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Der Israelit · 1878-04-03 · Heft 14 (3.4.1878) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 14 (3.4.1878)
Date
1878-04-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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342 daher auch die Verblüffung der Eminenz vorstellen, als der sonst so schweigsame, schüchterne Erzherzog wahrend einer kurzen Pause, die der an Athembeschwerden leidende Cardinal in seinem Redefluß eintreten ließ, wie unwillkürlich einwarf: „Wenn Einer just nit bleiben will, kann m'r ihn doch nit halten." Der Monarch, der mit unendlicher Verehrung und Liebe an seinem Elternpaar hing, nicht minder überrascht als die übrigen Anwesenden, ergriff zunächst das Wort, um den greisen Vater um eine nähere Darlegung seiner Ansicht zu bitten. — Erröthend wie ein Kind, das zum Examen aufgerufen wird, erwiderte der Erzherzog dann nach einigem verlegenen Räuspern: „Ich mein' halt, 's nutzt da Alles nix, wenn Einer nicht beim Glauben bleiben will, kann man ihn nicht halten; besser, daß er geht!" „Aber — verzeihen Majestät, erlauben kais. Hoheit!" — warf die Eminenz schüchtern ein — „hat denn ein vierzehnjähriger Knabe einen Willen?" „Wahr ist's, wahr ist's. freilich! das ist schlimm, sehr schlimm!" — versetzte der Erzherzog — „Aber, wann so ein Bub' so schlecht ist, so sollt' der Vater eine Straf' kriegen, eine rechte Straf! Aber streiten mit'm Reichsrath wegen so'» Bub'n thät' ich nicht!" Der Monarch hob die Sitzung auf. In den nächsten Tagen wurde der Cardinal nicht wieder zum engen Rath beigezogen und — bekanntlich gelangten die interconfessionellen Gesetzes-Vorlagen mitsammt den „schlimmen Buben", die der liberalen Gesetzesfabrikation keineswegs zur Ehre gereichen , vor's Parlament und wurden zum Beschluß erhoben. Und darum klagte Cardinal Rauscher, daß der „alte Herr" unter die Freimaurer gegangen. Ich glaube gar — als gewiß möchte ich's nicht behaupten — aber ich glaube, daß auch der damalige Weihbischof, später Amtsnachfolger Rauschers im fürsterzbilchöflichen Stuhle zu Wien, Cardinal Kutschker, etwas wissen müßte von dieser Klage. Jedenfalls characterisirt diese Klage den verewigten „ultramontanen" Prinzen besser als alles Andere. Solche Charakterzüge fühlt das Volk instinktmäßig heraus, und daher begreift sich auch die ungeheuchelte, tief alle Volksschichten durchdringende Trauer, welche nicht nur in Wien, sondern in allen Theilen. des Reichs beim Ableben des greisen Fürsten spontan zum Ausdruck gelangte. Frankfurt a M. Der isr. Almosenkasten unterstützte im vorigen Jahre 183 Familien mit regelmätzigen Spenden durch 35,502 und 158 Familien mit unregelmäßigen Spenden durch M. 5596. 57 Pf. Eingenommen wurden M. 41,411, darunter M. 25,236.48 Gaben zur Vertheilung, M. 2562. 42 Pf. Schenkungen und Legate, M. 7712.6 Beiträge von Mitgliedern. Die Ausgaben belaufen sich ebenso hoch. Die Ausgaben übersteigen diejenigen des Vorjahres um M. 5476.78 und werden sich voraussichtlich gegenüber der zunehmenden Verarmung und den entsprechend wachsenden Anforderungen auch in diesem Jahre steigern, weshalb der Vorstand pm Zuwendung von Liebesgaben bittet. Stuttgart, 11. März. Durch das Gesetz vom 30. Dez. 1877 sind auch die Pensionsverhältnisse der Volksschullehrer neu geregelt und im Art. 51 festgesetzt worden, daß den einschlägigen Bestimmungen auf Diejenigen aus dem Bolksfchuldienste übergetretenen israel. Vorsänger, welche ein mit einem Volksschuldienste nicht verbundenes Vorsängeramt in definitiver Anstellung bekleiden, entsprechende Anwendung zu geben sei. Die K. isr. Oberkirchenbehörde hat wie 1873 beantragt, daß auch denjenigen Vorsängern, welche noch nie Schullehrer waren, die gleichen Pensionsrechte auf die isr. Centralkirchenkasse für ihre Person und ihre Hinterbliebenen eingeräumt werde, und das K. Ministerium des Kirchen- und Schulwesens hat diesem Antrag unter dem 6. d. M. die hohe Genehmigung ertheilt. Hiedurch erwächst diesen reinen Kirchenbeamten in verschiedenen Beziehungen eine wesentliche Verbesserung ohne weitere Leistungen als zuvor. Der isr. Oberkirchenbehörde und dem Kultusministerium gebührt öffentlicher Dank für diese Entschließung, welche auch von der isr. Lehrerconferenz miterbeten worden ist. Heilbrorm, 21. März. Die „Neckar-Ztg." berichtet: „In und vor unserem Schlachthause spielte sich gestern ein großartiger Skandal ab. Aus irgend einem unbedeutenden Anlaß kam der seit dem billigen Fleisch- und Wurstverkauf hiesiger isr. Händler gesteigerte Groll der Metzgerschaft zum vollen Ausbruch. Die im Schlachthaus anwesenden Israeliten wurden mit Drohungen und unter fürchterlichem Geschrei hinausgejagt, und eS gelang der Polizei erst nach erhaltener Verstärkung Ordnung in das Chaos zu bringen. Von der zahlreichen Menge, welche Zeuge von der „Judenhetze" war, hörte man vielfach Stimmen zu Gunsten der Israeliten, welchen wir die billigeren Fleischpreise verdankten." Schermbeik, “>nD« Eine schmerzliche Pflicht habe ich heute vielen geehrten Lesern d. Bl. gegenüber zu erfüllen, indem ich ihnen den Tod eines Biedermannes berichte. Salomon Jonas, dies der Name des bie-

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