Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1878)
- Date
- 1878-04-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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377 so ist mit einer solchen Anschauungsweise nicht weiter zu rechten. Ader wenn Jemand, der sich als Rabbiner, d. h. als Lehrer deS Judenthums, als geistiger Führer einer jüdischen Gemeinde gerirt, wenn ein solcher das Bundessigel, welches Gott unserm Körper ausgeprägt, so tief verachtet, daß er es nicht einmal mehr als Conversationsgegenstand einer anständigen Gesellschaft gelten lassen will, dann sollte er doch, wenn ihm noch ein Fünkchen Ehrgefühl in der Brust glimmt, eine Gesellschaft verlassen, deren Mitglieder dieses Zeichen unter einander, mit ihrer fernsten Vergangenheit, mit ihrem himmlischen Vater thatsächlich seit 4 Jahrtausenden verbindet; ein solcher sollte offen und ehrlich erklären, er könne es mit seiner Ueberzeugung nicht länger vereinigen, Lehrer einer Religion zu bleiben, deren erstes Grundgesetz sich nicht mit seinen Begriffen von Anstand und Decenz vertrage! Das wäre wenigstens ehrlich. Aber mit frivoler Hand den rothen Faden zerreißen, der den ersten Juden mit seinem spätesten Enkel verbindet, durch Schrift und Wort die Institution der öffentlichen Verachtung preiszugeben, auf welcher das ganze Judenthum sich gründet, und sich dennoch Jude, und gar Lehrer des Judenthums nennen, das ist und bleibt ein so niedriger Pfaffentrug, daß es unabweisbar Pflicht ist, die Aufmerksamkeit der öffentlichen Meinung auf dieses Gebühren zu lenken. So tief gesunken, so vollständig dem Väterglauben entfremdet, können wirkrine noch so radikale jüdische Gemeinde Amerika'S halten, daß sie ein solch* unerhörtes Sacrilegium nicht zu beurtheilen und zu verurtheilen wisse. Wo daher Rabbiner mit solchen Anschauungen an der Spitze eines Gemeindewesens stehen und nicht das nöthige Ehrgefühl und den winzigen Fond von Charakter haben, das Lehramt einer Religion aufzuheben, die sie so gründlich und offenkundig verachten, da wäre es heilige Aufgabe der Gemeinden selbst, ihre Rabbiner zu lehren, was ihre Pflicht ist, d. h. sie abzudanken, o’ynn n« yv *6n? Der Herr Exrabbiner Felsenthal und Consorten mögen dann eine neue Religion, meinetwegen unter dem Namen „Felsenthalthum", gründen und dafür Proselyten werben nach Herzenslust, nur mögen sie sich nicht fürder Juden und die Religion ihrer Mache Judenthum nennen; denn daS ist es nach ihrem eigenen Geständniß nicht. 121 rot a .-isn 'N'-Q ntti nn 'n Wir wollten uns noch einige Bemerkungen über die Behandlung und Begründung, welche die „Proselytenfrage" in diesem Schriftchen erfährt, gestatten; wollten noch auf die Eigenthümlichkeit aufmerksam machen, die aus der gesetzlich normirten Proselytenangelegenheit, sobald sie auf Grund irgend einer Schrulle nicht mehr convenirt, eine Proselyten frage macht, einen Nothstaud fingirt, der eine Regelung dieser künstlichen Frage dringend gebiete, und so die Meinung verbreitet, als verlangten die Interessen des Judenthums selbst seine Verhöhnung. Wir wollten die Frage untersuchen, ob und in wie weit wir wirklich verpflichtet und berechtigt sind, „die Hallen des Judenthums erleuchteten Bekennern des reinen Gottesglaubens weit zu öffnen", ob eine solche unsrerseits vorgenommene Hallenöffnung die Ehre und die Interessen des Judenthums besser oder schlechter wahre als der vom jüdischen Gesetze vorgeschriebene Modus, der jeden aus reiner Ueberzeugung sich dem Judenthum zuwendenden Proselyten mit Liebe aufzunehmen vorschreibt, dagegen jeden Uebertritt zurückweist, dessen ungetrübte Lauterkeit nicht zweifellos feststeht, die Sorge der Ausbreitung unsrer Heilswahrheiten aber ausschließlich dem überläßt, der gesprochen: „Dann wende ich den Völkern eine geläuterte Sprache zu, daß sie alle im Namen Gotten einen Aufruf erlassen, ihm in Einmüthigkeit zu dienen." (Zephanjah 3. 9 und viele andere, Jesaias 66,19.20, Jecheskel 39, 21, Secharjah 14.) Angesichts einer so systematisch betriebenen Abfall-Propaganda sind jedoch theoretische Abhandlungen nicht am Platze, nwya bDJo -ioh ptt. ES handelt sich darum, pflichtvergessene, bundesbrüchige Apostaten an den öffentlichen Pranger zu stellen. — Möge der gesinnungstüchtige Theil der jüdischen transatlantischen Journalistik, welcher Parteifchattirung auch immer, diesem Gegenstand seine ganze Aufmerksamkeit entgegenbringen!! -oi ü2b an Lv-o njn —n-- Zeitungsnachrichten und Cvrrefpvndenzen. Frankreich. PariS. Auf fpecielle Verwendung des Senators Cromieux hat der Kriegsminister angeordnet, daß auf Wunsch allen israel. Soldaten, die in solchen Garnisonen liegen, in welchen keine Synagoge ist, ebenso den israel. Soldaten aus Algier während des kommenden PeßachfesteS Urlaub gegeben werde. (Arch. JSr.) Türkei. Salonichi. Der „Courier d'Orient" vom 13. März veröffentlicht ausführliche Berichte über