie ein Sipahi, „oder wir stoßen Dich nieder!" Sadik aber und die Seinen bildeten eine lebendige Mauer vor der Thüre des Audienzsaals. „Freunde", rief der Oberstkämmerer, „wir müssen unserm Herrn seine Verlobte erhalten, die ihm mehr gilt als sein Leben, der Padischa wird'S uns -reichlich lohnen. Muth! Empörer sind Feiglinge! " Den Nächsten, der auf ihn eindrang, schoß Sadik nieder; es gab ein furchtbares Gemetzel. Immer mehr Sipahi's kamen herzu;Hsie gewannen die Thüre und drangen in den Saal ein, wo sich der Kampf fortsetzte. Unterdessen hatten die im Audienzsaale die Rückkehr des Sultans Abwartenden mit Schrecken die Schüsse, das Säbelgerassel, die wüthendea Schreie nach der jüdischen Favorite des Sultans vernommen. Rabbi Salomon suchte nach einem andern Ausgang des Saals; aber alle Thüren

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.