Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1878)
- Date
- 1878-03-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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321 -essen? Du hast den Prozeß verlore-i und du: der Rechte an Deine Kinder verlustig erklärt worden." „Aber ist denn das Gerechtigkeit? hat ein Mensch daS Recht, der Mutter ihrer Kinder vorzuenthalten?" Caroline zuckte die Achseln. „Du hast die Schuld auf Dich geladen," entgegnete sie halblaut. „Das habe ich nicht;" schrie Emma erglühend, „nur um mich an dem Elenden zu rächen, habe ich dem Drängen senes Lassen nachgegeben, aber —" „Du hast mir das schon wiederholt erzählt", fiel Caroline ein, „und ich will Dir's ja gerne glauben, aber außer mir glaubt Dir's kein Mensch, nicht einmal Friedrich." „Aber —" „Liebe, gute Emma, wer wird denn sein eigenes Haus anzünden, um sich an dem Mäuschen zu rächen, das darin rumort? — Daß eine derartige Rache nur für Drch und für Dich ganz allem die empfindlichsten Folgen haben mußte, das hättest Du voraus sehen körnen." „Du hast recht, ich war wahnsinnig, aber bedenke auch, wie ich gereizt worden dm." „Darauf kommt es hinterdrein nicht an, Carl und das Gericht und jeder Unbefangene mußte nach dem Schein urtheilen und wie sehr dieser geaen Dich war, das weiß doch Niemand besser als Du. die Du ihn doch provocirt haben willst. Also darfst Du Dich auch über das Urtheil nicht beklagen. das Dich um dieses Scheines willen getroffen hat." „Un^dennoch will ich meine Kinder haben", murmelte sie vor sich hin und ballte die Fäuste. „Emma, nimm Ve-nunft an, Du kannst den Ausspruch des Gerichts nicht umstoßen. Du solltest nur hören, wie Friedrich darüber denkt." „Was kümmerts mich. wie Friedrich und wie die ganze Welt darüber denkt", rief Emma und warf die Locken zurück und blickte wild und zornig auf die Schwester. „Rächen will ich mich, rächen — und sollte ich selbst dadurch zu Grunde gehen!" und in ohnmächtiger Wuth warf sie sich in einen Sessel und nagte an den Nägeln. Kopfschüttelnd schaute Caroline zu ihr hinüber. War das ihre sanfte Schwester von ehedem? Schön war sie noch, vielleicht schöner als je, aber ihre Schönheit war ganz anderer Art als vorher. Der sanfte Aufschlag ihres Auges hatte sich in einen sinnlich glühenden Ausdruck gewandelt und auf ihrem sonst so milden feinen Antlitz;ah man jetzt Spuren mannigfacher Leidenschaften; doch der Durst nach Rache drängte alle zurück. „Und dennoch werde ich mich an ihm rächen", murmelt.' sie x>\n sich hin, „0, Tu wirst es schon sehen." „Nur keine Unbesonnenheit," mahnte Caroline, „das ganze Unglück kommt doch nur daher, daß ich bau als gerade abwesend sein mußte, und Du einzig und allein Deinem Hitzköpfchen gefolgt bist. Wäre ich daheim gewesen, Alles wäre anders gekommen." Emma achtete nicht auf sie, sie war ganz versunken in ihrem Rachebrüten. „Weißt Du", flüsterte sie endlich und schob ihren Sessel nähr zu ihrer Schwester, „nwißt Du. was ich thun werde?" „Nur keine Unbesonnenheit", wiederholte Caroline warnend. „Ach, geh* mit Deinem beständigen Warnen, ich werde schon nicht wieder unbesonnen bandeln, im GegentheU, sehr besonnen. O, er wird sich ärgern, wird wüthen! — und dann — und dann — dann wird's ihn treffen bis in's Innerste seines- Herzens." Sie war aufgesprungen, ihre Brust hob sich höher, ihr Auge leuch'ete bei dem Gedanken an das Wehe, das sie dem Manne bereiten wollte, um dessentwillen sie Jahre hindurch, wie sie es nannte, sich selbst verleugnet hatte. „Was hast Du denn im Sinn?" fragte Caroline. „Du scheinst ja ganz verzückt von Deinem Plan." „Ha, das ist aber auch ein Plan! — Du wirst staunen. Höre an." Sie setzte sich wieder ihrer Schwester gegenüber und begann: , Du weißt, wie er über Religion denkt und über Alles, was drum und dran hängt." „Freilich weiß ich das, daher datirt sich ja all' das Unheil." „Run. so vernimm, zu waS ich entschlossen bin; ich werde mich taufen lassen." „Emma!" rief Caroline überrascht, „das kann Dein Ernst nicht sein." „Und warum nicht, wenn's beliebt? — ich versichere Dich im Gegentheil. daß es mein voller aufrichtiger Ernst ist, mich taufen zu lassen." ,Aber das darfst Du nicht thun", fuhr Caroline eifrig fort, „nicht um Deiner Kinder und nicht um Deiner Eltern willen." „Nicht um meiner Eltern willen? hast Du Papa's Grundsatz vergessen: in meinem Hause kann jeder nach seiner Fa^on selig werden." „Ach, was, Papa zieht nie die Consequ nzen von seinen Wahlsprüchen. Wenn Du nach all' dem Scandal Dich auch noch taufen würdest, das würden weder Papa noch Mama gutheißen." ,.Gutheißen? was kümmerts mich, ob sie es guiheißen oder nicht; ich werde sie nicht darum fragen, sie werden es erst erfahren, nachdem es