Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1878)
- Date
- 1878-03-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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322 ’ geschehen ist und gegen geschehene Dinge kämpfen selbst die Götter vergebens. Ich hoffe Caroline, Du wirst nichts vorzeitig verrathen," und sie blickte finster drbhend auf die Schwester. „Ich bin keine Schwätzerin", entgegnete Caroline die Achseln zuckend, „aber aufrichtig gestanden, ich^sehe nicht ein, wie so Du durch Deine Taufe an Deinen ehemaligen Gatten Rache nehmen willst. Ihr seid geschieden, und wenig wird es ihn kümmern, ob Du Jüdin bleibst oder Christin wirst/' „So. meinst Du. daß ihm das gleichgiltig wäre? Da kennst Du ihn schlecht — wüthen wird er, sage ich Dir, wüthen. — Aber das ist ja auch nur der Anfang von meinem Plan." „So? was hast Du denn noch weiter vor?" Emma lächelte vor sich hin, im Vorgenuß ihrer Rache; es war ein diabolisches Lächeln, das ihre Lippen umzuckte. „Run, so sprich doch", drängte Caroline, „ich bin in der That begierig, zu erfahren, auf was Du sinnest." „Aber ich habe Dein Wort, daß Du schweigst, mag mein Plan Dir nun Zusagen oder nicht." „Ich zweifle, daß ich Dein Vorhaben billigen werde, schon der Anfang mißfällt mir im höchsten Grade. Sich taufen lassen, zu einer andern Religion übertreten — es ist das so wenig zeitgemäß , verräth so wenig den freien, klaren Geist, der die zweite Hälfte unseres Jahrhunderts durchdringt." — „Aber es entspricht meinen Plänen", lachte Emma, „und alles klebrige kümmert mich nicht." „Run so sprich, was hast Du vor? Daß ich schweigen werde, dessen kannst Du sicher sein." „Nun also höre und staune. Durch einen Zufall habe ich neulich die Bekanntschaft eines Jesuiten-Paters gemacht. An den werde ich mich wenden, um mich zur Taufe vorbereiten zu lassen. Und wenn ich getauft bin, dann sollen die Jesuiten mir zum weiteren Verfolg meiner Rache hclfen. Sie werden schon Mittel und Wege finden, sich meiner Kinder zu bemächtigen. Mit ihrer Hilfe werde ich sie entführen, werde sie taufen lassen und den Jesuiten zur Erziehung übergeben." Caroline starrte sie einige Minuten sprachlos an. „Emma" sprach sie dann, „das hätte ich Dir nimmer zugetraut — das nicht." „Nicht wahr? das ist ein herrlicher Plan. — O, wie er wüthen, wie er außer sich gerathen wird." — „Aber Du darfst den Plan nicht ausführen! nein, nein, um Alles in der Welt nicht!" „Ich darf nicht? — und wer wird mich wohl daran hindern? — Denkst Du mich vielleicht zu verrathen? — ich habe Dein Wort, das mir Schweigen gelobt." „Aber Dein eigenes Gefühl wird Dich daran hindern, denn das ist nicht die Rache einer Mutter, das ist die Rache einer Furie." „Einer Furie", rief Emma laut lachend und warf das Haupt zurück, daß die langen blonden Locken wild um die schöne Stirn flogen. „Einer Furie! — und wer hat mich denn zur Furie gemacht? — sprich — war ich nicht sonst mild und sanft wie nur Eine — wer hat mich zur Furie gemacht?" — Caroline schaute mit sinnendem Ernst in das erregte Antlitz der Schwester. Sie war „ein Freigeist", frivol, aber von Herzen gut. Und ihrem klaren Auge entgingen nicht die unseligen Folgen, die das Gelingen des Planes, der durch Rachedurst verblendeten Schwester für deren unschuldige Kinder nach sich ziehen müssen. „Es ist wahr", sprach sie ernst, „Du warst mild und sanft, schienst es wenigstens zu sein. — Oder hast Du vielleicht damals schon geheuchelt?" „Caroline!" fuhr Emma auf. „Was fährst Du mich an?" fuhr Caroline fort. „Hast Du vielleicht nicht geheuchelt? hast Du nicht Jahre hindurch geheuchelt?" „Genug, genug, wozu diese unseligen Reminiscenzen?" „Um Deine Frage zu beantworten: was Dich zur Furie gemacht hat. Also vor Allem Deine unselige Verblendung, die Dich zur Heuchlerin machte." „Schon wieder!" rief Emma, mit "dem Fuße stampfend, „wann wirst Du mit Deiner Moralpredigt zu Ende kommen?" „Sobald cs mir gelungen sein wird, Dich, zum Aufgeben Deines höllischen Planes zu bewegen." „Das wird Dir nie gelingen." „Ich hoffe doch. Bedenke Emma, was Du vorhast." „Ich will mich rächen an dem, der mich tödlich beleidigt hat." „Du bist im Jrrthum, Emma, Carl hat Dich nie beleidigt, Du aber hast ihn gekränkt, wie nur ein Weib einen Mann kränken kann." „Du weißt nicht, was Du sprichst, er hätte mich nie gekränkt? — Seit jener unglückseligen Stunde, in der er mich an Eurem Tisch getroffen — und was das für ein Verbrechen war", fügte sie hohnlachend hinzu — „aber seit jener Stunde hat er jede Berührung meiner Hand gemieden, als wäre ich ein giftiges Reptil — ist vor mir zurückgewichen — hat —"