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Der Israelit · 1878-03-27 · Heft 13 (27.3.1878) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 13 (27.3.1878)
Date
1878-03-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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316 breiten; ich beschränke mich darauf, Ihnen. Hu sagen, daß ich sofort mit der Vertheilung von Brot, Suppe und Reis begann; es waren ungefähr 1500 Personen zu versorgen. Da die folgenden Züge nicht erschienen, so dirigirte ich am Abend die Israeliten nach den für sie vorbereiteten Quartieren. Um 7y2 Uhr kommt jedoch ein anderer, aus 45 größtentheils durchsichtigen Wagen bestehender Zug an, übervoll von Menschen, besonders Kindern und Weibern. Das Wetter ist fürchterlich, und diese Unglücklichen müssen während ihrer Fahrt grausame Marter ausgestanden haben,, um jetzt eine gewisse Genugthuung zu empfinden, mitten in der Nacht bei peitschendem und eisigem Regen an einem Orte zu landen, dessen Gastlichkeit sich von vorn herein durch keinerlei Maßnahme der Behörde ankündigt. Das Dach ist bei allen Waggons mit erstarrten Passagieren und mit Packeten beladen; es bedarf tausendfacher Vorsicht, um sie ohne Unfall herabzubringen. Die Israeliten sind 80 an Zahl, worunter nur 20 bedürftige, die ich ktach einer benachbarten Herberge führen lasse. Der Zug, der sie führt, kommt von Adrianopel und ist seit 49 Stunden unterwegs; 3 Frauen sind während der Fahrt vor Kälte gestorben. Nachdem ich meinem Personal Instructionen für Aufrechterhaltung des nöthigen Dienstes ertheilt, suche ich selbst mich etwas zu erwärmen und ein wenig Ruhe zu finden, die mir sehr nöthig ist. Am andern Tag, Sonntag 5 Uhr Morgens, Ankunft von zwei andern Zügen, mit vielen Kranken und 2 Todten; wenig Israeliten. Ich lasse im Namen des H. Baron v. Hirsch die Vertheilung von Lebensmitteln fortsetzen, wie dies für die früheren Reisenden geschehen. Um 2 und um 4 Uhr neue Züge; neue Vertheilungen. In der Nacht von Sonntag auf Montag meldet man mir, daß der Postzug,' der gleichfalls Flüchtlinge enthält, in Kutschuk—Tschekmedjie, 34 Kilometer von Constantinopel entfernt, entgleist ist und daß 50 Personen getödtet worden sind. In diesem Moment ersucht mich der lurkish Compassionate Fund (engl. Hilfsverein für die Türkei) ihm den Hilfsdienst zu übertragen; ich überlasse ihm denselben, indem ich mir jedoch die Pflege der Israeliten reservire. Am Morgen finde ich mich mit H. vr. Rapoport, Eisenbahnarzt, 2 anderen Aerzten von Strafford-House und Baron Mundy am Bahnhofe zusammen und wir reisen nach der Unglücksstelle, versehen mit einer Provision von 2C0 Broten, die ich mitgenommen, was, wie Sie bald sehen werden, eine nützliche Vorsicht war. Wir kommen an; der Weg ist unterbrochen; über einen Raum von 450 Meter liegen die Schienen herausgerissen, die Wagen umgedreht, die Maschine und mehrere Wagen in Stücken auf dem Boden. Den ganzen Damm entlang sind eine Menge der unglücklichen Passagiere zähneklappernd zusammengedrangt, hinter dem stehengebliebenen Theil des Zuges und längs des ganzen WegeS gehen unabsehbar, mühsam, andere Unglückliche, indem sie die Einen die Greise, die Anderen die Schwachen, Andere die Sachen dieser Verunglückten tragen. Man vernimmt nur einen einzigen langen Nothschrei; der Hunger noch mehr, als die Kälte drängt alle diese Opfer zusammen. Ich vertheile unter sie meine 200 Brote nebst Kümmel, so daß sie es wenigstens bis Constantinopel werden aushalten können. Die Aerzie sind ihrerseits bereits in den Zug gestiegen, der Todte und Verwundete enthält; 7 Leichen von Frauen und Kindern, mit Strohmatten bedeckt, liegen noch auf dem Boden umher. Wir schiffen alle diese Flüchtlinge in einen Zug ein und reisen nach Constantinopel zurück. In diesem Augenblicke sind 21 Züge zwischen Jarem-Burgas und Adrianopel unterwegs; ihre Reisenden müssen Hungers sterben; aber das Seraskeriat hat Befehle gegeben, daß ihnen Brot ausgetheilt werde. Erst um Mittwvch ist der Verkehr wieder hergestellt gewesen; in der Zwischenzeit hat 1 Zug uns Flüchtlinge gebracht, die wir wie die Anderen ausgenommen haben. Sowie die Züge aufeinander folgen (einige sind seit 4 Tagen unterwegs und ihre Passagiere fasten seit 36 Stunden), lasse ich die Vertheilung von Lebensmitteln wieder aufnehmen; der Eine derselben bestand aus größtentheils ungedeckten Wagen, über welche man Bretter gelegt hatte, um eine 2. Reihe von Reisenden aufzunehmen, so daß die Unteren buchstäblich ohne Luft und die Oberen erfroren waren. Wenig Israeliten; 25 und 30 Personen sind unterwegs vor Kälte gestorben. Unter den in Scutari internirten russischen Gefangenen befinden sich 11 Israeliten; ich habe durch H. Gabai, Secretär des H. Oberrabbiner von Constantinopel, Kleider, Geld und Tabak unter sie vertheilen lassen. Ebenso habe ich den nicht-israelitischen Gefangenen im Namen des H. Baron v. Hirsch und mit Erlaubniß des Militär- Gouverneurs 1500 Packet Tabak, 150 Hemden und ebensoviel Paar Unterhosen und wollene Slrümpfe, 50 Decken, Schuhe ic. zugeschickt. — Der Gemeindevorstand von Crajowa hat

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