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Der Israelit · 1878-03-27 · Heft 13 (27.3.1878) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 13 (27.3.1878)
Date
1878-03-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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317 einen Aufruf für die Israeliten von Lom Palanka erlassen, wo 37 Familien (134 Seelen) sich zu Grunde gerichtet sehen, ohne Zuflucht, ohne Brot, ohne Kleidung; beim ersten Nothfchrei derselben hatte er 2 Mitglieder, die HH. Jsaac B. Josef und A. Bomchis hingeschickt und soviel Unterstützung reichen lassen, als ihm seine Mittel gestatteten; er hat seitdem ein Hilfscvmitö eingesetzt, dessen Mitglied H. Lazar Termo (in Crajova via Orsova) beauftragt ist, Spenden in Geld und Kleidern entgegenzunehmen. — Verschiedene Vorschläge sind an das Central-Comitä gerichtet worden betreffs einer Action desselben zu Gunsten der Israeliten des Orients bei der europäischen Conferenz, welche nächstens zusammentreten soll. Das Central - Comitö ergreift alle in dieser Angelegenheit nöthigen Maßregeln. $ ni i II e t o tu Mher Wiera. Eine historische Erzählung. XIII. Sinan Pascha lebte unbehelligt in seinem Palaste in Constantinopel. Der Großwesir Ferhad hatte es nicht gewagt, ihm zu nahe zu treten. Aber Sinan hatte vergeblich auf seine Berufung als Großwesir gewartet. Da wurde ihm eines Tages sein langjähriger Feind Ferhad gemeldet. Er ging ihm entgegen und führte ihn in sein Gemach. Die Beiden ließen sich auf einem Divan nieder; ein Diener brachte den Tschibuk Schweigend saßen die beiden Männer lange Zeit neben einander, den Tabaksrauch von sich blasend. „Sinan", sprach Ferhad endlich, „wir sind lange genug Feinde gewesen. Wir müssen Frieden schließen und gemeinsame Sache machen, wenn wir nicht Beide unser Leben verlieren wollen." Sinan schwieg, erwartungsvoll auf seinen Feind blickend. „Du hast," fuhr Ferhad zu reden fort, „dem Sultan ein Mädchen gebracht, das uns Allen gefährlich wird. Nicht Du sollst die Früchte Deiner That genießen; ihr Oheim, ein Jude aus Salonichi, soll Großwesir werden." „ „Ein Jude Großwestr? Du scherzest Ferhad." " „Nicht allein das — sie will nicht zum Islam übertreten, und Mohammed hat eingewilligt, daß sie als Jüdin Sultanin Chaseki werde." „„Träume ich oder träumst Du, Ferhad?"" „Du glaubst mir nicht; wohlan, sende in daS Haus des Mufti und lasse Deine treuesten Freunde rufen: den Kaimakan*) Ibrahim, den Mufti**) Bostanfade, den Kadiaskar ***) Baki, den Janitscharen-Aga Aali, den Wesir Dscherrah undSchemsi- Pascha; sie alle sind bereit, hierher zu kommen; sie wissen, daß sie mich hier finden werden." Sinan klopfte dreimal an die Wand; sein Diener Hamid erschien. „Gehe in das Haus des Mufti", sagte Ferhad, „und ersuche in meinem Namen, die dort Versammelten hierherzukommen." Hamid entfernte sich. Ferhad und Sinan saßen schweigend nebeneinander, große Rauchwolken aus ihren Tschibuks blasend. Nach einer halben Stunde erschienen die obengenannten Großwürdenträger des Reichs. Sinan ging ihnen entgegen und hieß sie in seinem Haufe willkommen. „Ist unser Bruder Sinan", fragte der Mufti, „bereits von der großen Gefahr unterrichtet, die uns Alle bedroht?" „Er glaubt mir nicht", sprach Ferhad, „und wartet noch immer darauf, als Großwesir und Günstling der Rose von Salonichi in den Serail berufen zu werden, und wir, wir können ohne Sinan und die ihm treu ergebenen Sipahi's nichts beginnen." „Du kannst ihm glauben", sagte der Mufti, „diese Jüdin hat den Padischa bezaubert; er hat den Verstand verloren. Die Truppe der Sipahi's wie die der Janitscharen soll aufgehoben, die Kriege sollen eingestellt werden; die Giauren und Rajah's sollen den Moslemim gleichgestellt fein; ein Jude soll zum Großwesir ernannt werden und noch tausend andere derartige Dinge." „Was habt ihr beschlossen?" fragte Sinan. „Die Jüdin muß sterben", antwortete Ferhad. „Wir brauchen nur einen Theil dieser Dinge' dem Volke mitzutheilen, so werden Janitscharen und Sipahi's ihren Haß gegeneinander vergessen, in de» Serail stürmen und die Jüdin in Stück? zerreißen." „Und der Padischa?" fragte Sinan. „Er wird sie nicht retten können", entgegnete Ferhad. „Und fürchtet Ihr seine Rache nicht?" *) Gouverneur der Hauptstadt. **) Der höchste Priester. ***) Oberster Richter.

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