Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1878)
- Date
- 1878-03-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XIX. Jahrgang. Erste LeUage;n Ar. 13 des Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Bericht. Sin Gang durch die Bibliotheken Italiens. Vortrag, gehalten im Sephat-Emeth- Verein, von vr. A. Berliner in Berlin 1877. Julius Benzian. Preis 1 M. 50 Pf. *) Einen Gang durch die Bibliotheken Italiens zu machen an der Hand eines Führers, wie es Herr vr. Berliner ist, sollte Niemand versäumen, der nur einigen Sinn für den Inhalt dieser Bibliotheken und für das bedeutsame Stück Kulturgeschichte hat, das sich an ihn knüpft. Man braucht zu diesem Zweck keine weiten Reisen zu unternehmen. Die obige Schrift führt uns, ohne daß wir einen Fuß über die Schwelle setzen, in das Land, wo die Orangen blühen; sprengt die Pforten zu den Büchersälen in Mailand, Modena, Neapel, Parma, Turin; geleitet uns selbst zu den Bücherschätzen des Vatikan in Rom und das Alles in so anziehender, belehrender und unterhaltender Weife, wie man es eben nur von einem so bewährten Cicerone erwarten darf. Es sind natürlich jüdische Handschriften, von denen uns der vorliegende Vortrag 72 vorführt. Der Leser fürchte jedoch nicht, auf eine dürre Nomenclatur mehr oder weniger werthvoller Manuscripte oder auf eine trockene Mittheilung ihres Inhalts zu stoßen. Der Verf. beabsichtigt nicht, Dies oder Jenes aus diesen Handschriften, sondern Einiges über dieselben mitzutheilen. Nachdem zunächst nachgewiesen wird, welche Momente sich vereinigten, um gerade Italien zum reichen Sammelplatz so vieler jüdischer Handschriften zu machen, bildet der Verf. aus Kleinigkeiten und Aeußerlichkeiten, die sonst kaum eine Beachtung finden, wir möchten sagen, aus dem Bücherstaub , der auf den vergilbten Pergamenten ruht, ein überaus kunstfertiges Ganze, wovon jeder einzelne Theil voll anregenden Interesses ist. — In unsrer Zeit, die Dank der Buchdruckerkunst so leicht und bequem die nöthigen Bücher schafft, gewinnt man durch diese Darstellung erst einen wah¬ *) Der Reinertrag dieser Schrift ist für die Förderung des Unterrichts der armen Ghetto-Kinder in Rom bestimmt. ren. Einblick in die Schwierigkeiten, welche unseren Altvorderen nur die Beschaffung der einzelnen Bücherexemplare bereitete. Die äußere Form der Handschriften» die kalligraphische Ausstattung, die Art und Weise ihres Erwerbs, die üblichen Preise derselben, alles Dieses und vieles Andere findet seine lichtvolle Behandlung in der vorliegenden Schrift. Besonders interessant ist der Passus, der von der Censur handelt, wie sie auf jüdische Schriften ihren Einfluß geltend machte, und können wir es uns nicht versagen, einen diesbezüglichen Passus hier wörtlich folgen zu lassen: „Eine Geschichte der Censur, die sich aus den einzelnen Verstümmelungen zu construiren hätte und einer Darstellung noch harrt, würde sehr interessant sein. Ich will Ihnen nur einen Beitrag hierfür vorführen. „Im Talmud, Tractat Jebamoth Bl. 63, sagt Rabbi Elasar, daß jeder Mensch (d-n to), der nicht in den Ehestand trete, kein Mensch sei, d. h. seine Menschenwürde verliere. Denn es heißt in der Schrift; Gott schuf Mann und Weib, und (dann) nannte er ihren Namen Mensch. Der im Cölibat lebende Mönch Marco Marino, welcher die Baseler Talmud-Ausgabe censirte, fand darin einen Anstoß und setzte dafür „jeder Jude" (nrp ^d); ebenso ändert er aus demselben Grunde Pesachim 113 b. ntc\x 6 'v in TiL-n pw mm. „Der Censurzwang, der in der Gegenwart nur noch in dem russischen Reiche festgehalten wird, hat in dortigen Druckwerken viele solche Unannehmlichkeiten erzeugt. So werden dort alle Stellen, worin p' vorkommt (Griechenthum, das den heutigen Russen zugleich als Prototyp gilt), besonders berücksichtigt. Wenn im Talmud (Sota 49 b.) und n’jr nosn, griechische Sprache und Weisheit, unterschieden werden, so galt dies dem Censor als Anstoß und er setzte dafür pwv und no2n. Witzig bemerkte Jemand, in solcher Consequenz müßten auch die Schriftstellen p'.i v'vO und n^iSD p (Psalm 40, 3 und 69, 3 in ähnlicher Weise geändert werden. Hat ja derselbe Censor die Stelle im Talmud nrJöp j’D gestrichen (eine Art von Erbsen) und dafür o"oj/ nwöp gesetzt, weil er an andern Stellen, wo \'D als Bezeichnung für Häretiker vorkommt, dafür zu setzen die Instruction hatte. Zur Zeit des Türkenkrieges im Jahre 4830 wurde aus Haß gegen die Türken jede Stelle, wo-