Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1878)
- Date
- 1878-04-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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\ ü If. k \ e 378 # Ausschreitungen griechischer Raubbanden gegen Israeliten. Diese haben zwei Israeliten überfallen, sie ihrer Baarschaft, ungefähr 130 Pfund, beraubt und als Gefangene weggeführt. Hierauf schickten sie einen Boten nach Salonichi, der von den Verwandten der Gefangenen 5000 Pfund als Auslösung verlangte. Da die Familien der beiden Juden arm sind. konnten sie nur 100 Pfund zusammenbringen, die aber von den Insurgenten durch einen'zweiten Boten mit dem Bemerken zurückgeschickt wurden daß sie die Auslösungssumme auf 3600 Pfund reducirt hätten. Hierauf veranstalteten dre jüdischen Kaufleute unter sich eine Collccte, die 350 Pfund erzielte, welche durch den Boten abgeschickt wurden. Der griechische Erzbischof hat an den Führer der Bande durch denselben Boten ein Schreiben gesendet, in welchem er sich für die Freilassung der beiden Israeliten verwendet. Das Resuliat dieses Schrittes ist noch nicht bekannt; aber man zweifelt an dem Erfolg, da es inzwischen bekannt geworden, daß dieselbe Bande zwei andere Israeliten aus Colondro ermordet hat. (Arch. Jsr.) # t ü i t l e t o n. Licht und Schatten Erzählung von Friedrich Rott. XXXI Ein Jahr war abermals verstrichen. Carl hatte allmählich seine Ruhe wieder gefunden, aber sein Frohsinn war unwiederbringlich dahin. Zwar konnte er noch heiter mit den Kindern scherzen und an ihren muntern Spielen innig sich erfreuen, doch das Lachen hatte er verlernt, man sah ihn nunmehr nur lächeln. Trotzdem hofften seine Angehörigen, er werde mit der Zeit sich wieder eine neue Häuslichkeit gründen und aufs Neue wirkliches Glück empfinden. Denn so traut und innig der Familienkreis auch war. der den alten Grün umgab, für die Dauer schien er ihm für den Sohn nicht genügend. Da begann die Kränklichkeit Rosenbanms zuzunehmen; mehrere ärzliche Autoritäten erklärten nun auch, daß nur längerer Aufenthalt in der Tropengegend ihm Genesung schaffen könne, und so entschloß sich Rosenbaum denn endlich, seine Geschäfte zu liquidiren und mit seiner Gattin nach Cairo zu übersiedeln. Der Abschied von ihrer Familie für Rosa war unaussprechlich schmerzlich, der Vater war zwar noch rüstig, aber er war doch ein Greis, würde sie ihn Wiedersehen? — Und ihr Bruder und dessen Kinder — der Himmel hatte ihr eigenes Mutterglück versagt, aber die Sorgfalt und Pflege, die sie den Kindern ihres Bruders gewidmet und die innige vertrauungsvolle Anhänglichkeit, mit der die Kleinen ihr lohnten, hatten fie ihr theuer gemacht, als wären sie ihre eigenen Kinder. — Alle würden sie schmerzlich vermissen und sie darum Alle nur um so mehr. Doch sie konnte nicht wohl daran denken, den kränkelnden Gatten allein in die Ferne ziehen zu lassen Vor ihrer Abreise hatte sie sich von ihrem Bruder das Versprechen geben lassen, daß er sich setzt ernstlich nach einer zweiten Lebensgefährtin umfehen wolle. Sie hatte ihm sogar eine ihrer Freundinnen empfohlen, von der sie überzeugt war, daß sie alle die Eigenschaften in sich vereinte, die das Glück ihres Bruders und die Wohlfahrt seiner Krnder zu gründen geeignet war. Carl war auch entschlossen, sein Versprechen zu halten und hatte bereits die Bekanntschaft sener Dame gesucht, als die Cholera epidemisch ausbrach. Furchtbar wüthete der grause Würgengel in der volkreichen Stadt, manche Familien decimirend, auch Carl ward ergriffen und war nach wenigen Tagen eine Leiche. Der Schmerz des greisen Vaters war unermeßlich. Sein Sohn, der Stolz seines Alters, war so plötzlich dahin gerafft in der Blüthe seiner Jahre — nun hatte er Niemanden, der ihm eine Stütze bot. denn seine Enkel, die verwaisten Kinder seines Sohnes, waren noch so jung, daß fie in dem Greise ihre Stütze suchen mußten. Nur seine aufrichtige innige Religiösität vermochte ihn vor Verzweiflung zu bewahren. Aber er war Jude im höchsten Sinne des Wortes und ohne Murren, ohne Klage ertrug er seine herbes Geschick. Mit einer Hingebung, einer Aufopferung, die man in diesem Alter nur höchst selten findet, lebte er fortan einzig und allein für seine Enkel; um ihretwillen entzog er sich Ruhe und Bequemlichkeit, die das Alter doch so wohlthuend empfindet. Tag für Tag sah man den Greis mit den Kindern spazieren gehen, an jeder Hand hielt er eines, den Stock, auf den er sonst sich zu stützen pflegte, hatte er daheim gelassen. Und wenn ihm seine Freunde oft vorwarfen, daß er in dieser, wie noch in manch anderer Hinsicht zu weit gehe und um feine Enkel noch weit mehr sorge, als ehedem um seine Kinder, dann erwiederte er stets mit schmerz*