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Der Israelit · 1878-04-03 · Heft 14 (3.4.1878) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 14 (3.4.1878)
Date
1878-04-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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349 die Hälfte Muthes, der nöthig ist, um gegen r\wo m zu revoltiren. Die vorsichtigen Hirten müssen doch ein wenig auf die Heerde Rücksicht nehmen, in welcher und von welcher sie leben und deren Gros immer noch nicht auf der schwindelnden Höhe der Zeit steht, auf welche die Führer sie so gern erheben möchten. Nicht so in Amerika, wo die reformirten Seelsorger es viel leichter riskiren dürfen, auf den Materialismus und die Unkenntniß ihres Publikums (n\-i O'i “üya nb) zu speculiren. Dort treibt das Reformjudenthum in der That wunderliche Blüthen, dort zieht es alle Consequenzen, die seine Matadoren bei uns nur schüchtern anzudeuten wagen. Von diesem Gesichtspunkte kann man der vorliegenden Abhandlung manches Interesse abgewinnen. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Palästina. Jerusalem, 25. Adar. Herr A. I. Scheuer hier, aus Frankfurt am Main gebürtig, hat heute dem Herrn I. Pascal, k. k. östr. ung. Vice-Consul die Summe von 2000 FrcS. zum Ankauf von Mehl aus Triest, welches an die jüdischen Armen Jerusalems vertheilt werden soll, übergeben. Außerdem hat Herr Scheuer einem seiner Geschäftsfreunde in Frankfurt den Auftrag ertheilt, auf feine Rechnung für fernere 2000 FrcS. Mehl zu senden. Mögen viele edle und freigebige Gönner sich finden, die diesem großherzigen Beispiel nachahmen; denn daS Elend ist unbeschreiblich und wächst tagtäglich in Folge der steten und rapiden Steigerung aller Lebensmittel, und der furchtbaren Geldnoth. Leider sterben viele Menschen Hungers. So weist das Verzeichniß der Gestorbenen, von n'i bis Adar 1., also während 5 Monate bei den Aschkenasim allein eine Gesammtzahl von 230 Personen aus, was per Jahr berechnet 10 pCt. der Bevölkerung ausmacht, und daS Dreifache eines gewöhnlichen Jahres übersteigt. Simon Stampfer. Feuilleton. Licht und Schatten. Erzählung von Friedrich Rott. XXX. „Jeder Unbefangene kann Dein Verfahren nicht anders beurtheilen. Ich bitte Dich" fuhr sie fort, als Emma sie abermals unterbrechen wollte, „ich bitte Dich, höre mich nur ein Paar Minuten ruhig an. Du weißt, wie ich über Religion denke und weißt,. daß ich Carls Anschauungsweise stets belächelt habe, aber Du weißt nicht, daß ich mir längst die bittersten Vorwürfe gemacht habe, daß ich es war, die Dich zuerst zu dem verleitet hat, was er für unrecht hält." „Ach, lasse Dir doch darüber keine grauen Haare wachsen", lachte Emma. „Nun, mit den grauen Haaren hat es vorläufig wohl noch Zeit", entgegnete Caroline , indem sie dem eigenen Spiegelbilde zulächelte, „aber —" „Aber meinst Du denn im Ernst, daß ich für die Dauer eine derartige Beschränkung ertragen hätte?" „Das weiß ich nicht, aber einige Jahre hast Du es doch gethan und ich gestehe offen, ich wünschte, ich hätte Dir nicht die Hand dazu geboten, doppelt Deinen Gatten zu betrügen. Hättest Du es aus eigener Initiative ohne mein Zuthun gethan, ich würde die Sache anders beurtheilen." „Und so spricht Caroline", spöttelte Emma, „meine Schwester mit dem starken Geist." „Spotte wie Du willst" , versetzte Caroline, „ich habe einen starken Geist, aber ich habe auch ein Gewissen. Und ich weiß, daß Du glücklich warst, so lange Du den Anschauungen Deines Gatten entsprechend gelebt und weiß, daß Dein Glücksstern im Sinken war. seit —" „Ach, so hör' doch endlich auf." „Nun gut, ich will nicht mehr davon reden, wenn es Dir so unangenehm ist, aber gib mir nun Deinerseits das Versprechen, daß Du nicht mehr an Deine sinnlose Rache denken willst." „WaS fällt Dir ein", rief Emma, „nur mit meinem Leben verzichte ich auf meine Rache." „Sei nicht so verblendet. Emma, ich weiß doch, daß Du Deine Kinder liebst. Willst Du um Deiner Rache willen Deine Kinder unglücklich machen? „Wer sagt denn, daß ich meine Kinder unglücklich machen will? ich werde sie hegen und pflegen; es wird ihnen an nichts fehlen und ich werde sie aufs Sorgfältigste erziehen lassen." „Bon den Jesuiten?" „Nun freilich, das sind anerkannt die besten Jugendbildner." „Die die Seelen ihrer Zöglinge vergiften." „Ach, geh', Du bist heute unausstehlich." „Emma, ich beschwöre Dich." „Laß' mich in Ruh', und Caroline, ich erinnere Dich, ich habe Dein Wort, daß Du gegen Jeden schweigst."

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