Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1878)
- Date
- 1878-04-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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372 stufe unsere Glaubensgenossen gerade auf der pyrenäischen Halbinsel einst gestanden haben. Carl Fraenkel. (Jüd. Presse.) Türkei. Aus Conftantinopel wird dem ..Standard" unterm 28. März telegraphirt, daß bis dahin sehr wenige Flüchtlinge von der Erlaubniß der Russen, nach ihrer Heimath zurückkehren zu dürfen, Gebrauch gemacht, obgleich die russischen Behörden nach Versicherung des Correspondenten zum Schutz der Muselmänner in Bulgarien alle nothwendigen Maßregeln ergriffen haben und jeder Bulgare, der sich einer Mißhandlung derselben schuldig macht, strenge bestraft wird. Die Behauptung, daß die Russen in Bulgarien Ordnung halten, ist gewiß nicht richtig. denn von anderer Seite wird über fortgesetzte Mißhandlungen berichtet. So meldet man der „K. Z." aus Conftantinopel unterm 18. März, daß damals sich dort noch 2800 Israeliten befanden, meist aus Kasanlik und Eskisaghra, geflüchtet, welche die „Alliance Jsr." in eigens gemieteten Häusern untergebracht hat. Man wollte versuchen, dieselben nach und nach in ihre Heimath zurückzubefördern, hat aber damit innehalten müssen, weil die ersten Rückkehrenden von den Bulgaren schlecht ausgenommen wurden. Einzelne von ihnen sind eingekerkert worden, unter dem Vorwände, daß sie den Türken als Spione gedient und den Tod vieler Bulgaren verursacht hätten; in Wahrheit aber, damit sie sich durch Zahlungen loskaufen sollten.. Herr Veneziani. der Vertreter der „Alliance", war selbst nach Adrianopel gereist, um sich mit mehreren Chefs der bulgarischen Nation zu verständigen und einen Boden für friedliches Zusammenleben der Bulgaren und Juden zu gewinnen. Er hat den künftigen Ministern oder Geheimräthen der Bulgarei vorgestellt, daß ihre Nation eine durchaus ackerbauende fei und gut thun werde, sobald die Verhältnisse geregelt sein würden, sich mit aller Kraft auf die Cultur von Weizen, Gerste, Mais und Rosen zu verlegen. Den Abfluß dieser Erzeugnisse in's Ausland zu ermöglichen, die Handelswege zu bahnen, die Geldquellen zu eröffnen, das könne die Sache der Juden sein. Natürlich würden dieselben für sich arbeiten, aber da ihr Interesse mit dem der Bulgaren identisch sei, könnten beide Völkerschaften gemeinsamen Nutzen aus ihrem friedlichen Zusammenwirken ziehen. Herr Veneziani versicherte, die Herren hätten das auch sehr gut verstanden und ihn nur gebeten, die Zurückbeförderung der Juden einstweilen noch anftehen zu lassen, bis sich die gegenwärtige ungeheure Aufregung einigermaßen gelegt und ihr Volk sein moralisches Gleichgewicht wiedergefunden habe. In Folge dieser Abmachung bleiben die ausgewanderten Juden nun noch in Conftantinopel. Palästina. Jerusalem. Unter den jüdischen Unterrichtsanstalten Jerusalems nimmt die Blumenthalösche Schule einen hohen Rang ein. Die Leistungen und die Einrichtungen in derselben sind so vortrefflich, daß nicht bloß die betreffenden Eltern und Angehörigen der Schüler höchst zufrieden sind, sondern daß sie auch die Bewunderung aller derjenigen Fremden erregen die bei ihrer Anwesenheit» in der hl. Stadt die Gelegenheit wahrgenommen, diese Anstalt zu infpiciren. Die Schule ist im Besitze eines eigenen schönen Gebäudes , das aber durch den anhaltenden starken Regen und durch schreckliches Hagelwetter, in diesem Winter so baufällig geworden ist, daß man gezwungen war, die Schule in zwei den Sephardim gehörigen Schulhäusern zu verlegen, ein Verhältniß, das auf Die Dauer unmöglich gut thut. Das Gebäude selbst muß unbedingt, wenn es nicht ganz zerfallen soll, bald reparirt werden. Der Vorstand der Anstalt ist aber außer Stande die Baukosten, die sich auf 10,000 Frs. belaufen werden, zu bestreiten. Er hat sich deßhalb in einem diesbezüglichen Schreiben au Herrn Districts- Rabbiner S. B. Bamberger in Würzburg mit der dringenden Bitte gewendet, daß derselbe durch eine Tunnlung unter den wohlthätigen Glaubensgenossen Deutschlands ihm zu Hilfe kommen möge. Herr Districtsrabbiner Bamberger sowohl als auch die Redaction dieser Blätter sind bereit Gelder für diesen schönen Zweck in Empfang zu nehmen und an den Vorstand der Blumenthalschule zu übersenden. Jerusalem. Baron Lionel v. Rothschild hat für die Armen 200 L.-St. geschickt. In seinem Briefe drückt er den Wunsch aus, daß jeder Arme sowohl von den Aschkenasim als auch Sephardim, einen Frank erhallen. Da hex gesandte Betrag nicht ausreicht, um nach Instruction zu handeln, so muß die Bertheilung so lange unterbleiben, bis das Fehlende von wohlthätigen Händen ergänzt ist. Obiger Betrag ist die zweite Sendung des Baron Rothschild. (Jew. Chr.)